»Das ist nicht dein Ernst!« Dorian Dracula blickte seinen Vater ungläubig an. »Hast du Mama jetzt endgültig abgeschrieben?« Der Vorwurf in seiner Stimme war nicht zu überhören.
Vlad Dracula tat so, als gäbe es nichts Interessanteres auf der Welt als seine frisch polierten Schuhe aus feinstem Karpatenhirschleder.
»Sag etwas, Papa!«, forderte Dracula ihn auf.
Vlad hob den Kopf. »Deine Mutter Aida ist jetzt über drei Jahre verschwunden.« Er vermied es, seinem Sohn in die Augen zu sehen. »Wir machen uns etwas vor, wenn wir hoffen, dass sie noch am Leben ist. Sie hätte sich doch sonst längst gemeldet oder uns wenigstens ein Zeichen zukommen lassen …«
Dorian lag eine heftige Erwiderung auf der Zunge. Tief im Innern war er überzeugt, dass sich seine Mutter noch irgendwo aufhielt und es einen wichtigen Grund dafür gab, dass sie keine Nachricht geschickt hatte. Und jetzt, als frischgebackener Agent der höchst geheimen Akademie der Vampire, boten sich ihm neue Möglichkeiten, nach ihr zu suchen.
Leider konnte Dorian seinem Vater nicht auf die Nase binden, dass er neuerdings im Dienst des vampirischen Geheimdienstes stand, denn sonst wäre es ja nicht mehr geheim. Verzweifelt suchte Dorian nach einem Weg, wie er die Pläne seines Vaters durchkreuzen könnte.
Vlad Dracula hatte eine Reise auf dem KreuzfahrtschiffOLDLADY gebucht. Dieses Schiff gehörte zurSteigenbeißer Hotelkette, die sich speziell den Bedürfnissen der Vampire widmete. Es war keine normale Kreuzfahrt, sondern eine Vergnügungsreise für Singles, die andere Singles treffen wollten. Und das bedeutete, dass sich Papa nach einer neuen Frau umgucken wollte. Was für ein schrecklicher Gedanke!
»Hast du Mama denn schon vergessen?«, fragte Dorian vorwurfsvoll.
»Dorian, du weißt ganz genau, dass ich deine Mutter niemals vergessen werde«, antwortete Vlad Dracula. »Sie wird immer einen Platz in meinem Herzen behalten. Aber ich muss jetzt nach vorne sehen. Ich habe jedenfalls nicht vor, die nächsten Jahrhunderte allein zu leben!«
Dorian wandte sich enttäuscht ab. Er verabscheute die Pläne seines Vaters, und er verabscheute fast noch mehr diesen Kahn namensOLDLADY, der Vampire miteinander verkuppelte. Was konnte man nur an so einer Reise finden? Tanztee um Mitternacht, Mondscheinpicknick auf Deck, Klaviergeklimper und schluchzende Geigen, Kürbis-Lampions und so weiter. Ganz zu schweigen von den erlesenen Köstlichkeiten wie aufgeschäumte Herzklößchensuppe mit g