: Amanda Quick
: Süßer Betrug Roman
: Blanvalet Taschenbuch Verlag
: 9783641246426
: 1
: CHF 2.70
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: Erzählende Literatur
: German
Wie ein rettender Engel taucht er in ihrem Leben auf: Zuerst befreit der mysteriöse Fremde die hübsche Olympia Wingfield aus den Klauen eines zudringlichen Nachbarn, dann stellt er sich unter dem Namen Chillhurst als der neue Hauslehrer vor. Von weiten Reisen in ferne Länder erzählend, betört er die träumerische Olympia mit seinem exotischen Zauber. Doch seine Absichten sind keineswegs ohne schurkische Hintergedanken …

Amanda Quick ist das Pseudonym der erfolgreichen, vielfach preisgekrönten Autorin Jayne Ann Krentz. Krentz hat Geschichte und Literaturwissenschaften studiert und lange als Bibliothekarin gearbeitet, bevor sie ihr Talent zum Schreiben entdeckte. Sie ist verheiratet und lebt in Seattle.

Prolog


»Sagen Sie ihr, daß sie sich vor dem Wächter hüten muß.« Artemis Wingfield beugte sich über den Tisch in der Taverne. Der Blick aus seinen blaßblauen Augen unter den buschigen grauen Brauen war eindringlich. »Haben Sie das verstanden, Chillhurst? Siemuß sich vor dem Wächter hüten.«

Jared Ryder, Vicomte Chillhurst, stützte die Ellbogen auf den Tisch, legte die Fingerspitzen aneinander und betrachtete sein Gegenüber mit seinem gesunden Auge. Wingfield hatte in den letzten zwei Tagen Vertrauen zu ihm gefaßt, dachte er, so großes Vertrauen, daß er die schwarze Samtklappe nicht länger anstarrte, die Jareds blindes Auge verdeckte.

Es war offensichtlich, daß Wingfield Jared als den akzeptiert hatte, der er vorgab zu sein – ein abenteuerlustiger Engländer, der, nachdem der Krieg gegen Napoleon zu Ende war, endlich wieder reisen wollte.

Die beiden Männer hatten die letzten zwei Nächte in demselben Gasthaus in dem tristen, kleinen französischen Hafen verbracht, wo sie auf die Schiffe warteten, die sie an ihre jeweiligen Bestimmungsorte bringen sollten.

Schweißtropfen liefen über Wingfields Gesicht. Es war ein warmer Abend im Spätfrühling, und die verräucherte Taverne war zum Bersten voll. Jared war der Meinung, daß Wingfield unnötigerweise unter der Hitze litt. Der hohe Kragen, die elegant gebundene Krawatte, die engsitzende Weste sowie der vornehme Rock des älteren Mannes trugen gewiß zu seinem Unbehagen bei.

Die modische Kleidung paßte weder zu der milden Nacht noch zu der schäbigen Hafenkneipe. Wingfield gehörte jedoch offensichtlich zu der Sorte von Engländern, denen das Erscheinungsbild weit wichtiger war als Bequemlichkeit. Jared nahm an, daß sein neuer Bekannter sich auf seinen Reisen allabendlich zum Dinner umzog, auch wenn das Mahl in einem Zelt serviertwurde.

»Ich verstehe die Worte, Sir.« Jareds Fingerspitzen klopften gegeneinander. »Aber mir entgeht ihr Sinn. Wer oder was ist dieserWächter?«

Wingfields Barthaare zuckten. »Das alles ist vollkommener Unsinn, wenn Sie mich fragen. Es ist nur Teil einer alten Legende in Verbindung mit einem Tagebuch, das ich meiner Nichte nach England schicke. Der alte Mann, der mir das Buch verkauft hat, erzählte mir von der Warnung.«

»Ich verstehe«, sagte Jared höflich. »Hüten Sie s