: Rose Philipps
: Annas Rückkehr
: Bookspot Verlag
: 9783956691171
: 1
: CHF 7.10
:
: Historische Romane und Erzählungen
: German
: 392
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Berlin, 1935. Elli genießt als Frau eines hohen NS-Funktionärs ein privilegiertes Luxusleben. Durch Zufall lernt sie Grete kennen, die mit ihrem Mann und den beiden Kindern in einer ärmlichen Hinterhofwohnung lebt. Damals ahnen die Frauen noch nicht, dass das Schicksal ihre Leben eng miteinander verknüpft hat. Als Gretes behinderte Kinder unter der Führung von Ellis Ehemann in das Visier des NS-Regimes geraten, steht die Frau, die sich nichts sehnlicher als Nachwuchs wünscht, vor einer schweren Entscheidung. Soll sie ihre Nähe zum Regime nutzen, ihren Mann verraten und damit sich selbst in Gefahr bringen? Schnell ist das Fadenkreuz der Behörden auf sie gerichtet und ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt...

Rose Philipps lebt mit ihrer Familie und vielen Haustieren in ländlicher Umgebung. Seit ihrer Schulzeit interessiert sie sich für die geschichtlichen Vorgänge aller Epochen und veröffentliche bereits einige Unterhaltungsromane. Als Rose Philipps ihre Festanstellung aufgab und Mitinhaberin eines kleinen Unternehmens wurde, fand sie endlich Zeit für ihren ersten zeitgeschichtlichen Roman, 'Annas Rückkehr' zu recherchieren.

Kapitel 1


Berlin, Herbst 1955


»Bereit?«, fragte John und bedachte Anna mit einem fürsorglichen Blick.

Sie nickte fast unmerklich. »Ich hätte auf dich hören sollen«, seufzte sie.

»Diese Worte aus deinem Mund! Allein deswegen hat sich die Reise nach Berlin gelohnt«, sagte er.

»Ich habe es mir nicht so grauenhaft vorgestellt«, antwortete sie. »Das Bild des prachtvollen Berlins, das ich immer in meinem Herzen getragen habe, ist genauso zerstört wie die Stadt. Wenn diese Trümmerlandschaft von oben schon so schlimm aussieht, wie wird es dann sein, wenn ich …« Sie stockte, wischte sich eine Träne von der Wange und senkte ihren Blick.

Ihr Manager und väterlicher Freund tätschelte beruhigend ihren Arm. »Der Krieg ist erst zehn Jahre vorbei, selbst die fleißigen Deutschen können eine zerbombte Stadt nicht so schnell wieder aufbauen. Ich habe jedenfalls sehr viele Baukräne gesehen. Aber im Land der Dichter und Denker weiß man Prioritäten zu setzen: Die Staatsoper erstrahlt in neuem Glanz! Und dass eine amerikanische Opernsängerin zur Eröffnungswoche eingeladen wurde, ist doch ein gutes Zeichen, oder?«

Anna nickte. »Die Berliner nannten sie ›Lindenoper‹. Es ist eine eigenartige Vorstellung, dass ein Teil Deutschlands jetzt eine sozialistische, kommunistische Regierung hat.«

Sie warf erneut einen verzagten Blick auf das Rollfeld. Sie hatte den von der Opernintendanz vorgeschlagenen Empfang mit rotem Teppich und Zeitungsreportern abgelehnt und darauf bestanden, dass sie ohne Aufsehen zu ihrem Hotel gebracht wurde.

»Ich hoffe, Sie hatten einen angenehmen Flug, Mr. Wilson«, erkundigte sich die Stewardess.

»Wie immer in der ersten Klasse«, bestätigte John. »Komfort, Speisen, Getränke und die zuvorkommende Betreuung lassen keine Wünsche offen.«

Eine leichte Röte überzog das Gesicht der Stewardess, während sie John und Anna Erfrischungstücher reichte.

Anna gab ihr die versprochene Autogrammkarte. Die zierliche Blondine bedankte sich überschwänglich und betonte nochmals ihre Begeisterung für Opernaufführungen und für Annas Stimme, die sie bisher lediglich aus Radiosendungen kannte.

Da Annas und Johns großes Gepäck bereits vorausgeschickt worden war, durchquerten sie zügig das Gebäude. Anna hielt Ausschau nach dem Chauffeur, der sie in der Ankunftshalle erwarten sollte. Sie sah einige Livrierte, die Schilder in die Höhe streckten, entdeckte ihren Namen jedoch nicht.

Als sie vor das Gebäude traten, erblickte Anna eine Gruppe junger Männer. Sie musterte deren Gesichter. Während sie überlegte, wie Ant