: Nelson DeMille
: Der Kuba Deal Roman
: Heyne Verlag
: 9783641238063
: 1
: CHF 7.10
:
: Krimis, Thriller, Spionage
: German
: 512
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Der Job wird ihn reich machen ... oder ihn sein Leben kosten

Der Abenteurer Mac schlägt sich mit Bootstouren für Touristen durch und genießt die Sonne Floridas. Als ihn die attraktive, geheimnisvolle Sara Ortega für eine Tour nach Kuba anheuert, beginnt für Mac der gefährlichste Trip seines Lebens. Einst hat Saras Großvater unter Castro 60 Millionen Dollar zur Seite geschafft - dieses Geld will Sara jetzt finden. Im Chaos eines Landes, das sich im Umbruch befindet, wird die Jagd nach dem Geld zu einem Himmelfahrtskommando ...

Nelson DeMille, Jahrgang 1943, studierte Geschichte und Politologie, ehe er 1966 nach Vietnam eingezogen wurde. Seit 1974 schreibt er Romane. Heute gehört er zu den erfolgreichsten Thrillerautoren Amerikas. Seine Werke stehen regelmäßig auf den vordersten Plätzen der internationalen Bestsellerlisten. DeMille lebt auf Long Island in New York.

7


Carlos stellte seine Klienten als Eduardo und Sara vor. Keine Nachnamen. Wir gaben uns die Hände.

Eduardo sah sehr vornehm aus. Er war älter und größer als Jack und hatte eine weitaus geradere Haltung. Zu seiner schwarzen Hose und den Sandalen trug er ein gelbes Guayabera-Hemd. An seiner Halskette baumelte ein Goldkreuz. Er sprach mit schwerem Akzent, und seine Biografie war leicht zu erraten: Er und seine Familie waren auf Kuba sehr wohlhabend gewesen, hatten den gottlosen Kommunisten aber mit nichts mehr als der Guayabera auf dem Leib entkommen können, was Eduardo bis heute keine Ruhe ließ.

Sara sprach genau wie Carlos völlig akzentfrei. Sie war eher reserviert und lächelte kaum, doch ihre Augen funkelten.

Wir plauderten ein paar Minuten. Ich hatte den Eindruck, dass Carlos vorfühlen wollte, ob Sara und ich an einer gemeinsamen Reise nach Havanna Interesse hatten. Unterdessen musterten die anderen Gäste verstohlen Jacks T-Shirt und fragten sich wahrscheinlich, ob er noch ganz dicht war.

»Sieht nach einem wunderbaren Sonnenuntergang aus«, sagte Carlos.

»Leinen los!«, befahl ich Jack, da Zeit, Gezeiten und Sonnenuntergänge auf niemanden warten. Ich ging zum Steuerstand und ließ den Motor an.

Carlos und Eduardo machten es sich in den Kampfstühlen bequem, Sara setzte sich auf die Polsterbank im Heck und beobachtete mich.

»Leinen sind los!«, rief Jack, und ich gab Gas. Zehn Minuten später hatten wir die Marina hinter uns gelassen und hielten auf die Marquesas Keys zu.

Der Duft des Meeres erinnert mich immer an Maine, an im Segelboot der Familie verbrachte Sommer und Hummeressen am Strand bei Sonnenuntergang. Schöne Erinnerungen.

Ich beschleunigte auf zwanzig Knoten und schlug Kurs Südwest ein. Die See war ruhig, der Wind wehte mit etwa fünf Knoten von Süden her, und die Sonne stand ungefähr zwanzig Grad über dem Horizont. Zeit genug, um vor Anker zu gehen, Drinks zu mixen und der sterbenden Sonne die letzte Ehre zu erweisen.

Jack betrat die Plicht, nahm auf dem linken Stuhl Platz und zündete sich eine Zigarette an. »Auch eine?«

»Nein.«

»Die sind glutenfrei.«

»Mach die Drinks.«

»Was sind das für Gestalten?«

»Habe ich dir doch gesagt.«

»Wer ist die Braut?«

»Vielleicht fliegt sie mit mir nach Havanna.«

»Du kannst sie doch auch hier vögeln.«

»Jack …«

»Willst du wirklich nur mit einer Frau als Verstärkung nach Havanna?«

»Heute Abend will ich einfach nur zuhören.«

»Wer ist der alte Knacker?«

»Da bin ich genauso schlau wie du.«

»Lass dir ganz genau erklären, wo und wie die Geldübergabe erfolgen soll. Die würden dich sicher lieber umbringen, als dir zwei Millionen zu geben.«

»Ich würdedich auch lieber umbringen, als dir eine halbe Million zu geben.«

Er lachte, dann wurde er wieder ernst. »Wenn du dich dagegen entscheidest, soll’s mir recht sein. Und wenn du zusagst, dann bin ich mit von der Partie, weil ich deinem Urteilsvermögen vertraue.«

»Mein Urteilsvermögen ist scheiße, Jack. Immerhin habe ich dich eingestellt. Aber meinen Instinkten kann ich vertrauen.«

Wir sahen uns an. Jack nickte.