: Carolin Schairer
: Lass keine Fremden ins Haus
: Ulrike Helmer Verlag
: 9783897419476
: 1
: CHF 15.30
:
: Gegenwartsliteratur (ab 1945)
: German
: 390
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Die Frau ist unfassbar schön, aber das ist nicht das einzig Verwirrende an ihr. Denn außerdem trägt sie zerrissene Kleider und einen einzelnen Stiletto ... Die mysteriöse Begegnung geht Laura nicht mehr aus dem Kopf. Als Krimiliebhaberin entschließt sie sich, hinter das Geheimnis der Namenlosen zu kommen - und tut etwas, das in ihrem eher grauen Leben viel Staub aufwirbeln wird. Denn jäh findet sie sich in einer realen Kriminalgeschichte mit internationalen Verstrickungen wieder. Carolin Schairer präsentiert hier eine packende Melange aus Wirtschaftskrimi(nalität) und der erwachenden Liebe zweier höchst ungleicher Frauen.

Die Diplom-Journalistin arbeitete unter anderem in der Medienbeobachtung, der Markt- und Meinungsforschung und in der PR eines Großunternehmens. Sie lebt in Wien. Seit dem Jahr 2008 erscheinen ihre Romane und Krimis kontinuierlich im Ulrike Helmer Verlag, darunter 'Ellen', 'Die Spitzenkandidatin', 'Küsse mit Zukunft' und 'Dunkle Erleuchtung' (CRiMiNA). Carolin Schairer war 2011 mit ihrem Roman 'Marie anderswie' für den DeLiA-Literaturpreis nominiert. (Neuauflage 2019)

Die Erkenntnis traf Laura wie ein Blitz.

Verdammt. Die Philharmoniker. Alle vierzehn Tage. Sie hatte das Konzert tatsächlich völlig verschwitzt.

Im Wohnzimmer wurde ein Stuhl verrückt. Berta runzelte irritiert die Stirn, während Laura versuchte, ihr die Sicht zu verdecken. Sie durfte auf keinen Fall auf Tosca treffen. Sie würde Fragen stellen, viele unangenehme, bohrende Fragen.

»Wer ist da bei dir?« Auf Bertas Stirne bildeten sich zwei steile Falten. »Laura!« Ihre Stimmung wechselte schlagartig von Besorgnis zu Skepsis. »Ist das dieser illegale Asylant, der sich bei dir einquartiert hat?«

Berta versuchte ins Zimmer zu gelangen, doch Laura stand stocksteif vor ihr und versperrte ihr den Weg.

»Ich habe mir Sorgen gemacht, ernsthafte Sorgen! Peter erzählte mir neulich, dass du Medikamente gebraucht hast … für einen kranken Einwanderer, der nicht krankenversichert ist. – Laura, mit diesen Illegalen ist nicht zu spaßen! Du denkst vielleicht, dass dich dieser Mann liebt – weiß der Himmel, was er dir versprochen hat! Aber in Wahrheit ist er nur an der österreichischen Staatsbürgerschaft interessiert! Es ist höchste Zeit, dass ich mich einschalte …«

Berta drängte sich rigoros an ihr vorbei.

Laura glaubte, ohnmächtig werden zu müssen. Wenn sie jetzt erklärte, dass der illegale Asylant in Wahrheit eine potenzielle Mörderin war, würde Berta sie so oder so für verrückt erklären.

»Guten Tag. Tosca Raimund.«

Tosca streckte Berta mit galantem Lächeln die Hand entgegen. Berta, völlig verdattert angesichts der fremden Frau in Gymnastikhose, ergriff die ausgestreckte Rechte und nannte auch ihren Namen. Der Blick, den sie in Lauras Richtung sandte, war ein einziges Fragezeichen.

Laura wünschte Berta weit weg und Peter auf den Mond. Musste er über alles und jedes seiner Mutter Bericht erstatten? Wie konnte ein erwachsener Mensch nur so abhängig sein? Konnte er nicht einmal etwas für sich behalten, wenn sie ihn um einen winzigkleinen Gefallen bat?

Sie rang sich ebenfalls ein Lächeln ab und sagte im Brustton der Überzeugung: »Tosca ist eine Studienfreundin von mir. Ihr Besuch in Wien kam sehr überraschend. Da habe ich das Konzert vollkommen vergessen. Tut mir leid, Tante Berta. Ich hoffe, du kannst mir noch einmal verzeihen.«

»Ach … na ja.« Berta lächelte unsicher. »Das kann ja einmal passieren. Habe mir nur Sorgen gemacht.«

»Das musst du nicht. Wie du siehst, ist alles in bester Ordnung.« Laura war selbst erstaunt, wie fest ihre Stimme klang.

War es vor einer halben Stunde noch Tosca gewesen, die sie dringend aus ihrer Wohnung haben wollte, so galt dieser Wunsch jetzt uneingeschränkt Berta. Zu ihrer Erleichterung schien er sich nun zu erfüllen. Berta hatte schon den Rückzug angetreten, als ihr Blick zufällig auf das Telefon fiel, das noch immer am Boden lag. Wie angewurzelt blieb sie stehen, schaute erst Laura an, dann Tosca.

»Sie haben da eine Schramme im Gesicht.«

Ihre Stimme trie