: Antony Beevor
: Arnheim Der Kampf um die Brücken über den Rhein 1944
: C. Bertelsmann
: 9783641237653
: 1
: CHF 15.30
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: Geschichte
: German
: 544
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
80 JAHRE KRIEGSENDE - die glänzend recherchierte Erzählung einer entscheidenden Schlacht des Zweiten Weltkriegs
September 1944: Nach der erfolgreichen Invasion der Westalliierten am D-Day planen sie nunmehr die Errichtung eines Brückenkopfs über den Rhein, insbesondere durch die Einnahme der Brücke von Arnheim, der Hauptstadt der niederländischen Provinz Gelderland. Die Führung an Market Garden, so der Kommandoname, haben die Briten. Ihr riskanter Operationsplan sieht vor, dass rund 40 000 Fallschirmjäger hinter den deutschen Linien abgesetzt werden. Aber statt nur auf Volkssturm und Hitlerjugend treffen sie dort auf zwei Panzerdivisionen der Waffen-SS. Obendrein kommt es zu ständigen Kompetenzstreitigkeiten zwischen Montgomery und Eisenhower. Die auf sich gestellten Briten werden eingekesselt, der Wehrmacht gelingt einer ihrer letzten Siege.

Arnheim ist für viele Briten noch heute ein nahezu mythischer Ort von ungebrochener Faszination, verklärt als Stätte einer heroischen Niederlage, wo der Sieg doch in Reichweite war. Dagegen macht Antony Beevor deutlich, dass schon die Planung Montgomerys zum Scheitern verurteilt war. Für seine akribische Darstellung der Kriegsereignisse konnte er sich auf bislang unbeachtete und viele neue Quellen aus niederländischen, britischen, amerikanischen, polnischen und deutschen Quellen stützen.

Mit 32-seitigem Bildteil und Kartenmaterial

Antony Beevor, Jahrgang 1946, ist mit seinen in zahlreiche Sprachen übersetzten Büchern weltweit der erfolgreichste Autor zu historischen Themen. Er wurde vielfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Wolfson History Prize, dem Samuel-Johnson-Preis und dem Pritzker Literature Award, und 2017 für seine Verdienste in den Adelsstand erhoben. Auf Deutsch sind von ihm die Bestseller erschienen: 'Stalingrad' (1999), 'Berlin 1945 - Das Ende' (2002), 'Der Spanische Bürgerkrieg' (2006), 'D-Day' (2010), 'Der Zweite Weltkrieg' (2014), 'Die Ardennen-Offensive 1944' (2016) und 'Arnheim' (2019).

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Die Jagd ist eröffnet!


Am Sonntag, dem 27. August 1944, herrschte in der Normandie perfektes Sommerwetter. Von einem Spielfeld in Saint-Symphorien-les-Bruyères südwestlich von Evreux waren die einschläfernden Geräusche eines Kricket-Matchs zu hören. In dem angrenzenden Birnengarten waren die Sherman-Panzer der britischen Sherwood Rangers Yeomanry nach der Schlacht um den Kessel von Falaise, dem Höhepunkt des Kampfes um die Normandie, gerade instand gesetzt worden. Schläger, Bälle, Beinschutz und Fanghandschuhe für das Kricket-Spiel hatte die Einheit mit dem Nachschub an Land geschmuggelt. »Niemand soll uns nachsagen können, wir seien unvorbereitet auf dem Kontinent einmarschiert«, schrieb einer der Spieler.1

Bis zum geplanten Abmarsch des Regiments blieben noch 24 Stunden, doch nach dem Mittagessen ging der Befehl ein, dieser habe bereits in einer Stunde zu erfolgen. Siebzig Minuten später rollten die Panzer schon in Richtung Seine, welche die erste britische Einheit, die 43. Wessex Division, bereits am Vortag bei Vernon überquert hatte. Die britischen Truppen gönnten es der 3rdUS Army unter General George Patton nicht, dass diese bereits sechs Tage zuvor über den Fluss gerollt war.

Am 29. August starteten die Armeen der Alliierten, inzwischen fast eine Million Mann, von ihren Brückenköpfen östlich der Seine in Richtung Belgien und deutsche Grenze. Die Schlacht um die Normandie war endgültig gewonnen, und die Wehrmacht befand sich auf einem chaotischen Rückzug. »An den wichtigsten Nachschubwegen«, schrieb ein amerikanischer Offizier in sein Tagebuch, »kann man die Spuren unserer Schläge gegen den Feind sehen. Von Bomben und Beschuss zerfetzteLKW-Wracks rosten, wild durcheinandergeworfen an den Straßenrändern, gelegentlich eine Ladung Gastanks wie ein Haufen aufgequollener toter Kühe, schwarz und verkohlt, dazu ein Eisenbahnzug mit jeder Menge verbeulter Kessel und den verbogenen stählernen Skeletten ausgebrannter Güterwaggons.«2

Für die britischen Panzerregimenter hatte die Jagd begonnen. Lieutenant General Brian Horrocks, der das britischeXXX. Corps befehligte, stand im Turm des Kommandeurspanzers, weil er nicht widerstehen konnte, selbst dabei zu sein. »Das war die Art Krieg, die ich mochte«, schrieb er später. »Wer wohl nicht?« Die Guards Armoured Division, die 11th Armoured Division und die 8th Armoured Brigade mit über 600 Panzern – Shermans, Churchills und Cromwells – »gingen an einer Front von achtzig Kilometern vor und schlugen ganze Schneisen ins Hinterland des Feindes, wie wenn ein Mähdrescher durch ein Maisfeld rollt«.3

Die Gegend zwischen Seine und Somme war »offen und gewellt, hatte weite Felder ohne Hecken und gute Straßen«.4 Die gefährlicheBocage in der Normandie mit ihren von hohen Hecken gesäumten Feldern und tiefen Hohlwegen lag weit hinter ihnen. Das Panzerregiment der Sherwood Rangers ging immer noch in seiner alten Wüstenformation aus dem Nordafrika-Feldzug vor: eine Kompanie Sherman-Panzer als Vorhut, dahinter der Regimentsstab und je eine Sabre Squadron an den Flanken. »An einem schönen Morgen mit Höchstgeschwindigkeit über festes, offenes Gelände zu fahren«, schrieb ein Truppenführer, »wissend, dass die Deutschen vor uns flüchteten, war, gelinde gesagt, ein Anlass zur Freude, und überall herrschte Hochstimmung. Wir kamen uns vor wie bei einem Autocross.«5

Wo sie auftauchten, läuteten die Kirchenglocken. Nahezu jedes Haus war in den französischen Nationalfarben Rot, Weiß und Blau geschmückt. Die Dorfbewohner, überglücklich, dass ihnen die Verwüstungen der Normandie erspart blieben, erwarteten die Truppen der Alliierten mit Wein und Früchten. Unrasierte Résistance-Kämpfer mit Armbinden versuchten, auf die Führungsfahrzeuge zu klettern, um ihnen den Weg zu weisen. Einem Stabsoffizier der Guards Armoured Division in einem Spähpa