Die Morgensonne stahl sich durch das Blattwerk der Bäume. Ringsum zwitscherten die Vögel. Weiter entfernt kreischten Affen in den Wipfeln. Mäxchen, das kleine Seidenäffchen, wäre am liebsten gleich losgestürmt, um mit seinen unbekannten Verwandten zu toben. Anouk erwischte das Tier gerade noch am Schwanz.
»Hiergeblieben, mein Lieber! Für dich ist es im Dschungel viel zu gefährlich!«
Mäxchen beschwerte sich schnatternd.
Laura öffnete die Augen. Ein Mückenstich auf der Stirn juckte unerträglich. Langsam richtete sie sich auf. Ihr Mund war trocken und fühlte sich verquollen an, ebenso wie die Augen. Allmählich kehrte die Erinnerung zurück.
Sie befanden sich im Dschungel der magischen Welt des achten Tages. Olivia und sie waren durch einen Riss zwischen den Welten von der Terrasse ihres Vaters hierherkatapultiert worden – in eine Wildnis, in der gefährliche Tiere und nicht minder gefährliche Pflanzen existierten. Dort waren sie auf Magister Horatius gestoßen. Der Alte hatte sich im Dschungel verirrt und war völlig hilflos. Zum Glück hatten sie Max Schirmer getroffen, der ihnen geholfen hatte, obwohl er für die FirmaTEMP arbeitete.
Laura stöhnte leise.TEMP! Die Firma war der gefährlichste Gegner der magischen Welt. Magister Horatius hatte das Geheimnis der Zeit geknackt und diese Welt geschaffen, und jetzt drohte sein Wissen in die falschen Hände zu geraten. Die Leute vonTEMP hatten bereits das Schloss der Ewigkeit gestürmt … Laura presste die Hände gegen die Schläfen. Hatten sie überhaupt eine Chance gegenTEMP?
Eine Hand packte sie am Arm. Laura zuckte zusammen und blickte zur Seite. Merle kniete neben ihr.
»Max ist weg«, sagte sie knapp.
Laura runzelte die Stirn. Sie erinnerte sich daran, dass ihr sein Fehlen während der Nacht ebenfalls aufgefallen war. Zunächst hatte sie gedacht, er hätte den Unterschlupf nur verlassen, weil er pinkeln musste.
»Du meinst … er ist ganz weg?«
Merle nickte. »Scheint so.« Sie streichelte nervös Brutus, ihre weiße Ratte, die auf ihrer Schulter herumkletterte.
»Vielleicht hat er sich verirrt«, murmelte Laura.
»Max? Der Fährten lesen kann? Der Einzige von uns, der weiß, wie man im Dschungel überlebt?« Merle schüttelte den Kopf. »Glaub ich nicht.«
In Lauras Kopf stiegen Schreckensbilder auf. Max, der im Sumpf gegen ein riesiges Krokodil kämpfte. Das aufgerissene Maul des Reptils. Die spitzen Zähne. Und der junge Mann dazwischen …
»Denkst du, er ist … tot?«, fragte Laura tonlos.
Merle schwieg und hob die Schultern.
Laura wollte aller Mut verlassen. Max war eine wertvolle Stütze gewesen. Er hatte Magister Horatius die meiste Zeit auf dem Rücken getragen, weil der Alte zu schwach war, um zu laufen.
»Es gibt noch eine andere Möglichkeit«, meinte Merle. »Vielleicht hat er seine Kumpel vonTEMP getroffen.«
Trotz der Schwüle, die im Dschungel herrschte, durchfuhr es Laura eiskalt. Max ein Verräter? Es hatte doch so ausgesehen, a