: Inge Helm
: Die Lavendelgang III Die Golden Girls rocken die USA
: Edel Elements - ein Verlag der Edel Verlagsgruppe
: 9783962152826
: Lavendelgang
: 1
: CHF 2.70
:
: Gegenwartsliteratur (ab 1945)
: German
: 177
: kein Kopierschutz
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
'Go West!' ist nicht nur für junge Amerikaner ein Aufbruchsignal - auch die Golden Girls der Lavendelgang zieht es westwärts: Ihre Freundin Margritte hat durch ihren ehemaligen Studienfreund Antoine ihr Traumhaus in Beverly Hills gefunden, und nun sehnt sie sich nach ihren Freundinnen aus der Provence. Ein Besuch ist schnell verabredet. Und weil Antoine beruflich in seiner eigenen mondänen Schönheitsklinik tätig ist, planen die innerlich jung gebliebenen Damen, in den USA auch ihr Äußeres ein wenig auffrischen zu lassen. Doch während sie von gestraffter Gesichtshaut, korrigierten Nasen und runderneuerten Hinterteilen träumen, fährt das Leben mit ihnen Karussell. Vor allem, als Marie mitten in Kalifornien einen charmanten Herrn aus Berlin kennenlernt ...

Inge Helm ist Kölnerin. Sie arbeitete, nach dem Literatur- und Publizistikstudium an den Universitäten Köln und Mailand, als Therapeutin für Legastheniker an verschiedenen Gymnasien. Ihre schriftstellerische Karriere begann in Rundfunk- und Zeitungsredaktionen. Sie ist Autorin von Zeichentrickfilmen, heiteren Geschichten, frech-fröhlichen Kolumnen, Reisebeschreibungen für eine große Wochenzeitung und Kochbüchern. Bekannt wurde sie vor allem durch ihre fröhlichen Familiengeschichten und unterhaltsamen Romanen, mit denen sie durch Herzlichkeit, Humor und auch einem Schuß Melancholie den direkten Weg zum Leser findet. Inge Helm lebt heute mit ihrem Hund im Oberbergischen. Zu ihren bekanntesten Büchern zählen unter anderem: 'Männer vom Umtausch ausgeschlossen', 'Hilfe, ich werde Großmutter', 'Die Lavendelgang', und 'Geheimagent á la carte'.

Kapitel 2
Vier Frauen im Nebel


In der Abflughalle wartete bereits eine Vielzahl von Reisenden.

„Macht’s gut, Mädels“, sagte Franca und küsste den vier Golden Girls der Reihe nach, ganz frankophil, dreimal die Wangen – links–rechts–links. Keine der üblichen Luftküsschen, sondern ein Abschied von Freundinnen, die eine tiefe Sympathie füreinander empfanden.

„Du auch“, kam es im Chor zurück, und Marie, Cécile, Julie und Eleni machten sich auf den Weg zum Transferbus.

„Fliegt vorsichtig“, rief Franca noch hinter ihnen her, „und lasst euch unterwegs von niemanden ansprechen. Ihr wisst doch, heute kann man keinem Kerl mehr trauen!“

„Das sagt die Richtige“, lachten die anderen zurück und winkten noch einmal zum Abschied mit allem, was sie in den Händen hielten.

Marie richtete sich auf ihrem Fensterplatz ein und freute sich, dass sie den Atlantik zum ersten Mal aus der Vogelperspektive betrachten durfte. Eleni hatte in ihrer Dreierreihe nur den Außenplatz erwischt und machte ein enttäuschtes Gesicht. Marie beugte sich zur ihr hinüber und sagte tröstend: „Nachher tauschen wir dann mal die Plätze,d’accord?

Hinter den beiden saßen Cécile und Julie und links außen von den beiden ein Mann, der bereits zu tief in den Rotwein gestiegen war, bevor er am Flughafen ankam, und den Rest der Passagiere lautstark mit seinen angeblich amourösen provençalischen Abenteuern unterhielt.

Nicht alle Mitreisenden freuten sich über sein Mitteilungsbedürfnis, vor allem diejenigen nicht, die lesen, am Laptop arbeiten oder eine Mütze Schlaf nehmen wollten, so wie Cécile und Julie.

„Pardon, Madame. Können Sie ihre Tasche da runternehmen? Das ist mein Platz.“ Ein junger Mann, dessen eleganter Zweireiher im krassen Gegensatz zu seinem Dreitagebart stand, deutete mit dem Zeigefinger auf den Mittelsitz zwischen Eleni und Marie. Hastig holte Letztere ihre große Reisetasche nach unten und klemmte sie sich vor die Beine.

Kaum hatte der Typ sich niedergelassen, begann zwischen seinen Ellbogen und denen der beiden Golden Girls ein Kampf um die Armlehnen rechts und links. Ergeben zogen Marie und Eleni schließlich ihre Arme zurück. Der Sieger breitete zufrieden grinsend eine Zeitung aus und begann zu lesen, ohne auf die beiden Damen zu seinen Seiten Rücksicht zu nehmen, die im Bemühen, den Papierseiten vor ihren Gesichtern zu entkommen, krampfhaft versuchten, nach rechts und links auszuweichen. Gleichzeitig dröhnte die Stimme des Passagiers mit den amourösen Abenteuern hinter ihnen, der sich einer alten Dame auf dem Außenplatz der Dreierreihe links von ihm vorstellte: „Miller, Mike Miller aus San Francisco. Ich bin waschechter Amerikaner, und Sie?“

Geschockt von so viel lauter Anbiederung in einem Flugzeug, stellte diese sich allerdings taub. Das hielt den Typen, der sich offensichtlich noch immer in den Reben des Herrn befand, aber nicht davon ab, eine Unterhaltung zu beginnen. Ob sie Französin wäre, aus Nizza oder Umgebung käme … Die Provençalinnen seien ja so was von sexy … Und dann galant: selbst im höheren Alter noch.

Ein irritiertes.„Mon Dieu!“

Oh, dann habe sie sicher ihre Kinder besucht oder flöge etwa nur zu einem Shopping-Trip in die USA …

„Ich fliege nach Hause.“ Die alte Dame fühlte sich langsam äußerst belästigt durch seine aufdringliche Art, drehte sich zur Seite und zeigte ihm die hochgezogene kalte Schulter.

„Na, so was“, sagte er enttäuscht. „Eine echte Landsmännin.“

„Ich möchte bloß mal wissen“, lamentierte Eleni etwas ängstlich, „warum wir immer noch nicht gestartet sind. Seit fast einer Stunde sitzen wir nun im Flieger und der Vogel hebt einfach nicht ab.“

Doch bevor Marie etwas Beruhigendes antworten konnte, kam im