: Amy E. Reichert
: Nur wer loslässt, hat das Herz frei Roman
: Heyne Verlag
: 9783641247287
: 1
: CHF 2.70
:
: Erzählende Literatur
: German
: 400
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Drei Generationen. Sieben Tage. Ein großes Familiengeheimnis.

Gina Zoberski liebt es, in ihrem Food Truck köstliche Sandwiches zuzubereiten und umfangreiche To-Do-Listen zu erstellen. Eigentlich ist sie die geborene Optimistin, doch den zwei Jahre zurückliegenden Tod ihres geliebten Mannes hat sie noch nicht verwunden. Zudem vergeht kein Tag, ohne dass ihre Mutter Lorraine sie kritisiert oder ihre Tochter May sie infrage stellt.

Als Lorraine einen Schlaganfall erleidet, stolpert Gina über ein Familiengeheimnis, das vierzig Jahre lang vor ihr verborgen wurde. Schnell wird ihr klar, dass diese unangenehme Wahrheit genau das ist, was sie braucht, um loszulassen und neu anzufangen …

Amy E. Reichert hat einen Abschluss in Englischer Literatur und liebt es, Geschichten mit Happy End zu schreiben, deren Figuren man gerne zu sich nach Hause einladen würde. Amy ist glückliche Ehefrau, Mutter und Hobbyköchin und würde zu einem Glas Cider niemals Nein sagen.

Kapitel 1


1.Weihnachtskarten wegwerfen

2.duschen

3.May saubere Klamotten vor die Tür legen

4.zusätzlichen Käse in dünne Streifen ­schneiden

5.Mittagessen vorbereiten

6.Mom anrufen

Gina Zoberski strich Punkt Nummer fünf durch und wandte sich dann ihrem ersten Kunden zu. Ihre Lippen verzogen sich automatisch zu einem Lächeln. Innerhalb von Minuten zischten die Käsesandwiches auf dem Rost. Diese Zeit nutzte sie, um Fettpapier und Pappschiffchen in einer Reihe aufzustellen, wobei die kalte Luft, die sich mit der warmen im Grilled G’s, ihrem Gourmetgrillkäsetruck, mischte, das Papier zum Flattern brachte. Sie kontrollierte die Sandwiches, während sie langsam braun wurden, und las schnell dieSMS von ihrer Trucknachbarin Monica, die die Brötchenbude betrieb und deren sich ständig ändernde Speisekarte alles, womit man Brötchen belegen konnte, zu bieten hatte, angefangen mit Würstchen bis hin zu gegrilltem Gemüse.

C MACHT DIE RUNDE

Gina lächelte, als sie über die Köpfe der wartenden Kunden hinweg aus ihrem Truckfenster schaute. Charlotte war tatsächlich auf dem Weg. Vorsichtig schlurfte sie über den vereisten Bürgersteig und zog dabei die Hand aus der alten roten Supermarktplastiktüte, die an ihrem Arm hing. Sie trug einen zu großen schwarzen Mantel mit riesigen prall gefüllten Taschen, die ihr bis über die Knie reichten. Ein gepunkteter Strickschal verdeckte die Hälfte ihres Gesichts, und eine dunkle Mütze mit Ohrenklappen saß auf ihren zotteligen hellroten Locken. Obwohl sie nicht alt war, sah sie durch den Schlafmangel ausgezehrt aus, und die Haut hing ihr um die Knochen, als fehlte es ihr an Substanz, sie ganz auszufüllen.

Gina machte die Sandwiches fertig, gab sie an die wartenden Kunden aus und bereitete danach drei ihrer klassischen Käsesandwiches zu, eine Kombination aus Colby Jack, Schmelzkäse und Provolone auf frischem italienischem Brot, mit viel Butter, knusprig und goldbraun gebraten. Vor langer Zeit hatte sie gelernt, die beiden Brotscheiben für jedes Sandwich gleichzeitig zu grillen, in Streifen geschnittenen Käse daraufzugeben und sie anschließend zusammenzuklappen. Es dauerte nur halb so lange und war genauso köstlich.

»Hi, Charlotte. Was für ein schöner Schal. Hält er dich gut warm?« Charlotte antwortete nicht. »Das Übliche?«

»Ja. Ich hab’s eilig.« Der Schal dämpfte ihre Worte. Sie schob drei zerknitterte, eingerissene Dollarnoten und sechs Vierteldollarmünzen über die Theke – den Preis für ein Käse­sand­wich mit Chips.

»Kommt sofort.«

Gina steckte das Geld in die Kassenschublade, während Charlotte ihr über die Schulter schaute und ihre Tasche fester an sich drückte. Sie sah schwer aus. Sie musste den meisten Ständen heute schon einen Besuch abgestattet haben. Gina legte an das Classic Sandwich letzte Hand an und sah zu, dass eine Ecke verbrannt war. Dann packte sie es vorsichtig in Alufolie und gab es ihr zusammen mit einer Tüte Kartoffelchips. Als Charlotte neben die Warteschlange trat und gierig das Essen auspackte,