: Diana Stainforth
: Unter den Hügeln von Wales
: Rowohlt Verlag Gmbh
: 9783688117796
: 1
: CHF 10.00
:
: Gegenwartsliteratur (ab 1945)
: German
: 384
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Die bewegende Geschichte einer starken Frau, die allen Hindernissen zum Trotz ihr Glück findet. Nach dem Unfalltod ihres Mannes steht Alex Stapleton vor dem Ruin. Der Kauf eines idyllischen Farmhauses in Wales ist nicht rückgängig zu machen, und Geld zum Renovieren hat Alex schon gar nicht. Schweren Herzens zieht sie von London nach Wales, um vor Ort einen Käufer zu suchen. Sie hat die Hoffnung schon fast aufgegeben, als ein Geologe auf ihrem Grundstück eine Goldmine entdeckt. Sie müsste nur noch verkaufen und könnte nach London zurückkehren. Aber gegen alle Widerstände gründet Alex ihr eigenes Unternehmen und findet in Wales neuen Lebensmut und die große Liebe.

Diana Stainforth, geboren in Oundle/Northamptonshire, verbrachte nach dem Schulabschluss mehrere Jahre in Italien, Spanien und Südafrika. Sie kehrte nach England zurück, arbeitete zunächst als Innenarchitektin und später als Assistentin der Schriftstellerin Rebecca West, bevor sie selbst zu schreiben begann.

1


Nie wieder würde sie neben seinem schlanken, sommersprossigen Körper liegen. Nie wieder würde sie ihn dabei ertappen, wie er Kaffeereste in ihre liebsten Topfblumen goss oder einen angebissenen Apfel neben der Badewanne liegen ließ. Nie wieder würde seine Hand, sein Anruf oder sein vertrautes Gemurmel im Schlaf sie wecken.

Alex stand im schwarzen Kostüm zitternd vor dem steinernen Portal der Westminster Abbey. Ihr kurzes, blondes Haar klebte ihr wie eine Kappe am Kopf, weil es so feucht war. Wind schlug ihr ins bleiche Gesicht und Regen sickerte ihr in die schwarzen Schuhe, doch sie spürte nichts.

Die Trauergäste strömten aus der Kirche und sammelten sich auf dem gepflasterten Vorplatz zwischen dem Gebäude und dem schmiedeeisernen Gitter, vor dem die Touristen ungeduldig auf das Ende der Trauerfeier warteten. Umbraust vom Londoner Verkehr am Parliament Square bekundete man Alex der Reihe nach mit erhobener Stimme das Beileid: Botschafter und Ärzte, Kriegsberichterstatter und Entwicklungshelfer, Vertreter der Vereinten Nationen und des Roten Kreuzes, der Vorsitzende der Global Aid Bank, bei der Robert ein Konto gehabt hatte, und schüchtern murmelnd: eine Gruppe von Kosovo-Flüchtlingen. Alle schüttelten Alex die Hand. Sie sah, wie Finger ihre Handfläche umschlossen, doch sie spürte nichts. Es war, als gehörte ihre Hand nicht zu ihr.

«Er war wirklich ein Held, Mrs. Stapleton … ein wunderbarer Arzt … die Menschen im Kosovo werden ihn nie vergessen … ein solcher Verlust … ein Vorbild für uns alle.»

Alex wollte ihnen danken, doch die Worte blieben ihr im Hals stecken.

Eine Hand umfasste ihren Ellenbogen. «Alles in Ordnung, Al?», fragte Noel, ihr Bruder.

Sie nickte.

Er drückte ihr beruhigend den Arm. Sie sah schrecklich aus, schlimmer, als er befürchtet hatte, und diese große, öffentliche Trauerfeier war eine Qual. Wenn auch sicherlich eindrucksvoll. Er hatte gewusst, dass Robert ein äußerst angesehener Mann war, aber … Westminster Abbey! Er wünschte, Melanie hätte dabei sein können, doch sie musste bei den Kindern in New York bleiben.

«Bei Beerdigungen regnet es immer», sagte ihre Mutter und reichte Alex eine wohl manikürte Hand. «Bei Vaters Beerdigung hat es auch geregnet. Selbst auf Menorca regnet es dann.» Sie lachte nervös und entschuldigte sich gleich dafür. «Nicht, dass ich am Tod etwas komisch fände, natürlich nicht, aber …»

Noel spürte, wie Alex sich verkrampfte, und wünschte, Mutter wäre still, aber das konnte er ihr nicht sagen, weil sie sonst beleidigt wäre. Stattdessen lächelte er Alex aufmunternd zu und fragte sich, ob sie wohl plante, wieder in ihren Beruf zurückzukehren, wenn das alles hier überstanden war. Eigentlich hatte er nie begriffen, warum sie Robert zuliebe ihre Arbeit aufgegeben hatte.

Auf der anderen Seite des Ganges drängten sich in stummer Dreisamkeit Roberts Kinder. Louise, die Älteste, ließ den Kopf hängen und verbarg ihr tränenüberströmtes Gesicht hinter einem Vorhang aus dunklem Haar. Sie stieß Stephen an, der angelegentlich seine Brille putzte. Er sollte endlich aufhören, so zu tun, als wäre Daddy ihm gleichgültig.

Phoebe, die Jüngste, beobachtete Alex. Es