2.
Das Klingeln des Telefons riss Nicolas Stürmer aus dem Schlaf. Er lag bäuchlings auf dem Bett, Arme und Beine weit von sich gestreckt. Sein Kopf brummte, sein Magen rumorte. Den Grund für seinen schlechten Zustand entdeckte er neben dem Kopfkissen: Dort lag eine leere Whiskyflasche.
Vorsichtig richtete er sich auf. Sein Magen rebellierte. Nur mit Mühe konnte er den aufkeimenden Brechreiz überwinden.
Ein Blick auf die Uhr sagte ihm, dass es kurz nach zehn war. Viel zu früh für einen Sonntagmorgen.
Wütend riss er den Hörer von der Gabel. „Stürmer.“
Seine Stimme klang wie ein Reibeisen. Wie so oft konnte er sich auch diesmal nicht daran erinnern, was er in der vergangenen Nacht getrieben hatte. Das passierte ihm in letzter Zeit immer häufiger.
„Nicolas?“
Stürmer brauchte einen Moment, um die Stimme am anderen Ende der Leitung zu identifizieren. Dann begriff er, dass sie Stefan Heynckes, seinem Partner, gehörte.
„Weißt du eigentlich, wie spät es ist?“, fragte er genervt.
„Ja, das weiß ich. Ich hätte auch nicht angerufen, wenn es nicht wichtig wäre.“
Eine böse Vorahnung durchzuckte Stürmer. Er presste den Telefonhörer fest an sein Ohr.
„Hat unser Killer wieder zugeschlagen?“
„Ja, hat er. Am Kennedy-Ufer in Deutz. Du musst herkommen.“
Stürmer biss die Zähne zusammen. Der Druck jagte eine neuerliche Schmerzwelle durch seinen Kopf.
„Gib mir die Adresse. Ich bin in zehn Minuten da.“
Aus den zehn Minuten wurde eine halbe Stunde. Stürmer parkte seinen Wagen auf dem Parkplatz des Landschaftsverbandes, der sich zwischen dem Lanxess-Hochhaus und dem Hyatt-Hotel befand. Die zwei Aspirin, die er genommen hatte, machten seinen Zustand etwas erträglicher. Trotzdem fühlte er sich noch immer wacklig auf den Beinen.
Schon von Weitem erkannte er den Tatort. Ein Großaufgebot von Polizisten war damit beschäftigt, die Schaulustigen zurückzudrängen. Entlang der Deutzer Brücke hatten sich mehrere Übertragungswagen lokaler und überregionaler Fernsehstationen postiert. Als die Reporter Stürmer entdeckten, gingen sie sofort auf ihn los und schrien ihm hysterisch ihre Fragen entgegen. Stürmer drängte sich mit abwehrend hochgehobenen Händen durch die Menschenmasse, durchschritt die Absperrung und eilte auf den Hauseingang zu.
„Wo muss ich hin?“, fragte er einen jungen Beamten, der mit mürrischer Miene vor der Haustür stand.
„Zweiter Stock. Immer dem Leichengeruch nach.“
„Sehr witzig.“
Er marschierte die Treppen hinauf, was ihm in Anbetracht seines Zustands nicht leichtfiel. Seine achtzig Kilo Körpergewicht, verteilt auf einen Meter sechsundachtzig Körpergröße, kamen ihm augenblicklich wie achtzig Tonnen vor. Er schwitzte, und seine Kleidung, bestehend aus Jeans, T-Shirt und Turnschuhen, klebte an seinem Körper. Er fühlte sich elend, und er wusste, dass er auch so aussah.
Im zweiten Stock erwartete ihn ein Pulk aus Menschen, der damit beschäftigt war, die Wohnung des Opfers zu untersuchen. Inmitten der Menge entdeckte er seinen Partner Stefan Heynckes.
Heynckes schüttelte beim Anb