2 Wellness Lounge
Eine vertraute Gewohnheit hat häufig den Charakter einer Wellness Lounge: Sie gibt einem das Gefühl von Wohlbehagen und Geborgenheit. Da mag die Vernunft 100-mal am Tag sagen: „Ich sollte aufhören zu rauchen!“ oder „Ich muss endlich aufhören, mein Konto zu überziehen!“ Aber – wann damit anfangen? Muss das wirklich sofort sein? Reicht nicht morgen? Oder nächste Woche?
All denjenigen, die sich lieber noch nicht auf die Reise machen möchten, sei Folgendes gesagt: Ihr Zaudern ist völlig nachvollziehbar. Es gibt gute Argumente, warum Sie vielleicht zunächst in Ihrer „Wellness Lounge“ bleiben wollen.
Um eine Gewohnheit oder ein Verhalten ändern zu können, reicht der Entschluss allein oft nicht aus. Auch nicht die bloße Erkenntnis,dass man etwas ändern sollte. Einige Therapieschulen (Kriz, 1991; Schwertfeger& Koch, 1995) sind der Ansicht: ein tieferes Verständnis über die Entstehung oder die Funktion des problematischen Verhaltens reiche bereits aus, um es zu ändern. Ich sehe das Verständnis als ersten Schritt an.
Verhalten zuändern ist ein komplexer Prozess, der manchmal nach anscheinend unlogischen Regeln verläuft. Eine bestimmte Gewohnheitbeizubehalten hingegen ist häufig absolut nachvollziehbar. Selbst wenn es sich um eine „schlechte“ Gewohnheit handelt.
Ein Beispiel?
Für manche Menschen ist es gemütlicher, unter einer weichen warmen Decke mit ein paar fettigen Knabbereien und einem üppigen alkoholischen Getränk vor dem Fernseher zu kuscheln, als draußen im Regen zu joggen.
Das hängt mit dem Muster zusammen, nach dem wir unser Verhalten auswählen.
Übertrieben formuliert hat der Versuch, sein Verhalten zu ändern, wenig Sinn. Die Gewohnheit, die Sie ändern möchten, unterliegt nämlich gewissen Gesetzmäßigkeiten. Und diese Gesetzmäßigkeiten begünstigen – ganz einfach – die Gewohnheit.
Um das zu verstehen, müssen wir ausholen und uns angucken, wie eine Gewohnheit entsteht bzw. ein Verhalten gelernt wird. Wenn Sie jetzt gerade nicht in einer hochenergetischen: „Hurra!-Veränderung!“-Laune sind, dann stellen Sie sich doch einfach vor, Sie würden das Folgende im Fernsehen sehen – so wie damals in derSendung mit der Maus:
Wie wird eigentlich Verhalten gelernt?
Wenn man bedenkt, mit wie wenig Verhaltensweisen wir Menschen geboren werden, ist es nur zu erstaunlich, was wir als Erwachsene alles können. Nehmen Sie sich selbst: Höchstwahrscheinlich trifft auf Sie zu, dass Ihr Körper auf einer Sitzgelegenheit ruht, Sie bekleidet sind und ein Getränk für Sie in greifbarer Nähe steht. Mit einem Wort: Sie sind der lebende Beweis erfolgreichen Lernens. Wir wollen uns kurz erinnern, mit welcher Grundausstattung Sie geliefert wurden:
Bei Ihrer Geburt war das Repertoire an Verhaltensweisen sehr, sehr übersichtlich. Ein menschliches Neugeborenes kann im Wesentlichen weinen, strampeln, saugen und Stoffwechsel betreiben. Verglichen mit einem durchschnittlichen Zebra, das bereits kurz nach der Geburt aufstehen und laufen kann, sind wir erbärmliche Versager. Zunächst. Denn die Kapazität, neues un