: Laura Marshall
: Drei kleine Lügen Thriller
: Blanvalet Taschenbuch Verlag
: 9783641244460
: 1
: CHF 5.40
:
: Spannung
: German
: 400
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Drei Freundinnen, drei Lügen, die ein Leben zerstören könnten, und eine Wahrheit, tief verborgen in der Vergangenheit …

Ellen und Sasha waren Teenager, als sie zu besten Freundinnen wurden. Nun leben sie gemeinsam in London und genießen alle Freiheiten des Erwachsenenlebens. Eines Abends kommt Sasha jedoch nicht nach Hause, und Ellen vermutet das Schlimmste. Sie ahnt, dass das Verschwinden ihrer Freundin etwas mit dem dunklen Geheimnis aus ihrer Vergangenheit zu tun hat, ein Ereignis, das ihrer beider Leben erschütterte. Was ist wirklich geschehen, in dieser einen Nacht vor zehn Jahren? Mit dieser Frage muss sich Ellen auf der Suche nach ihrer Freundin auseinandersetzen. Doch jemand weiß, dass Ellen eine Antwort sucht – und dieser Jemand will um jeden Preis verhindern, dass die ganze Wahrheit ans Licht kommt …

Laura Marshall wuchs in Wiltshire auf und studierte Englisch an der University of Sussex. 2015 fand sie, dass es Zeit sei, sich ihren lebenslangen Traum zu erfüllen – das Schreiben eines Romans. Ihr Debüt »Eiskalte Freundschaft.Ich werde nicht vergessen« wurde bereits vor der Veröffentlichung für den Lucy-Cavendish-Fiction-Preis nominiert. »Drei kleine Lügen« ist Laura Marshalls zweiter Roman bei Blanvalet. Die Autorin lebt mit ihrem Mann und zwei Kindern in Kent.

Ellen

September 2017


Als ich aus dem Studio komme, ist Sasha noch nicht wieder da, und ich drehe Olivias Aufnahme von Didos Klage von Purcell voll auf. Natürlich habe ich auch alles andere heruntergeladen, was sie je aufgenommen hat, aber dieses Stück ist mit Abstand das schönste – so viel weicher und intimer als die spektakulären Arien. Es war das erste, was ich sie live habe singen hören, und wann immer ich die CD in die alte Anlage schiebe, fühlt es sich irgendwie richtig an. Heute habe ich sämtliche Bedenken über Bord geworfen, dass Sasha mithören könnte, und das Stück in meiner Sendung gespielt. Sie war bei der Arbeit, und nie im Leben hören sie in ihrem BüroSimply Classical. Ich glaube kaum, dass ihre Kollegen je auch nur von so einem kleinen Digitalradiosender gehört haben, außer Sasha hätte ihn einmal erwähnt, aber das bezweifle ich. Selbst mit mir spricht sie selten darüber – ein dezenter Hinweis darauf, dass sie meine Berufswahl missbilligt, weil meine Entscheidung sie an die Monktons erinnert. Klassische Musik war deren Welt, und die weist Sasha weit von sich, seit sie dort ausgezogen ist – wie im Übrigen auch alles andere, was mit ihnen zu tun hat.

Trotzdem war es für mich immer anders. Ich habe die klassische Musik geliebt, wie sie es nie getan hat. Meine Eltern hatten kein Ohr dafür, meine Mutter hat in der Küche höchstens einmal Radio 2 gehört, und in einem verstaubten Regal im Wohnzimmer standen ein paar CDs. Sie legten manchmal eine ein, wenn Freunde zu Besuch kamen, aber im Grunde waren sie nie interessiert. Musik weckte bei ihnen keine Gefühle. Was Bands betraf, die meine Freundinnen mochten, hatte auch ich meine Fan-Phase, pinnte Poster an meine Zimmerwand und war mit Karina sogar auf Konzerten, aber nie mit dem Herzen dabei. Was Musik wirklich bedeuten konnte, habe ich erst begriffen, als ich bei meinem ersten Konzert mit klopfendem Herzen und Tränen in den Augen in der Dunkelheit neben Daniel saß, während Olivias Stimme warm auf mich nieder- und in mich hineinregnete.

Ich lege mich auf die Couch, will mich inmitten der Musik entspannen, behalte dann aber doch die Fernbedienung in der Hand für den Fall, dass ich den Schlüssel in der Tür und Sasha heimkommen höre. Vergangenen Freitag hatte ich nicht mit ihr gerechnet – ich dachte, sie wollte nach der Arbeit noch ausgehen –, doch dann war sie gegen sieben schlecht gelaunt nach Hause gekommen und hatte mich dabei ertappt, wie ich ausgerechnet Olivia hörte. Sie sagte zwar nichts, aber ich konnte ihren Unmut spüren, der wie Schallwellen unsichtbar, aber kraftvoll von ihr ausstrahlte. Ich stellte die Musik aus und versuchte noch, mit ihr zu reden, aber sie war bereits in ihr Zimmer marschiert und behauptete, sie wäre müde. Irgendwas war da eindeutig im Busch, auch wenn ich den Grund nicht herausfand. An diesem Freitag ist es nicht Sashas Schlüssel, sondern die Klingel, die mich unterbricht, sodass ich wie eine Marionette abrupt auf die Füße komme. Eilig stelle ich die Anlage aus und trete hinaus in den Flur.

»Jackson hier«, sagt jemand kurz angebunden über die Gegensprechanlage. Kein »Hallo«, kein »Störe ich« – für Jackson haben