: Gabriele Ketterl
: Die Raben Kastiliens Venetian Vampires II
: Edel Elements - ein Verlag der Edel Verlagsgruppe
: 9783962152802
: 1
: CHF 3.60
:
: Fantasy
: German
: 468
: kein Kopierschutz
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Der Spanier Angel ist ein Hüter der Dunkelheit. Er erfährt seine Wandlung im 17. Jahrhundert, als seine kleine Familie von der Pest dahingerafft wird und er selbst einen grausamen Tod erleiden soll. Doch Vittorio, Anführer der Raben Kastiliens und einer der Ältesten, bringt ihn ins Leben zurück. Über Jahrhunderte verschließt Angel sein Herz, bis er 2011 in Córdoba der schönen Italienerin Veronica begegnet. Eine Begegnung mit unerwarteten Folgen, denn die Feinde aus der Vergangenheit sind längst nicht alle ausgelöscht. Veronica steht im Mittelpunkt der Aktionen eines gefräßigen Imperiums, das durch Drogen und Mord sein Geschäft ausweitet. Unterstützung erfährt der mächtige Tycoon ausgerechnet durch den Erben des alten Feindes, der mit allen Mitteln daran geht, den großen Plan zur Vernichtung der Kinder der Dunkelheit zu vollenden ...

Gabriele Ketterl wurde in München geboren, wo sie auch heute wieder mit ihrer Familie lebt. Nach dem Gymnasium folgte ein Studium der Amerikanistik und Theaterwissenschaften an der Ludwig-Maximilians- Universität, München. Inspiriert durch zahlreiche Auslandsaufenthalte (Los Angeles, London, Edinburgh, Rom, Madrid, Kanarische Inseln, die sie zwei Jahre nicht mehr losließen ...) entstanden erste Kurzgeschichten. Mit dem ersten Kurzroman für Erwachsene 'Mitternachtsflut' gelang ihr 2012 eine romantische Liebeserklärung an ihre zweite Heimat Teneriffa. Sie ist mittlerweile u.a. Verfasserin von Kinderbüchern, Kurzgeschichten, Fantasy Romanen, Romantic History und diversen anderen.

1.
Provinz Toledo, 1690


VORWITZIGE SONNENSTRAHLEN KITZELTEN SEINE NASE. Der Frühling hatte, besonders am frühen Morgen, einen ganz besonderen Geruch. Blütenkelche öffneten sich, die Blumen auf den umliegenden Wiesen und auch das frische Grün der Bäume, all das vereinte sich zu einer Symphonie aus wundervollen Düften.

Angel ließ die Lider geschlossen, verabschiedete sich von seinen letzten, durchaus angenehmen Träumen und genoss die Eindrücke des beginnenden Tages. Erst als sich zaghaft das köstliche Aroma von Kaffee in diese unvergleichliche Komposition der Natur mischte, öffnete er erwartungsvoll die Augen. »Ach nein, der edle Herr geruht zu erwachen und sich, so ich doch hoffe, seinen ergebenen Untertanen anzuschließen?« Xavier, sein langjähriger Freund und zuverlässigster Mitstreiter, hielt ihm grinsend einen Becher entgegen, aus dem verheißungsvoller Dampf aufstieg.

Dankbar ergriff Angel das heiße Gefäß und schälte sich aus den Fellen, in die er sich eingehüllt hatte. Vorsichtig, um nichts von dem Kaffee zu verschütten, rutschte er zu seinen Gefährten ans flackernde, wärmende Feuer.

»Du wirst entschuldigen, mein alter Freund, wenn ich noch ein wenig müde bin. Darf ich dich daran erinnern, dass ich es war, der die erste Wache hatte und ein ganz gewisser Herr erst fast zwei Stunden zu spät zur Ablösung erschien?« Der feixende Unterton, der in Angels Stimme mitschwang, zeigte, dass er nicht ernstlich verärgert war.

Ihrer aller Blick glitt zu einem in eine warme Decke eingewickelten Bündel hinüber. Nur eine Nasenspitze lugte gerade noch so daraus hervor. Der Träger dieser Nase schlief ganz offensichtlich den Schlaf des Gerechten.

Angel lächelte nachsichtig. »Mir war schon gestern Abend klar, dass Manuel und diese hübsche Schwarzhaarige wohl ein wenig länger in, wie sage ich das am besten, nennen wir es ›angeregter Konversation‹ versunken sein würden. Kein Wunder, dass meine Ablösung erst an zweiter Stelle in seinem Kopf stand. Aber gönnen wir es ihm. Er ist jung und er war lange weg von zu Hause.« Seufzend streckte Angel die langen Beine aus und legte die Hände um den wärmenden Kaffeebecher.

»Du bist zu gutmütig, Angel. Aber was soll’s? Eigentlich hast du ja recht. Der Bengel hat auf der Reise gute Arbeit geleistet, gönnen wir ihm den Spaß.« Xavier warf einen neuerlichen Blick auf das Deckenbündel. »Aber irgendwann wird er wohl aufwachen müssen.«

»Lass gut sein. Ich denke, wir haben noch eine Weile.« Angels Blick huschte hinüber zu dem kleinen Gasthaus, in dem ihr Dienstherr sicher noch selig schlummerte. »So wie ich Don Raul kenne, wird er die letzten Tage der Reise, und vor allem die damit verbundene Ruhe, noch genießen. Sobald er wieder bei Frau und Töchtern ist, hat es sich mit Müßiggang und Frieden.«

»Das Argument hat was. Dona Clara ist eine liebe Frau, aber schrecklich anstrengend. Ganz zu schweigen von seinen vier Töchtern. Mal im Ernst, Männer, ich bin verdammt froh, dass ich zwei Söhne habe.«

Jesús, der Vierte im Bunde, kratzte sich lachend an seinem von Bartstoppeln überzogenen Kinn. »Aber selber schuld, was muss er vier Mädchen in die Welt setzen?«

Angel räusperte sich leise. »Das sagt der Richtige! Eine Welt ohne Frauen käme doch für dich dem Fegefeuer gleich. Du kannst von Glück sagen, dass deine Frau andauernd beide Augen zudrückt und eine Engelsgeduld an den Tag legt. Ansonsten hätte sie dich längst in die Wüste geschickt.«

»Einen Mann mit meinen Qualitäten schickt man nicht in die Wüste, mein Lieber. Wie nannte mich die reizende Schankmaid an unserem letzten Rastplatz so richtig? Augenblick, gleich fällt es mir wieder ein: Ein Geschenk Gottes! Lasst e