Laura rannte die Wendeltreppe hinauf und verlor dabei ihre pinkfarbenen Pantoffel. Sie achtete nicht darauf. Sie musste unbedingt in ihr Zimmer zurück, das sie mit Anouk, Shirin und Merle teilte. Die magische Welt des achten Tages war in größter Gefahr!
Ich kriege dich!
Am liebsten hätte Laura die Hände auf ihre Ohren gepresst. Aber das hätte auch nichts genützt. Die fremde Stimme war in ihrem Kopf. Genauer: Die Gedanken von Magister Darius, der sie verfolgte.
Dieser Verräter! Er hatte den Schlüssel, der diese Welt im Gleichgewicht hielt, an Bernd Asshoff verkauft, einem der Geschäftsführer der FirmaTEMP. Diese Firma versuchte, hinter das Geheimnis der Zeit zu kommen. Denn wer die Macht über die Zeit besaß, dem standen alle Möglichkeiten offen – sogar der Sieg über den Tod.
Gleich hab ich dich!
Laura konnte schon die Schritte hinter sich hören. Der Schweiß brach ihr aus. Die Angst nahm ihr den Atem. Die Beine wollten ihr nicht mehr gehorchen. Warum war die Treppe so lang? Hätte sie nicht schon längst ihr Stockwerk erreichen müssen?
Du hast keine Chance!
Sie warf einen hektischen Blick über die Schulter.
Magister Darius, der kleine rundliche Lehrer mit der seltsamen Brille, hatte sie fast erreicht. Er streckte seine klauenartigen Hände nach ihr aus, erwischte ihre Jacke und zog. Laura klammerte sich an das Geländer, aber ihr rechter Fuß fand keinen Halt mehr und trat ins Leere. Sie stürzte …
… und erwachte.
Der Schlafanzug klebte an ihrem Körper. Ihr Atem ging so heftig, als wäre sie tatsächlich viel zu schnell eine Treppe hinaufgelaufen. Gleichzeitig hatte sie fürchterliche Kopfschmerzen.
Laura setzte sich auf und versuchte, sich zu orientieren. Nur langsam konnte sie den Albtraum abschütteln. Er war so real gewesen. Sie konnte noch ganz genau das kühle Metall des Treppengeländers spüren. Sie fühlte noch, wie Darius an ihr zerrte und der Halsausschnitt ihrer Jacke sie am Hals würgte …
Am ganzen Körper zitternd und mit klopfendem Herzen schwang Laura ihre Beine über die Bettkante. Sie war zu Hause, im Akeleiweg 8, es war Montagmorgen, sechs Uhr.
Laura stand schwankend auf. Ihre Beine wollten ihr nicht gehorchen. Wie benommen tappte sie aus ihrem Zimmer und in die Küche. Sie brauchte jetzt dringend ein Glas Wasser!
Laura nahm sich ein Glas und ließ Wasser aus der Leitung laufen. Erschöpft setzte sie sich an den kleinen Tisch und trank das Glas in großen Zügen leer. Danach fühlte sie sich ein bisschen besser.
Im Flur ertönte ein Geräusch, und gleich darauf rollte Amy, die Haushaltsroboterin, in die Küche. Ihre grünen Augen blinkten Laura fragend an.
»Alles gut«, murmelte Laura. »Ich hatte nur Durst.«
Amy streckte ihre Teleskoparme aus und einer ihrer metallenen Finger berührte Lauras Stirn.
»Sssiebenunddreißsssig Komma ssssieben Grad Celsssiuss«, schnarrte Amy. »Du hassst erhöhte Tämperatur. Heute besser ssu Haussse bleiben?«
»Nichts lieber als das«, antwortete