: Sandra Binder
: Biker Tales: Gefangen im Feuer
: Edel Elements - ein Verlag der Edel Verlagsgruppe
: 9783962152840
: 1
: CHF 2.70
:
: Erzählende Literatur
: German
: 213
: kein Kopierschutz
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Der zweite Teil der 'Biker Tales'-Reihe! Entgegen aller Vernunft hat sich Bea auf Charlie und den Motorradclub 'Satan's Advocates' eingelassen - mit schwerwiegenden Folgen. Doch verhaftet zu werden, ist längst nicht das Schlimmste, was ihr passieren konnte. Als bei einer Ausfahrt auf Charlie und sie geschossen wird, erfährt Bea erst, dass der Club von einigen ehemaligen Mitgliedern bedroht wird. Dabei wollte Charlie doch offener zu ihr sein, ihr alles erzählen, sein Leben mit ihr teilen ... Sagte er nicht, es würde ihr nichts geschehen? Er hatte es Bea sogar versprochen! An nichts anderes kann sie denken, als sie mitten in die Fehde hineingezogen wird und alles danach aussieht, als könnte Charlie dieses Versprechen nicht einhalten. Wie immer bei dieser Reihe gilt: Jeweils zwei Bände bilden eine Geschichte.

Sandra Binder, geboren 1985, lebt mit ihrem Mann im Herzen Oberschwabens. Noch bevor sie lesen und unzählige Bücher verschlingen konnte, kam sie mit dem Theater in Berührung und stand im Alter von fünf Jahren zum ersten Mal auf der Bühne. Die Liebe zum Theater erweckte eine tiefe Leidenschaft für Märchen und phantastische Geschichten in ihr. Und ließ sie sich bald schon ihre eigenen Welten auszudenken. Bereits in jungen Jahren versuchte sich Sandra immer wieder an verschiedenen Erzählungen und zeichnete Comics. Aber erst im Jahr 2015 wagte sie mit einer Kurzgeschichte den ersten Schritt an die Öffentlichkeit. Heute freut sie sich darüber, in verschiedenen Genres schreiben zu dürfen.

Chapter 10 – Behind Bars


Ich wusste es. Ich wusste, dass es so enden würde!

Das klärt sich schnell, Bea. Sag nichts, hörst du. Ich schicke dir unseren Anwalt. Ich regle das.

Du hast schon genug getan. Siehst du das? Du hast das aus mir gemacht.

Die letzten Worte, die Charlie und sie gewechselt hatten, zogen unablässig durch Beas Kopf, während sie seinen gequälten Blick vor ihrem inneren Auge sah. Er hatte sie angesehen, als wäreer das Opfer.

Bea schnaubte und rieb sich die Handgelenke, dort, wo die Handschellen in ihre Haut gedrückt hatten, als sie abgeführt worden war. Abgeführt und aufs Revier gebracht, hineingesteckt in einen winzigen, stickigen Raum und stundenlang dort vergessen. Dann war endlich Chief Russo zu ihrer Befragung aufgetaucht. Ständig hatte er an seinem Schnauzbart herumgezupft und seine Fragen an die tausend Mal wiederholt, schien jedoch nicht überrascht zu sein, dass Bea nicht antwortete.

Irgendwann – sie hatte das Zeitgefühl verloren – brachte der Chief sie ins Untergeschoss und schubste sie in eine der Zellen. Und hier saß sie nun auf einer harten Pritsche und starrte an die nackte Wand. Das alles erschien ihr wie ein Traum. Ein Albtraum.

Hier eingesperrt zu sein, war Beas persönliches Worst-Case-Szenario. Es war das Ende, das ihr jeder, einschließlich sie selbst, prophezeit hatte, wenn sie in Wolfville und bei Charlie bleiben würde. Wie hatte sie es nur so weit kommen lassen können? Bea war stinkwütend auf ihn und die Jungs, aber am meisten auf sich. Sie war doch stärker, verdammt nochmal, klüger und weitsichtiger. Wieso hatte sie sich von ihm nur auf diese Weise ausnutzen lassen?

Sie liebte ihn zu sehr. Die Liebe zu Charlie war derart tief in ihrem Herzen verwurzelt, dass sie sie wohl nie vollständig herausreißen konnte. Diese Gefühle für ihn waren wie Unkraut – sie kamen ständig durch. Aber wenn sie sich wieder auf die Wut konzentrierte, die sie für ihn fühlte, konnte sie die anderen Empfindungen zurückdrängen und ihn einmal mehr verlassen.

Sie schwor sich, dass sie ihm für diesen fiesen Betrug eine verpassen würde, wenn sie ihn das nächste Mal sah. Der Tod dieser Ratte JJ scherte sie im Grunde sehr viel weniger, als dass Charlie sie belogen und benutzt hatte. Nach all der Zeit, nach allem, was er ihr versprochen hatte, tat er ihr das an. Bea fühlte sich schlichtweg verraten.

Sie spürte einen gewaltigen Stich im Herzen. Nicht zuletzt, weil ihr einfiel, dass sie ihren Plan, ihm eine reinzuhauen, wohl nicht so rasch in die Tat umsetzen konnte. Sie war hier eingesperrt, durfte keinen Besuch empfangen und würde wohl demnächst ins Gefängnis überstellt werden.

Knast. Das Wort klang fremd für sie. Aber bald würde sie mehr damit verbinden können, als ihr lieb war. Bea wunderte sich, wie ihre Augen beim Gedanken daran trocken blieben. Müsste sie sich nicht die Haare raufen und heulend an der Zellentür rütteln, statt auf ihrer Pritsche zu hocken, den Kopf gegen die Wand zu lehnen und zu warten? Wieso war sie derart ruhig?

Wie so oft in letzter Zeit verstand sie sich selbst nicht mehr.

Charlie hatte erneut dieses schwache, gefühlsgeleitete Wesen in ihr zum Vorschein gebracht und all ihre Versuche, ein besserer, ein anständigerer Mensch zu werden damit vereitelt. Sie war genau dort, wo ihre Eltern, Lehrer und Klassenkameraden sie immer gesehen hatten: Hinter Gittern. Bea zählte nun offiziell zum ›White Trash‹, dem weißhäutigen Abschaum, zu den kriminellen, verlorenen Seelen. Wieso also rastete sie nicht aus? Und wieso knurrte ihr der Magen? Wie konnte sie hungrig sein, jetzt, da ihr Leben vorbei war?

Es fühlte sich wie eine Ewigkeit an, bis es endlich Tag wurde. Zumindest schätzte Bea, dass es Tag wurde,