: Alexandra Huß
: Blutrote Hand
: hansanord Verlag
: 9783947145270
: 1
: CHF 5.40
:
: Horror
: German
: 230
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Scout Grappler und ihre Geschwister sind den Schrecken der Wälder und Ruinen Schottlands nur mit knapper Not entronnen.
Verzweifelt sucht sie nun für sich und ihre Geschwister in den Labyrinthen Londons Zuflucht und Vergessen.
Doch die Vergangenheit ist alles andere als vergangen.
Ein Freund versagt, ein alter Gegner wird zum Vertrauten und eine tödliche Bedrohung kehrt zurück.

'Blutrote Hand' ist der furiose Abschluss des Horror-Thrillers 'Schneeweiße Hand' in einer Neuauflage.

Alexandra Huß studierte Creative Writing und absolvierte verschiedene Praktika in der Buchbranche. Sie schreibt Kolumnen für eine spanische Zeitung.<br><br> Sie lebt mit ihrer Familie im schaurig-schönen Ruhrgebiet und verfasst unter anderem Texte für das Mallorca Magazin. In Spanien, ihrer zweiten Heimat, tankt sie Energie für neue Projekte.

Hannah Holmes – Erste Spuren



Ich habe drei Wochen Urlaub genommen und beginne am nächsten Morgen mit der Recherche. Motiviert ziehe ich die Sporthose und den übergroßen Strickpulli an. Krame im Schlafzimmer nach dicken Wollsocken, die ich dann unter viel zu vielen Klamotten von Caja finde. Ich drehe mich zu ihr um und erkenne unter dem Federbett nur ihre braunen, langen Haare, die in schönen Wellen darunter hervorlugen.

Die Küche ist der letzte Raum am Ende des Korridors. Über das knarzende Parkett verschwinde ich darin, stelle die Kaffeemaschine an und mache die Tür zu. Der kleine Balkon, der zur Straßenseite zeigt, auf dem verschiedene Kräuter in glasüberdachten Blumenkästen stehen, ist völlig zugeschneit. Ich öffne das Fenster ein wenig, sofort dringt die eisige Luft in die Stube und lässt mich schaudern. Noch scheinen ein paar Sonnenstrahlen ihren Kampf gegen die Wolken ausfechten zu wollen, aber diese Bemühung wird aussichtslos sein.

Ich ziehe den Kragen des Pullis über meine Nase, setzte mich auf den Stuhl am Küchentisch und protokolliere in einem Notizblock, wo genau ich die Jungs gesehen habe.

Und die exakte Uhrzeit.

Dann gieße ich mir heißen Kaffee ein und überlege weiter. Der alte Mann ... oder waren es zwei Männer? Ich bin mir nicht mehr sicher und setze ein Fragezeichen dahinter. Sie alle trugen blaue Arbeitsanzüge. Sauber waren die nicht. Entweder hatten die da am Hafen etwas zu besorgen oder sie arbeiteten dort. Ich selbst habe an dem Morgen Fisch besorgt, Mister Snyles hat den besten und frischesten Hecht in ganz London. Als ich am Kofferraum gewesen bin, habe ich jemanden lachen gehört, laut und albern.

Nur aus diesem Grund habe ich aufgesehen. Und da waren die Jungs.

Sie unterhielten sich mit Mister Snyles. Ich habe mich geduckt, mir wurde schlecht. Vor meinen Augen tanzten Funken und das Herz hämmerte wie verrückt.

Snyles. Zuerst werde ich Mister Snyles befragen, und wenn die sich tatsächlich in London aufhalten, dann Gnade ihnen Gott.

»Guten Morgen, Honey. Was machst du da?«, fragt Caja, die ohne Schlafkleidung in die Küche kommt und den Block vom Tisch nimmt. Ihre Haare stehen zu Berge, die Liegefalten machen sie noch niedlicher. Ich ziehe sie auf den Schoß und denke, die Ermittlungen können warten.


***


Gegen zehn verabschiedet sich Caja. Noch wohnen wir nicht zusammen. Sie hat einen Job in New Cross, unterrichtet Geschichte an der Pepys School.

Von meinen drei Wochen Urlaub habe ich ihr rein gar nichts erzählt, denn das muss ich alleine erledigen. Irgendwann haben wir vor, ein Loft in Kensington zu mieten, aber wir wollen nichts überstürzen. Nach der Sache in Dumfries stand sie plötzlich wie ein rettender Engel vor mir. Ein Pub am Ende der Straße, eine Einladung ihrerseits zu einem Guinness und seitdem sind wir ein Paar.

Glücklich stehe ich auf und ziehe mich an. Ich verlasse ca. eine halbe Stunde nach ihr die Wohnung und fahre zum Bankside Pier am Queens Walk.

Am Hafen sind wenige Menschen unterwegs. Lediglich ein paar Touristen, die