Kapitel 1
Frieke warf einen letzten Blick in den Badezimmerspiegel. Sie war zufrieden mit dem, was sie da sah. Okay, die Wangen wirkten irgendwie voller, aber da das aktuell auf ihren ganzen Körper zutraf – sogar die Zehen lagerten fröhlich Wasser ein, als wären sie im Wettbewerb mit den zu kleinen Stummelwürstchen angeschwollenen Fingern, – und es, wie ihre Hebamme Meike immer wieder versicherte, nur ein vorübergehendes Phänomen war, versuchte sie, sich damit zu arrangieren.
Soweit das eben möglich war, wenn man sich in ein teures, enges Kleid zwängte, weil man auf einer Hochzeit eingeladen war.
»Vor einer Woche hat es noch gepasst«, murmelte Frieke deprimiert. Ihre Hand ruhte auf dem Bauch, der offensichtlich schon wieder gewachsen war.
»Ist ja nicht mehr lang.« Bengt schob sich in das kleine Badezimmer und küsste ihren Nacken. Frieke hatte die dunklen Locken in mühsamer Kleinarbeit gebändigt und hochgesteckt. Als Krönung hatte sie eine alte, petrolfarbene Federbrosche mit Pailletten hineingesteckt und das Ganze mit so viel Haarspray fixiert, dass sich garantiert kein Härchen hervorwagen würde.
Bengt rümpfte die Nase. »Hast du gerade das Ozonloch über dem Südpol um drei Prozent vergrößert?«
Spielerisch versetzte sie ihm einen Klaps auf den Unterarm. »Manchmal bist du mit deinem Ökobewusstsein ein bisschen arg Achtziger!« Sie betrachtete ihn zärtlich. Sie konnte gar nicht glauben, dass dieser unglaublich attraktive Mann mit den Wuschelhaaren und dem gepflegten Dreitagebart wirklich zu ihr gehörte.
Bengt trug einen schlichten, grauen Anzug und eine rote Krawatte zu dem weißen Hemd. Der Anzug war schon etwas älter und zu weit geschnitten, wie es vor zehn Jahren nun mal Mode gewesen war. Auch bei der Krawatte hatte er nicht mit sich reden lassen. Friekes Vorschlag, er könnte doch eine Krawatte wählen, die zu ihrem Kleid passte, hatte er abgeschmettert. »Die geht noch«, hatte er behauptet. Und so richtig unpassend war sie nicht zu dem cremefarbenen Empirekleid mit Spitzenrock, der zum Glück bis zum Boden reichte. Dadurch wurde der Bauch zwar noch mehr betont, aber zugleich wurden die ziemlich unpassenden und leider auch sehr unstylischen Birkenstocks kaschiert, die sie anhatte, die Riemen bis auf das äußerste Loch geschnallt. In Schuhe mit Absätzen hätte sie heute definitiv nicht gepasst. Da hätte Bengt sie auch zur kleinen Inselkirche tragen können, und nein, das würde er nicht tun. War ja n