: Patrick Osborn
: Ein letzter Tag mit dir Roman
: Edel Elements - ein Verlag der Edel Verlagsgruppe
: 9783962152918
: 1
: CHF 3.60
:
: Gegenwartsliteratur (ab 1945)
: German
: 235
: kein Kopierschutz
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Fünfzehn Jahre nach dem Tod ihrer großen Liebe Josh, glaubt die erfolgreiche Schriftstellerin Emma Chapman diesen bei einer Lesung im Publikum zu sehen. Sich ihrer Sache sicher beauftragt Emma einen Privatdetektiv mit der Suche nach Josh. Und tatsächlich findet dieser eine vielversprechende Spur. Jedoch ahnt Emma nicht, dass sie damit eine Kettenreaktion auslöst, welche die Grundmauern ihrer Familie erschüttert ...

Patrick Osborn ist gelernter Kaufmann im Einzelhandel und wechselte 1990 zu einer großen Behörde. Für diese arbeitet er noch immer im Qualitätsmanagement und ist u.a. für die Durchführung von Schulungsmaßnahmen verantwortlich. 2001 erschien sein erster Roman. Neben seiner Autorentätigkeit arbeitet er als Redakteur für zwei Onlinemagazine und als freier Lektor. Patrick Osborn lebt mit seiner Frau und seiner Tochter in Berlin. In seiner Freizeit geht er Wandern und Walken oder entspannt bei heißen Temperaturen in der Sauna.

Kapitel 1


„Es reicht jetzt! Ich habe dir hundert Mal gesagt, dass mein Entschluss feststeht. Finde dich endlich damit ab!”

Emma merkte, dass ihre Mutter verärgert war. Und wenn sie ehrlich zu sich selbst war, konnte sie es ihr nicht verübeln. Schließlich nörgelte Emma seit Wochen an ihrer Entscheidung herum. In dieser Zeit hatte sie alle Tricks und Gefühlslagen ausprobiert: weinen, flehen, betteln und schreien. Natürlich hatte sie auch versucht, vernünftig mit ihrer Mutter zu reden. Doch ohne Erfolg. Ihr Entschluss stand fest: Sie zogen von Frankfurt nach New York, in die Arme eines Mannes, den Emma bisher nur einmal gesehen hatte. Das Schlimmste daran war, dass Emma mitkommen musste.

„Ich weiß echt nicht, was ich hier soll! Ich habe mein Leben in Frankfurt. Was wird aus meinen Freundinnen, was aus Timo? Und überhaupt, was ist, wenn der Kerl ein verrückter Serienkiller ist?”

Emmas Mutter drehte sich zu ihr um. „Liebes”, sie deutete auf die Stadt, deren Silhouette bereits zu erkennen war, „das wird jetzt unser Zuhause. Und glaube mir, Hector wird dich wie eine Tochter lieben.”

„Das wird nie mein Zuhause!”, antwortete Emma wütend. „Sowie ich volljährig bin, gehe ich nach Frankfurt zurück! Da sind alle meine Freunde!” Da dies nach deutschen Verhältnissen nur noch ein gutes Jahr dauerte, war sich Emma sicher, die Sache halbwegs zu überstehen. Sollte ihre Mutter doch mit dem eingebildeten Lackaffen glücklich werden! Sie konnte immer noch nicht fassen, dass ihre Mutter Hals über Kopf alle Zelte in Deutschland abbrach.

Vor einigen Monaten hatte sie einen Typen aus Amerika kennengelernt. Anfangs fand Emma das gut, da ihre Mutter wieder fröhlich und unbeschwert sein konnte. So war sie seit Daddys Tod nicht mehr gewesen. Allerdings war ihr mit der Zeit das ganze Hector-hier-Hector-da-Gehabe gehörig auf die Nerven gegangen. Vor zwei Monaten hatte sie dann das erste Mal ein Wochenende bei ihm in New York verbracht. Natürlich hatte er alle Kosten übernommen. Sollte er doch, schließlich war er stinkreich. Für Emma war das jedoch kein Anreiz, ihn gut zu finden. Im Gegenteil. Sie befand sich noch in der Phase der Pubertät, in der sie sich gegen das Establishment auflehnte. Zwei Wochen später war es zur ersten Begegnung mit Hector gekommen. Mit Grausen erinnerte sich Emma an die Szene, wie sie mit ihrer Mutter auf dem Frankfurter Flughafen gewartet hatte. Während Emma kaugummikauend an einem Pfeiler lehnte, tippelte ihre Mutter wie eine läufige Hündin in Minirock und High Heels aufgeregt von einem Bein auf das andere. Als eine billige und deutlich ältere Ausgabe von Antonio Banderas mit breitem Zahnpastalächeln auf sie und ihre Mutter zukam, hätte Emma am liebsten laut aufgeschrien. Fünf Tage war Hector in Frankfurt geblieben, und während seines Besuches machte ihre Mutter immer wieder merkwürdige Andeutungen, wie schön es in New York sei und welche Möglichkeiten sich ihnen dort eröffnen würden. Emma hatte dieses Gerede nicht für voll genommen. Zwar hatten sie längst vorgehabt, in die USA zu gehen, doch da hatte ihr Vater noch gelebt. Sie wollten seine Militärzeit abwarten, doch der Krebs hatte der Familie einen S