: Aeneas Rooch
: Mein wasserdichtes Baby Verblüffende Phänomene aus dem Babyversum wissenschaftlich erklärt
: Heyne Verlag
: 9783641247003
: 1
: CHF 3.60
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: Naturwissenschaft
: German
: 240
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Wissenschaf sjournalist und Bestsellerautor Aeneas Rooch nimmt uns mit auf eine fulminante Reise in die wunderbare Welt der Babys. Witzig, fesselnd und wissenschaftlich fundiert erzählt er von erstaunlichen Erkenntnissen aus dem Alltag mit den Kleinsten.
Besitzen Babys einen Tauchreflex? Ist es gesund, wenn Eltern den Schnuller ablecken? Sind Nüsse für Kinder wirklich gefährlich? Und was ist dran an der Regel, dass man heruntergefallene Lebensmittel, die weniger als fünf Sekunden auf dem Boden lagen, bedenkenlos essen kann? Aeneas Rooch lüftet die Rätsel des Elternalltags. Die perfekte Lektüre für schlaflose Nächte!

Aeneas Rooch, geboren 1983, hat Mathematik und Physik studiert. Er arbeitet in der Softwarebranche und ist als freier Wissenschaftsjournalist tätig. Er spielt gerne Klavier und Badminton (aber selten gleichzeitig).

Wettlauf gegen die Zeit


Wie lange kann man bedenkenlos vom Boden essen?

Inzwischen habe ich mich daran gewöhnt, dass es nach dem Essen unter unserem Küchentisch aussieht wie im Schweinestall (genau genommen sieht es mit Kindern überall in der Wohnung aus wie im Schweinestall, aber nach dem Essen unter dem Küchentisch ganz besonders): Es liegen angebissene Apfelspalten, Bananenstückchen und Weintrauben herum, daneben benagte Gurkenscheiben und Paprikasticks, zerkaute Käsewürfel, vollgespeichelte Wurstfetzen, Reste von Milchbrötchen und Brotkrümel. Für ein kleines Kind ist Essen eben ein permanenter Kampf gegen die Schwerkraft, andauernd rutscht ihm etwas aus der Hand oder fällt ihm etwas aus dem Mund, gern schmeißt es aber auch aus reinem Vergnügen etwas herunter oder spuckt es aus. So landet bei jeder Mahlzeit eine beachtliche Menge Essen auf dem Fußboden. Ich habe noch nie nachgewogen, wie viel genau sich da so ansammelt (vielleicht aus unterbewusster Angst vor dem Ergebnis?), aber es ist auf jeden Fall eine beeindruckende Portion. Manchmal sieht es fast so aus, als liege mehr Essen unter dem Tisch als darauf.

Wenn die heruntergefallenen Häppchen nicht allzu übel besabbert oder zerkaut sind, hebe ich sie meistens wieder auf und gebe sie meinem Kind zurück. Gästen würde ich sie vielleicht nicht mehr anbieten, aber das Kind achtet ganz offensichtlich noch nicht auf Etikette und Benehmen und hat auch noch einen eher weit gefassten Begriff von Appetitlichkeit und Hygiene. Warum also sollte ich Essen wegwerfen, das ihm noch bestens schmeckt? Nur weil es auf dem Boden gelegen hat?

Viele Menschen sehen das ähnlich pragmatisch, achten beim Aufheben aber penibel auf die Zeit. Sie halten sich an eine Maxime, die vor allem unter jungen Eltern weitverbreitet zu sein scheint – die sogenannte »Fünf-Sekunden-Regel« –, die besagt, dass man heruntergefallene Kekse, Apfelstückchen und andere Nahrungsmittel bedenkenlos essen kann, solange sie nur weniger als fünf Sekunden auf dem Boden gelegen haben. Manche Eltern kennen auch die etwas strengere Variante dieser Richtlinie, die »Drei-Sekunden-Regel«.

Die Begründung für die Regel (ob nun mit drei oder fünf Sekunden) ist, dass Bakterien und Krankheitserreger, die sich auf dem Boden tummeln, eine Weile brauchen, bis sie auf den heruntergefallenen Keks geklettert sind; und solange sie das noch nicht getan haben, kann man den Keks ohne Gefahr aufheben und weiter verfüttern. Das klingt plausibel. Aber stimmt es auch? Ist das mit den fünf Sekunden eine vernünftige Faustregel, oder ist es totaler Unsinn? Wie schnell können sich Bakterien überhaupt fortbewegen? Brauchen sie zum Erklimmen eines Kekses Sekunden, Stunden oder gar Tage? Dieses Thema wurde im Geburtsvorbereitungskurs leider nie behandelt. Junge Eltern brauchen also dringend eine handfeste, wissenschaftliche Antwort: Was ist dran an der ominösen Fünf-Sekunden-Regel?

Die Highschool-Schülerin Jillian Clarke ist