„Wunderschön!“
Es fehlte nicht viel, und Severin Erlbachers Augen wären feucht geworden, als er seine Tochter betrachtete. Regina hatte die Brautkrone ihrer verstorbenen Mutter probeweise in ihr weizenblondes Haar gesteckt.
Mithilfe der Nachbarin, der Thonweber-Bäuerin, hatte sie das gute Stück vor einer Woche unter dem Glassturz, wo es seit der Hochzeit der Eltern verwahrt gewesen war, hervorgeholt und die feinen Golddrähte sowie die vergoldeten Blüten und Blätter sorgsam vom Staub befreit. Alles sollte bestens vorbereitet sein, wenn sie mit ihrem Toni vor den Altar trat. Drei Wochen noch, dann würde sie Toni Scherers Frau sein …
„Der Toni kann stolz sein auf dich“, sagte Severin lächelnd, als seine Tochter die Brautkrone wieder abnahm und sie sorgfältig an ihrem Platz verwahrte.
„Das ist er auch“, gab Regina glücklich zurück, dann setzte sie sich zum Vater an den Tisch und schenkte sich ebenfalls Kaffee ein. „Und ich bin stolz auf ihn“, ergänzte sie nun mit strahlenden Augen. „Wirst sehen, Vater, er wird bald ein genauso tüchtiger Bauer sein wie du.“
„Ich weiß!“ Severin schmunzelte und zwinkerte seiner Tochter zu. „Hätt euch net meinen Segen gegeben, wenn’s anders wär!“
„Ach du …“ Das Dirndl stieß den Vater vergnügt in die Rippen. „Du hast mir doch immer versprochen, dass ich mir meinen Bräutigam selber aussuchen darf.“
„Das war ganz schön leichtsinnig.“ Die Stimme des Bauern klang jetzt doch ernst. „Hättest dir ja auch einen anderen aussuchen können. Einen, der net so fleißig ist wie der Toni. Irgendeinen windigen Kerl vielleicht. Es gibt sicher genug Burschen, die mit beiden Händen zugreifen täten, wenn sie auf den Erlbacher-Hof einheiraten könnten.“
Regina nickte. Oh ja, es stimmte schon, was der Vater sagte: So mancher Bursch, nicht nur hier in dem malerischen, von den Bergen im Arm gehaltenen Dorf Wolkenstein, wäre nur allzu gern Bauer auf dem stolzen Hof geworden. Sie war als einzige Tochter eines der wohlhabendsten Bauern hier im Tal in der Tat heiß umschwärmt.
„Grüß dich, Bauer. Regina …“ Toni war in die Stube getreten und begrüßte seine Braut mit einem zärtlichen Kuss. „In einer halben Stund sollten wir beim Pfarrer sein“, setzte er hinzu, als sie sich wieder voneinander gelöst hatten.
„Ich hab’s net vergessen, dass wir heut unser Aufgebot bestellen wollen.“ Neckisch blinzelte Regina ihm zu.
Wenig später sah Severin das junge Paar Hand in Hand den Weg ins Dorf hinunter laufen, wo sie im Pfarrhof erwartet wurden.
Severin lächelte in sich hinein. Er gönnte seiner Tochter, die er mehr liebte, als er es sich selbst eingestehen wollte, von Herzen, dass sie ihr Glück gefunden hatte. Er selbst kannte Toni seit dessen Kindheit, wusste, wie hart er immer gearbeitet hatte und dass er immer wieder Fortbildungskurse besucht hatte, war es seiner Mutter doch nicht möglich gewesen, ihn auf eine Landwirtschaftliche Fachschule zu schicken.
Toni hatte jede Arbeit angenommen, bis er schließlich im Sägewerk Horst Gabers drüben in Untersbrunn angefangen hatte. Dort hatte er sich ebenfalls als so tüchtig erwiesen, dass Gaber ihn zum Vorarbeiter gemacht hatte. Severin kannte seinen Schwiegersohn in spe mittlerweile allerdings gut genug, um zu wissen, dass er der geborene Landwirt war, obwohl „kein Lehm unter seinen Füßen klebte.“ Toni liebte die fruchtbare Scholle seiner Heimat, mochte die Tiere und auch die Wälder.
Sever