: Diana Wynne Jones
: Das wandelnde Schloss Roman. Die Romanvorlage zum zauberhaften Kinofilm
: Verlagsgruppe Droemer Knaur
: 9783426457313
: Die Howl-Saga
: 1
: CHF 10.00
:
: Fantasy
: German
: 320
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Nach 'Fauler Zauber' ein weiterer Fantasy-Klassiker von Diana Wynne Jones im neuen Gewand Die Romanvorlage für 'Das wandelnde Schloss', verfilmt von Oscar-Preisträger Hayao Miyazaki. Sophie hat das große Unglück, die älteste von drei Töchtern zu sein. Jeder in Ingari weiß, dass die Älteste dazu bestimmt ist, kläglich zu versagen, sollte sie jemals ihr Zuhause verlassen, um ihr Glück zu suchen. Und so geschieht, was geschehen muss: Sophie zieht den Zorn einer Hexe auf sich und wird verflucht. Ihre einzige Rettung liegt im wandelnden Schloss. Dort wohnt der mächtige, aber herzlose Zauberer Howl, der sie von ihrem Fluch erlösen könnte. Wenn Sophie ihm nur davon erzählen könnte, doch das verhindert der Zauber, der auf ihr liegt. Also wird Sophie die Hausdame des wandelnden Schlosses und versucht zwischen zynischen Feuerdämonen und magischen Welten, ihre alte Gestalt zurückzuerlangen. Der Klassiker des Fantasy-Urgesteins Diana Wynne Jones in Neuausstattung

Diana Wynne Jones wurde 1934 in London geboren und wuchs in einem Dorf in Essex auf. Zu ihren bekanntesten Werken zählen die 'Chrestomanci'-Reihe sowie 'Das wandelnde Schloss', das erfolgreich verfilmt wurde. Ihre Romane wurden mehrfach ausgezeichnet, 2007 erhielt sie den World Fantasy Award für ihr Lebenswerk. Mit ihren Büchern inspirierte sie viele berühmte Schriftsteller*innen, darunter Terry Pratchett, J.K. Rowling, Neil Gaiman und Philip Pullman. Diana Wynne Jones war Mutter von drei Söhnen und lebte zuletzt mit ihrem Mann in Bristol. Sie starb am 26. März 2011.

1. Kapitel


in dem Sophie mit Hüten spricht

Im Lande Ingari, wo es Dinge wie Siebenmeilenstiefel und Tarnkappen wirklich gibt, gilt es als großes Pech, als ältestes von drei Geschwistern geboren zu werden. Denn wie jedermann weiß, versagt das älteste Kind als erstes und am schlimmsten, wenn die drei sich aufmachen, um ihr Glück zu suchen.

Sophie Hatter war die älteste von drei Schwestern. Wäre sie das Kind eines armen Holzfällers gewesen, hätte sie vielleicht doch Hoffnung auf Erfolg haben können, aber das war sie nicht. Ihr Vater war wohlhabend und betrieb im reichen Ort Market Chipping einen Laden für Damenhüte. Sophies Mutter war gestorben, als Sophie erst zwei und ihre Schwester Lettie ein Jahr alt gewesen waren, und ihr Vater hatte seine jüngste Verkäuferin geheiratet, ein hübsches blondes Mädchen namens Fanny. Bald darauf brachte Fanny die dritte Schwester zur Welt, Martha. Damit hätten Sophie und Lettie eigentlich zu bösen und hässlichen Stiefschwestern werden müssen, aber alle drei Mädchen waren äußerst hübsch, wobei Lettie allgemein als die Schönste galt. Fanny war zu allen gleich liebevoll und zog Martha in keiner Weise vor.

Mr Hatter war stolz auf seine drei Töchter und schickte sie auf die besten Schulen der Stadt. Sophie lernte am eifrigsten. Sie las sehr viel und erkannte bald, wie gering ihre Aussicht auf eine interessante Zukunft war. Das war zwar eine Enttäuschung, aber sie war trotzdem recht zufrieden mit ihrem Leben. Sie kümmerte sich um ihre Schwestern und bereitete Martha darauf vor, dereinst auszuziehen und ihr Glück zu suchen. Da Fanny immer im Laden zu tun hatte, musste Sophie auf die jüngeren Schwestern aufpassen. Zwischen den beiden kam es immer wieder zu lauten Streitereien, bei denen sie sich gegenseitig an den Haaren zogen. Lettie wollte sich durchaus nicht damit abfinden, nach Sophie diejenige mit den geringsten Erfolgsaussichten zu sein.

»Das ist nicht fair!«, schrie Lettie oft. »Warum kriegt Martha das Beste, nur weil sie die Jüngste ist? Ich werde einen Prinzen heiraten, da habt ihr’s!«

Worauf Martha antwortete, dasssie widerlich reich werden wollte, ohne dafür irgendwen heiraten zu müssen.

Sophie musste die beiden dann immer trennen und ihre Kleider flicken. Mit der Nadel besaß sie großes Geschick. Später nähte sie für ihre Schwestern auch Kleider. Für den letzten Maifeiertag vor dem eigentlichen Beginn unserer Geschichte nähte sie für Lettie ein tiefrosa Kleid, das laut Fanny aussah, als stamme es aus dem teuersten Laden in ganz Kingsbury.

Um diese Zeit fing alle Welt an, wieder über die Hexe der Wüste zu reden. Es hieß, die Hexe habe der Königstochter den Tod angedroht und der König habe seinen Leibzauberer, den Hexenmeister Suliman, in die Wüste geschickt, wo er sich die Hexe vorknöpfen sollte. Aber offenbar hatte Hexenmeister Suliman es nicht nur nicht geschafft, sich die Hexe vorzuknöpfen, er hatte sich zu allem Überfluss auch noch von ihr umbringen lassen.

Als dann einige Monate später auf den Hügeln oberhalb von Market Chipping plötzlich ein hohes schwarzes Schloss auftauchte, aus dessen vier dünnen, hohen Türmen schwarze Rauchwolken quollen, ging alle Welt davon aus, dass die Hexe die Wüste wieder verlassen hatte, um wie vor fünfzig Jahren das ganze Land zu terrorisieren. Deshalb hatten alle schreckliche Angst. Niemand wagte sich allein aus dem Haus, schon gar nicht nachts. Was die Sache noch unheimlicher machte, war, dass das Schloss nicht an derselben Stelle blieb. Manchmal bildete es einen langen schwarzen Fleck über den Mooren im Nordwesten, manchmal ragte es über den Felsen im Osten auf, und manchmal kam es einfach die Hügel herab, um sich gleich hinter dem letzten Hof im Norden auf der Heide häuslich niederzulassen. Manchmal konnte man sogar sehen, wie es sich bewegte und wie die Türme dabei schmutzig graue Rauchfetzen ausstießen. Eine Zeit lang herrschte die Überzeugung, dass das Schloss bald ins Tal herunterkommen würde, und der Bürgermeister sprach schon