Ein Blick auf den Kalender genügte, um die Laune des kleinen Severin Prinz von Bergheim zu trüben.
Es war doch tatsächlich schon der 12. September, was bedeutete, dass bereits morgen die Schule wieder anfing. Ausgerechnet an einem Dreizehnten. Wenn das kein schlechtes Omen war. Na, wenigstens war es kein Freitag.
Mit seinen knapp zehn Jahren seufzte Prinz Severin wie ein geplagter alter Mann. Dabei lag es sonst eigentlich nicht in seiner Natur, Trübsal zu blasen. Ganz im Gegenteil: Er war sehr aufgeweckt und bisweilen, das behauptete zumindest sein Vater, etwas zu übermütig.
Mit leichter Wehmut dachte er an seine Mutter, die ihn und seinen Vater vor zwei Jahren verlassen hatte, um die Welt zu bereisen. Mit einem neuen Mann an ihrer Seite, wie er wusste, auch wenn die übrigen Erwachsenen nicht so gerne davon sprachen. Nicht, dass er sie übermäßig vermisste.
Dazu hatte sie sich auch in den Zeiten ihrer Anwesenheit zu viel um sich selbst und zu wenig um ihn gekümmert, aber sie hatte wenigstens nie darauf bestanden, dass er gute Noten schrieb, oder sonst irgendwelche Unannehmlichkeiten auf sich nahm.
Immerhin war er ein Prinz!
Während er diesen tiefschürfenden Gedanken nachhing, hatte sein Vater, Hubertus Fürst von Bergheim, den Raum betreten.
»Na, Stifte schon gespitzt und Schultasche eingeräumt?«, erkundigte er sich mit einem Blick auf seinen Sprössling.
»Ich kann nicht gut schreiben, wenn die Stifte zu spitz sind«, versuchte Severin sich herauszureden.
Sein Vater blickte ihm über die Schulter in das geöffnete Federmäppchen, das neben zerknäulten Papierfetzen, Ritterfiguren und Kinderbüchern lag.
»Mit solchen Stiften kannst du jedenfallsgar nicht schreiben«, bemerkte der Fürst trocken, während er ihm einen abgebrochenen Bleistift unter die Nase hielt. »Und schaff bitte ein wenig Ordnung. Ein Schreibtisch ist ein Arbeitsplatz, keine Müllablage.«
Prinz Severin machte sich widerwillig an die Arbeit. Wirklich zu dumm, dass sein Vater immer der Meinung war, er müsse selbst Ordnung halten. Schließlich hatten sie ausreichend Personal im Schloss. Am liebsten wäre dem Prinzen eine persönliche Hilfskraft für Schularbeiten aller Art gewesen. Dafür wäre er auch gerne bereit, im Stall bei den Pferden auszuhelfen, oder mit dem Förster in den Wald zu fahren.
Es war ihm jedoch klar, dass sein Vater sich auf einen derartigen Handel nicht einlassen würde.
»Ich bin nun mal kein Schreibtischmensch«, erklärte er mit einer gewissen Würde.
Fürst Hubertus lachte. »Das verlangt auch niemand von dir. Ich bin auch kein Schreibtischmensch. Dennoch wäre es mir nie im Leben möglich gewesen, mein Landwirtschaftsstudium abzuschließen, wenn ich nicht die Schule besucht hätte. Und ohne dieses Wissen, das ich mir auch erst erwerben musste, könnte ich unser Gut nicht führen.«
»Ich könnte es auch so«, widersprach Prinz Severin mit leuchtenden Augen. »Als richtiger Mann mu