: Julian Gough
: Connect Thriller - deutschsprachige Ausgabe
: C.Bertelsmann Verlag
: 9783641188511
: 1
: CHF 3.60
:
: Spannung
: German
: 624
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
"Ein überwältigender Technothriller - absolut fesselnd." The Guardian

Nevada, in naher Zukunft: Colt ist der clevere Sohn einer Wissenschaftlerin und eines Geheimdienstlers. Als er heimlich die bahnbrechende Forschung seiner Mutter Naomi bei einer Biotech-Konferenz einreicht, wird die Studie vom Geheimdienst sofort unter Verschluss genommen. Mutter und Sohn sind gezwungen zu flüchten. Jetzt muss Colt alles daran setzen, mit seinen Programmierkenntnissen Daten zu manipulieren, um ihr Leben zu retten. Und er ist gezwungen, die virtuelle Realität zu verlassen, denn er muss sich seinem größten Schrecken stellen: der Liebe. »Connect« zeigt, wie das Verhältnis zwischen Mensch und künstlicher Intelligenz im digitalen Zeitalter aussehen könnte.

Julian Gough, geboren 1966 in Irland, aufgewachsen in der Nähe von London, war Sänger der Rockgruppe »Toasted Heretic«, schrieb Romane, Gedichte, Kinderbücher (»Rotzhase und Schnarchnase«) und die Geschichte, die das Computerspiel »Minecraft« abschließt (Minecraft End Game Poem). 2007 gewann er den National Short Story Award der BBC. Sein von der Presse gefeierter Roman »Connect« erscheint in zahlreichen Ländern. Julian Gough lebt in Berlin.

1

Sie betritt Colts Zimmer, ohne anzuklopfen.

Ihr Sohn hat wieder den Helm auf. Er bewegt die Arme, den Kopf. Spielt in seiner Gamewelt. Für ihn ist das völlig real.

Das schwarze Plastik bedeckt gerade so seine Augen, die Nase und Ohren. Genug, um die Welt auszuschließen.

Er hört sie nicht. Sieht sie nicht.

Naomi hasst es, ihn so zu sehen, kann sich aber auch nicht von seinem Anblick losreißen. Er ist seinem Vater so ähnlich. So hübsch. Hübscher.

Colt schießt auf jemanden. Geht auf ein Knie. Schießt auf jemand anderen. Duckt sich vor dem gegnerischen Feuer. Sie kennt die Bewegungen so gut. Sie hat sie so oft gesehen.

Jetzt hat er sie alle getötet. Er bindet das Mädchen los. Er küsst das Mädchen, oder es küsst ihn. Das geht aus den Geräuschen, die aus seinem Helm ins Zimmer dringen, nicht eindeutig hervor. Aber seine Mutter weiß genau, was er jetzt sieht. Er sieht seine ideale Frau, die nicht viel anhat. Die von ihm und seinen Freunden, meist amerikanischen und russischen Teenagern, so designt wurde; kleine Nase, große Brüste, schmale Taille, breiter Hintern.

Er steht neben seinem Einzelbett, der Pyjama beult sich vorn aus, die Beule wird größer, ändert den Winkel.

Im wirklichen Leben hat er sich noch kaum mit einem Mädchen unterhalten.

Naomi wendet blinzelnd den Kopf ab. Sieht sich im kleinen, dunklen Zimmer ihres Sohnes um. Die Jalousien sind heruntergezogen, das grelle Wüstenlicht ist ausgesperrt.

Der kleine Tisch ist voller Elektronikteile und Werkzeuge.

Alte Klamotten auf dem Stuhl, dem Boden.

Was für ein Chaos.

Da: sechs, sieben leere Wassergläser, im Schatten unter dem Bett kaum zu sehen. Alle Gläser im Haus. Gut, die kann sie später holen.

Sie dreht sich um und verlässt sein Zimmer, barfuß auf Holzdielen. Leise schließt sie die Tür.

Geht weg, durch den kurzen Flur ins Badezimmer.

Sie bestreicht ihre Zahnbürste.

»Zahnpasta für empfindliche Zähne.«

Putzt sich drei Minuten lang sorgfältig die Zähne. Beugt sich über das Waschbecken und spült den Mund unter dem Wasserhahn. Richtet sich auf, spült die Bürste und schnippt die Borsten mit dem Daumen trocken. Legt sie auf den Rand des Waschbeckens. Neben die Zahnbürste ihres Sohnes.

Fast achtzehn, und noch nie geküsst worden. Oh, Colt.

Sie nimmt wieder die Zahnbürste zur Hand. Holt tief Luft und schließt die Augen.

Putzt sich wieder die Zähne, fester jetzt, mit der trockenen Bürste, bis das Zahnfleisch blutet.

2

In der Küche hängt Naomi ihre Seidenjacke über die Stu