1. Kennenlernen
Das nächste Stück Schokolade wanderte wie von selbst in Klaras Mund. Sie ließ es genüsslich auf der Zunge zergehen. Das schlechte Gewissen und die Selbstvorwürfe würden sich erst später einstellen, wenn sie festgestellt hatte, dass sie mal wieder nicht, wie geplant, nach der Hälfte aufgehört hatte, sondern die Schokolade ganz aufgefuttert hatte. Klara saß vor dem Fernseher und sah zum x-ten Mal »Pretty woman«.
Sie hatte sturmfreie Bude, ihre beiden Töchter, Merle, sieben und Maja, elf Jahre alt, waren bei ihrem Ex, so dass sie sich nur um sich selbst kümmern musste. Sie genoss diese freien Wochenenden, auch wenn sie manchmal nicht recht wusste, was sie mit sich anfangen sollte. Die restlichen 12 Tage lief sie wie aufgezogen umher, ging arbeiten, kümmerte sich um die Kinder, machte den Haushalt und hatte höchstens abends kurz Zeit, die Füße hochzulegen und vor dem Fernseher einzuschlafen. Und alle vierzehn Tage waren die Kinder dann weg, es war Wochenende und sie hatte 48 Stunden Zeit für sich selbst.
Der Film war fast aus und Klara lächelte, weil gleich die Szene kommen würde, in der Richard Gere Julia Roberts mit der Limo abholte. Tief in ihrem Inneren war Klara eine Romantikerin, auch wenn sie das meist verdrängte, da ihr Alltag keinen Platz für Romantik ließ. Nur in den Filmen konnte sie so richtig dahinschmelzen und von dem wahren Prinzen träumen, der da draußen noch irgendwo auf sie wartete.
Der erste hatte sich j