: Diana Gabaldon
: Outlander - Minervas Geheimnis Ein Lord-John-Kurzroman
: Verlagsgruppe Droemer Knaur
: 9783426455296
: 1
: CHF 3.00
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: Historische Romane und Erzählungen
: German
: 167
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Das Paris des achtzehnten Jahrhunderts birgt mancherlei Geheimnisse ... Minerva hat den Auftrag, sie zu lüften. Ein neuer Kurzroman aus der »Outlander«-Saga von Bestseller-Autorin Diana Gabaldon. Paris 1744. Minnie Rennie hilft ihrem Vater bei seiner Arbeit, die darin besteht, die Geheimnisse anderer Menschen zu ergründen - gegen Bezahlung natürlich. Eines Tages bittet ein Kunde sie darum, nach London zu reisen, um eine Intrige aufzudecken. Die verstorbene Ehefrau des dort ansässigen Herzogs soll eine Affäre mit einem anderen Mann gehabt haben, und nun liegt es an Minnie, Beweise dafür zu finden. Bald stößt sie auf einige brisante Briefe der Toten. Doch als sie Graf Harold Meldon kennenlernt, ist ihre Aufmerksamkeit nicht mehr nur auf die Intrige gerichtet ... Der Kurzroman »Minervas Geheimnis« ist Teil von Diana Gabaldons opulenter »Outlander«-Saga. Er spielt nach dem zweiten Band »Die Geliehene Zeit«; Sie können ihn aber auch unabhängig davon lesen. »Minervas Geheimnis« sowie sechs weitere Kurzromane der Bestseller-Autorin Diana Gabaldon finden Sie auch in dem Sammelband »Outlander - Im Bann der Steine«.

Diana Gabaldon, geboren 1952 in Arizona, war Professorin der Meeresbiologie, als sie zu schreiben begann. Mit »Feuer und Stein« begründete sie die international gefeierte und millionenfach verkaufte Highland-Saga 'Outlander'. Diana Gabaldon ist verheiratet und hat drei erwachsene Kinder.

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Überleben


Paris
April 1744

MINNIE RENNIE HATTE GEHEIMNISSE. Manche waren zu verkaufen, und manche gehörten definitiv nur ihr. Sie fasste sich an die Brust ihres Kleides und warf einen Blick auf die Gittertür an der Rückseite des Geschäfts. Nach wie vor geschlossen, die blauen Vorhänge dahinter fest zugezogen.

Auch ihr Vater hatte Geheimnisse; für die Außenwelt handelte Andrew Rennie (wie er sich in Paris nannte) mit seltenen Büchern, privat jedoch war er ein Sammler von Briefen, deren Verfasser davon ausgegangen waren, dass niemand außer dem Adressaten sie je zu lesen bekommen würde. Außerdem verfügte er über einen Vorrat an flüchtigeren Informationen, die er seinen Besuchern mittels einer Kombination aus Tee, Wein, kleinen Geldsummen und seinem beträchtlichen persönlichen Charme entlockte. Minnie vertrug einiges an Wein, hatte kein Geld nötig und war für den Charme ihres Vaters nicht empfänglich. Allerdings hegte sie den für eine Tochter angemessenen Respekt gegenüber seiner Beobachtungsgabe.

Das Stimmengemurmel aus dem Hinterzimmer hatte nicht den Rhythmus des Aufbruchs, es wurden keine Stühle gerückt … Sie huschte durch das mit Büchern vollgestopfte Geschäft zu den Regalen mit den Traktaten und Sermonen hinüber.

Sie zog ein rotes Kalbslederbändchen mit marmorierten Vorsatzblättern und dem TitelGesammelte Predigten des Reverend George V. Sykes hervor, zog sich den Brief aus dem Ausschnitt, steckte ihn zwischen die Seiten und schob das Buch wieder zurück. Gerade rechtzeitig: Im Hinterzimmer kam Bewegung auf; Tassen wurden abgestellt, Stimmen wurden ein wenig lauter.

Mit klopfendem Herzen warf sie einen erneuten Blick auf Reverend Sykes und sah zu ihrem Entsetzen, dass sie den Staub auf dem Regal berührt hatte – eine Spur führte deutlich auf den ochsenblutroten Lederrücken zu. Sie huschte zur Ladentheke zurück, griff nach dem Staubwedel, der darunter aufbewahrt wurde, und innerhalb weniger Augenblicke war der ganze Bereich abgestaubt.

Sie holte mehrmals tief Luft; sie durfte nicht errötet oder erregt aussehen. Ihr Vater war ein guter Beobachter – eine Eigenschaft, die ihm (wie er oft sagte, wenn er sie in seiner Kunst unterwies) mehr als nur einmal das Leben gerettet hatte.

Aber es war alles gut; der Ton der Stimmen hatte sich erneut verändert – es war noch ein neues Thema aufgekommen.

Äußerlich gefasst, schlenderte sie an den Regalen entlang und hielt inne, um einen Blick auf die unsortierten Bücherstapel zu werfen, die auf einem großen Tisch an der Westwand standen. Kräftiger Tabakduft stieg von den Büchern auf, dazu der übliche Geruch nach Leder, Buckram, Leim, Papier und Druckerschwärze. Diese Sendung hatte eindeutig einem Mann gehört, der sich beim Lesen gern eine Pfeife gönnte. Doch sie schenkte der neuen Ware kaum Beachtung; ihre Gedanken verharrten noch bei dem Brief.

Der Fuhrmann, der diese neue Ansammlung von Büchern geliefert hatte – die Bibliothek eines verstorbenen Geschichtsprofessors aus Exeter –, hatte ihr kopfnickend zugezwinkert, und sie hatte sich mit einem Marktkorb aus dem Haus gestohlen und sich vor einem Obstgeschäft um die Ecke mit dem Mann getroffen. EinLivre tournois für den Fuhrmann und fünfSous für ein Körbchen Erdbeeren, dann hatte sie den Brief im Schutz der Gasse lesen können, ehe sie zurück zur Buchhandlung bummelte, die Früchte als Erklärung für ihre Abwesenheit in der Hand.

Keine Anrede, keine Unterschrift, wie sie es erbeten hatte – nur die Information:

Habe sie gefunden, stand da schlicht.Mrs Simpson, Chapel House, Parson’s Green, Pe