: Volker Arzt
: Kumpel und Komplizen Warum die Natur auf Partnerschaft setzt
: C.Bertelsmann Verlag
: 9783641223526
: 1
: CHF 4.50
:
: Natur, Technik
: German
: 368
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Miteinander statt Konkurrenz – von Win-win-Konstellationen in der Natur

Ist faire Partnerschaft mehr als eine Vision? »Homo homini lupus« - nach dem berühmten Satz von Thomas Hobbes ist der Mensch gegenüber seinem Mitmenschen ein Wolf, nur auf seinen eigenen Vorteil bedacht. Im Tierreich scheinen Aggression und Futterneid, Gier und Grausamkeit die Regel. Und doch lassen sich Wölfe auch von Gemeinsinn leiten. Schimpansen retten fremde Artgenossen. Buckelwale helfen Robben in Not. Selbst im Pflanzenreich gibt es seit jeher Symbiose-Deals, wovon beide Seiten profitieren. Die aktuelle Forschung enthüllt Kooperation als eine wesentliche Triebfeder der Natur. Doch wie verträgt sich das mit Darwins unerbittlichem »Kampf ums Dasein«?

Das Buch wird nach höchsten ökologischen Standards (Cradle to Cradle) hergestellt und wird nicht in Folie eingeschweißt.

Volker Arzt, geboren 1941, ist Diplomphysiker, erfolgreicher Wissenschaftsjournalist und Autor. Er moderierte u.a. die ZDF-Reihe »Querschnitt« (mit Hoimar von Ditfurth), wurde bekannt mit dem Bestseller »Haben Tiere ein Bewusstsein?« (zusammen mit Immanuel Birmelin) und erhielt zahlreiche nationale wie internationale Auszeichnungen, u.a. den Europäischen Umweltpreis, den kanadischen Rockie Award für herausragende Fernsehproduktionen und den Japan-Preis, der als international wichtigste Auszeichnung des Bildungsfernsehens gilt.

ZWEITES   KAPITEL


WAS TREIBT DIE EVOLUTION?


Charles Darwin und die Taubenzucht


Es hat eine lange Tradition, dass wir uns für die einzigen Lebewesen halten, die moralische Werte kennen. Religiöse Menschen berufen sich dabei auf heilige Schriften und göttliche Gebote. Rationale Argumente laufen meist darauf hinaus, dass selbstloses Handeln ein hochgeistiger Prozess sei, den nur das Gehirn desHomo sapiens leisten könne. Und wie – die Frage drängt sich auf – schaffen es dann die Gehirne von Laborratten, von wilden Elefanten, zahmen Menschenaffen und vielen weiteren Tieren, die uns in diesem Buch noch über den Weg laufen werden? Vielleicht hängen wir die geistige Latte für Altruismus nur deshalb so hoch, weil wir uns selbst oft so schwer mit Hilfeleistung, Verzicht oder Rücksichtnahme tun?

Doch es gibt da ein zusätzliches Problem, mit dem sich die Biologen seit anderthalb Jahrhunderten herumschlagen müssen. Genau genommen seit 1859. In diesem Jahr veröffentlichte Charles Darwin sein revolutionäres, über 500 Seiten umfassendes BuchÜberdieEntstehungderArten. Schon nach einem Tag, am 24. November, war es ausverkauft – und die darin ausgeführte »Evolutionstheorie« hat unser Weltbild von Grund auf verändert. Denn Darwin konnte auf überzeugende Weise »erklären«, was bis dahin keiner menschlichen Vernunft zugänglich schien: Wie hat sich die ganze Vielfalt unterschiedlichster Tiere und Pflanzen auf der Erde entwickelt? Und wie kommt es, dass diese so wunderbar zweckmäßig und vernünftig ausgeführt sind, als hätte sie jemand mit Bedacht entworfen und maßgeschneidert? Darwin zeigte einen natürlichen Mechanismus auf, der zwangsläufig von einfachsten Organismen zu immer »besseren« und komplexeren Lebewesen führt. Dabei erwiesen sich seine Grundgedanken als so überzeugend und erklärungsstark, dass sie bis heute als Fundament der biologischen Wissenschaften gelten.

Charles Darwin: Mit seinem BuchÜber die Entstehung der Artenbegründete er ein neues, revolutionäres Weltbild. Die Fotografie zeigt ihn als 72-Jährigen.

Public domain, via Wikimedia Commons (Julia Margaret Cameron, Charles Darwin, 1881)

Doch ausgerechnet Darwins so bahnbrechende und erfolgreiche Evolutionstheorie tut sich schwer mit dem Phänomen des Altruismus. Sie bietet keine einleuchtende Erklärung für selbstloses Verhalten oder Hilfsaktionen zugunsten anderer. Und so konnte es nicht ausbleiben, dass das Altruismus-Problem zum Streitpunkt und Zankapfel nachfolgender Biologengenerationen wurde. Oder, um es zurückhaltender auszudrücken: dass es bis heute kontrovers diskutiert wird. Aber worum genau geht es bei diesem Streit? Wo und warum kommen sich Darwin und Altruismus ins Gehege?

Der Gedanke einer unvorstellbar langsamen und lang anhaltenden Entwicklung des Lebens lag zu Darwins Zeiten in der Luft. Dafür sorgten schon die aufregenden Fossilfunde, die einen ganz neuen Wissenschaftszweig, die Paläontologie, ins Leben gerufen hatten. Die versteinerten, Millionen Jahre alten Pflanzen und Tiere ließen keinen Zweifel daran, dass die Erde früher von andersartigen Lebewesen bevölkert war – was so gar nicht mit einem biblischen Schöpfungsbericht zu vereinbaren war, wonach die Tiere in einem einzigen Wurf am 5. Schöpfungstag erschaffen worden waren. Was ist dann mit den riesigen Dinosauriern? Oder den fliegenden E