: B.A. Paris
: Solange du schweigst Psychothriller
: Blanvalet Taschenbuch Verlag
: 9783641241377
: 1
: CHF 2.70
:
: Spannung
: German
: 352
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Seine Freundin ist verschwunden. Er hat der Polizei alles erzählt. Die Wahrheit. Aber nicht die ganze …

Finn und Layla: jung, verliebt, ihr ganzes Leben liegt vor ihnen. Doch auf dem Heimweg von einem Urlaub in Frankreich passiert etwas Schreckliches. Finn hält an einer Raststation und lässt Layla kurz allein im Wagen. Als er zurückkehrt, ist Layla verschwunden und wird nie wieder gesehen. Das ist die Geschichte, die Finn der Polizei erzählt. Es ist die Wahrheit. Aber nicht die ganze.
Zwölf Jahre später hat Finn sich ein neues Leben aufgebaut. Er ist glücklich mit seiner Freundin Ellen – Laylas Schwester. Doch dann erhält er einen Anruf. Jemand hat Layla gesehen. Kurz darauf häufen sich die Zeichen, dass Layla sich ganz in der Nähe aufhält. Doch ist sie wirklich noch am Leben? Finn weiß nicht mehr, was er glauben soll. Vielleicht spielt jemand nur ein grausames Spiel mit ihm – aber aus welchem Grund?

B.A. Paris wuchs in England auf, hat jedoch den Großteil ihres Erwachsenenlebens in Frankreich verbracht. Sie arbeitete in der Finanzbranche und als Lehrerin, bevor sie sich dem Schreiben zuwandte. Ihre Romane erscheinen in 37 Ländern und haben sich millionenfach verkauft. Gemeinsam mit ihrem Ehemann und ihren fünf Töchtern lebt B.A. Paris heute in England.

1
Heute


Mein Handy klingelt, als ich durch das großzügig verglaste Foyer von Harrys eindrucksvollem Bürogebäude am London Wall gehe. Ich drehe mich um und sehe auf die digitale Zeitanzeige über der Rezeption; es ist erst halb fünf, aber ich habe es eilig, nach Hause zu kommen. Es hat monatelange hartnäckige Anstrengungen erfordert, den prominenten Investor Grant James dazu zu bewegen, fünfzig Millionen Pfund in Harrys neuem Fonds anzulegen, und ich bin in Feierlaune. Als kleines Dankeschön hat Harry für heute Abend im The Hideout, dem besten Restaurant in Cheltenham, einen Tisch für Ellen und mich gebucht, und ich weiß, dass es ihr dort gefallen wird.

Ich sehe ungeduldig auf mein Smartphone und hoffe, dass dies kein Anruf ist, den ich annehmen muss. Der angezeigte Anrufer ist Tony Heddon, ein Kriminalbeamter in Essex. Wir haben uns damals vor zwölf Jahren kennengelernt, als ich unter dem Verdacht, Layla ermordet zu haben, verhaftet wurde, und sind seither gute Freunde geworden. Links neben dem Empfangsbereich steht eine sanft geschwungene Sitzbank aus Stahl, auf die ich meinen Aktenkoffer stelle.

»Tony«, sage ich, als ich den Anruf entgegennehme. »Schön, von dir zu hören.«

»Ich störe hoffentlich nicht?«

»Nicht im Geringsten«, sage ich rasch. Seine Stimme klingt ernst, wie immer, wenn er anruft, um mir mitzuteilen, dass die französische Polizei eine weitere nicht identifizierte Tote gefunden hat. Wahrscheinlich ist es ihm peinlich, deshalb gehe ich in die Offensive. »Ist wieder eine Leiche gefunden worden?«

»Nein, nichts dergleichen«, versichert er mir in seinem beruhigend sanften Devonshire-Akzent. »Thomas Winter – du weißt schon, dein früherer Nachbar in St. Mary’s – war gestern bei uns auf dem Revier.«

»Thomas?«, frage ich überrascht. »Ich hätte nicht gedacht, dass er überhaupt noch lebt. Wie geht es ihm?«

»Körperlich nicht schlecht, aber er ist doch ziemlich alt geworden. Deshalb wollen wir seine Aussage auf keinen Fall überbewerten«, fügt er hinzu, bevor er eine Pause macht. Während ich darauf warte, dass er weiterspricht, analysiert mein Verstand, was Thomas ihnen erzählt haben kann. Aber dann fällt mir ein, dass er Layla und mich nur als sehr glückliches Paar erlebt hat, bevor wir damals zum Skiurlaub nach Frankreich gefahren sind.

»Wieso, was hat er gesagt?«, frage ich.

»Dass er gestern Layla gesehen hat.«

Mein Herz setzt einen Schlag lang aus. Ich stütze mich mit der freien Hand auf das kalte Metall der Sitzlehne und versuche zu verarbeiten, was er mir gerade erzählt hat. Ich weiß, dass Tony darauf wartet, dass ich etwas sage, aber ich bringe kein Wort heraus und muss es ihm überlassen, die entstandene Pause auszufüllen.

»Er hat gesagt, er hat sie vor dem Cottage stehen gesehen, und als er hingegangen ist, um mit ihr zu reden, ist sie weggelaufen«, fährt er fort.

»Weil sie’s nicht war«, sage ich in neutralem Tonfall.

»Das habe ich auch vermutet. Ich habe ihn daran erinnert, dass er sie seit zwölf Jahren nicht mehr gesehen hat, aber er hat behauptet, er würde sie auch