: Ilona Schmidt
: Marias Geheimnis Roman
: Edel Elements - ein Verlag der Edel Verlagsgruppe
: 9783962152673
: 1
: CHF 4.50
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: Erzählende Literatur
: German
: 300
: kein Kopierschutz
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Nürnberg, 2008. Handelt es sich bei den wertvollen Gemälden auf dem Dachboden wirklich um Nazi-Raubkunst? Eine Spur führt Lukas zu Daniela, deren Großtante Maria nach dem Zweiten Weltkrieg ausgewandert ist. Gemeinsam fliegen sie in die USA, um dort weitere Nachforschungen anzustellen. Werden sie in Marias Aufzeichnungen Antworten finden? München, Anfang 1945. Inmitten der zerstörten Stadt riskiert die achtzehnjährige Maria ihr Leben, indem sie eine jüdische Familie mit Lebensmitteln versorgt. Blockwart Mischke hat sie schon lange in Verdacht. Ihm fehlt nur noch der Beweis, um seinen Sohn durch das Aufspüren eines Volksverräters vor dem Fronteinsatz zu retten. Eine ergreifende Familiengeschichte über Menschlichkeit in einer unmenschlichen Zeit

In München geboren, lebte Ilona Schmidt viele Jahre in Nürnberg. Nach dem Studium der Chemie in Erlangen zog sie beruflich bedingt nach Coburg. Heute arbeitet sie für einen amerikanischen Konzern und bereist die Welt. Ihre analytischen Fähigkeiten sind ihr beim Schreiben von Krimis sehr von Nutzen, ebenso wie ihre wissenschaftliche Ausbildung bei der Recherche, aber auch die Liebe zu Tiere bei ihren Tierromanen. Seit 2013 veröffentlicht sie Romane bei Piper, Weltbild, Thienemann, Gmeiner-Verlag und Edel Elements.

Kapitel 2


2010 – Tegernsee
Daniela


Gurgelnd arbeitete sich der Wildbach durch sein Bett, umspülte, was sich ihm in den Weg stellte.

Wie im Leben, dachte Daniela. Sie warf einen Grashalm hinein und verfolgte dessen wilden Tanz, bis er ihren Blicken entschwunden war. Anschließend tunkte sie ihre Zehen in das kalte Nass und genoss die prickelnde Frische.

Man muss das Leben nehmen, wie es ist, waren Omas Worte gewesen, als ihr Mann nicht mehr aus der Narkose erwacht war – ein Arzt, der unter dem Skalpell eines Kollegen sein Leben ausgehaucht hatte. Daniela atmete tief durch und zog ihre Füße aus dem Wasser. Nun war auch Oma gegangen, und zurück blieben Erinnerungen sowie das Haus im Hintergrund, von dem aus man einen wunderbaren Blick auf den Tegernsee und die ihn umgebenden Berge hatte. Als Kind war sie oft hier oben gewesen, während des Studiums selten, und jetzt, als Lehramtsanwärterin für die Grundschule, gar nicht mehr.

Sie hatten Oma heute auf dem Dorffriedhof unten im Tal beerdigt. Viele Trauergäste waren nicht gekommen; einige aus dem Ort und ein paar aus München. Wenn man mit achtzig stirbt, hat man die meisten schon hinter sich gelassen, pflegte Vater zu sagen. Nach dem Totenschmaus war er mit ihrer Schwester Nadine wieder nach München zurückgefahren.

Wie mochte Mama sich fühlen, nachdem sie beide Eltern so kurz hintereinander verloren hatte? Daniela erhob sich und schlenderte barfuß durch die feuchtwarme Löwenzahnwiese zum Haus zurück, vor dessen Fenstern Blumenkästen mit roten Geranienblüten hingen.

In einem schwarzen, ärmellosen Trauerkleid, das wie geborgt an ihr hing, kam Mama aus der Haustür getreten. Sie sah blass aus, um ihre rotgeränderten Augen lagen dunkle Schatten wie Trauerflor.

„Wir werden den Hof verkaufen müssen“, sagte sie mit kraftloser Stimme. „Vater meint, der Aufwand, ihn zu erhalten, wäre zu groß.“

Er hasste das Anwesen, aus welchem Grund auch immer. „Das wäre sehr schade.“

„Es gibt keinen Grund, ihn zu behalten. Wir haben selbst ein Haus, und du und deine Schwester lebt euer eignes Leben. Was sollen wir also damit?“

Daniela schaute zu den Bergen, vor denen der Tegernsee mit den Segelbooten darauf wie ein Saphir funkelte. Das Bild von Frieden und Glück mochte täuschen, aber im Moment fühlte sie sich wohl. Dieses Kleinod durfte nicht aufgegeben werden, bloß weil Vater und Schwiegervater sich nicht hatten ausstehen können.

Mama rieb sich die nackten Arme. „Ich lege mich ein bisschen hin. Mir geht’s nicht gut.“

„Soll ich später einen Kaffee machen?“

Sie nickte und zog sich in den dunklen Flur zurück. In der Wohnküche mit dem Herd und der Spüle aus den Fünfzigerjahren roch es leicht nach Petersilie und Schnittlauch, fast so, als kochte Oma ihre leckere Leberknödelsuppe.

Die Kaffeedose enthielt nur Aroma. Oma hatte wohl keine Kraft mehr gehabt, welchen zu besorgen. Wozu auch? Nach Opas Tod war alle Lebensfreude aus ihr gewichen. Und hätte nicht einmal pro Woche eine Haushaltshilfe nach dem Rechten gesehen, wären Haus und Oma vollkommen verwahrlost.

Daniela nahm ihre Handtasche vom Esstisch, die sie am Morgen nach der Beerdigung dort abgestellt hatte und fingerte nach dem Autoschlüssel. Die Platte des Fichtenholztisches zeigte Ringe von Tassen und Gläsern – stumme Zeugen, dass Oma hier gelebt hatte.

Wehmut ist ein schle