: Matthias Horx
: 15½ Regeln für die Zukunft Anleitung zum visionären Leben
: Ullstein
: 9783843721219
: 1
: CHF 18.00
:
: Sozialwissenschaften allgemein
: German
: 352
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Matthias Horx beschäftigt sich seit über 25 Jahren mit der Zukunft und seit 10 Jahren mit den psychologischen Dimensionen der Zukunftsforschung. Daraus ist die Disziplin des 'Neurofuturismus' entstanden. Horx zeigt, wie innere Projektionsprozesse und Zukunftsbilder unser Handeln und damit - rekursiv - die Zukunft verändern. Dieses Buch fasst seine darauf basierenden wichtigsten, praxisrelevanten Erkenntnisse in 15 konkreten Regeln zusammen. Das ist genau das, was sich viele Leser von Matthias Horx lange gewünscht haben.

Matthias Horx, geboren 1955, ist einer der einflußreichsten Trend- und Zukunftsforscher im deutschsprachigen Raum. Seine Leidenschaft gilt seit über 30 Jahren den Transformationsprozessen in Wirtschaft und Gesellschaft.  Nach seinem Soziologiestudium in den achtziger Jahren schlug er die journalistische Laufbahn ein und schrieb u. a. für TEMPO,MERIAN und die ZEIT. Als Publizist und Buchautor beschäftigte er sich vor allem mit dem Wertewandel, Jugendkulturen und den Modernisierungsprozessen in der Gesellschaft. 1993 war er Mitgründer des TRENDBÜRO Hamburg, Deutschlands erster Trend-Beratungsagentur. 1998 gründete er das Zukunftsinstitut, einen Prognose-Think-Tank, der heute zahlreiche auch internationale Unternehmen in allen Wirtschaftsbereichen berät. Seit 2007 ist er Dozent für Trend- und Zukunftsforschung an der Zeppelin-Universität am Bodensee. Matthias Horx ist Autor mehrer Bestseller. U.a.  'Wie wir leben werden' und 'Das Megatrend-Prinzip'.

ZUKUNFTSREGEL 2

Jeder Trend erzeugt
einen Gegentrend

Trends sind trügerisch, sie erzeugen Widerstände

Wenn wir an die Zukunft der Welt denken, so meinen wir immer den Ort, wo sie sein wird, wenn sie so weiterläuft, wie wir sie jetzt laufen sehen, und denken nicht, daß sie nicht gerade läuft, sondern in einer Kurve, und ihre Richtung sich konstant ändert.

LUDWIG WITTGENSTEIN,PHILOSOPHISCHE BETRACHTUNGEN

Wenn wir nicht die Richtung ändern, könnte es sein, dass wir dort enden, wo wir hinwollten.

CHINESISCHES SPRICHWORT

Wie können wir jenseits von Zukunfts-Bullshit überhaupt etwas über »die Zukunft« aussagen – diesen unfassbar großen, dunklen, leeren Raum, der vor uns liegt?

Das einfachste und probateste Mittel, die Zukunft zu beschreiben, ist ihre Vermittlung durchTrends. Dabei erschließen wir den Möglichkeitsraum, der vor uns liegt, durch bekannte Entwicklungen der Gegenwart. Das, was wir heute in Ansätzen erkennen, projizieren wir »nach vorne«. »Dieser Trend wird sich durchsetzen …« ist die beliebteste Zukunftsbehauptung.

Die Schwierigkeit dieser Behauptung offenbart sich anhand einer doppelten Frage: Was definieren wir überhaupt als »Trend«? Und wie dimensionieren wir einen Trend – und im Vergleich zu was? Darüber, wie wichtig, solide und wirkmächtig ein Trend ist, entsteht oft eine heillose Verwirrung. Das Spek­trum dessen, was sich »Trend« nennt, reicht ja von Vermutungen über die Rückkehr von Küchenschürzen über die Aussterbetendenz der Insekten bis zur Annahme, dass »wir alle« in wenigen Jahren vollkommen geschlechtsneutral sein werden, also weder Mann noch Frau, sondern irgendetwas dazwischen. Auf dem weiten Markt der Trends – denn es ist ein Markt, in dem Aufmerksamkeiten und Marketinginteressen eine große Rolle spielen – kann jeder alles behaupten. Er wird immer einen »Abnehmer« finden. Jemanden, der’s glaubt. Oder glauben will. Oder beides.

Orientierung in dieser Konfusion bieten dieMegatrends. Sie spielen in der Zukunftsbetrachtung seit vielen Jahren eine Schlüsselrolle. Ich erlebe immer wieder, wie schon das reine Aussprechen des Wortes »Megatrend« das Publikum in eine regelrecht euphorische Stimmung versetzt. Megatrends vereinfachen die Zukunft, weil ebendiese Zukunft als Resultat von Urkräften definiert wird, gegen die kein Einspruch möglich ist.

Megatrends haben allerdings ein Handicap: Sie suggerieren ein falsches Alles.Alles wird global!Alles wird vernetzt!Alles wird individualistisch!Alles wird urban!Alles wird hypermobil!Alles wird radikal digital!

Damit eignen sich Megatrends perfekt für Selbstbetrug. Für »wishful thinking«. Und für gnadenlose Verkürzungen der Wirklichkeit.

Um zu erkennen, dass das Wörtchen »alles« nicht so ganz ernst zu nehmen ist, lassen Sie uns ein kleines Gedankenspiel unternehmen:

Stellen wir uns vor, der Megatrend »Globalisierung« würde sich radikal durchsetzen. Alle kulturellen Differenzen und Unterschiede würden zu einer einzigen homogenen Globalkultur ­verschmelzen. Alle Einkaufs- und Stadtzentren wären von den immer gleichen Filialen riesiger amerikanisch-europäisch-chinesischer Konglomerate beherrscht. Alle Autos sähen gleich au