: Diana Stainforth
: Schau niemals zurück
: Rowohlt Verlag Gmbh
: 9783688117772
: 1
: CHF 10.00
:
: Gegenwartsliteratur (ab 1945)
: German
: 510
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Für Anna erfüllt sich ein lang gehegter Traum: Sie und Charly kaufen eine malerische Stadtvilla in London. Doch da bricht die Rezession über die City herein. Beide verlieren ihre hoch dotierten Jobs, und Charly macht sich aus dem Staub. Sie bleibt mit der Verantwortung für das ungeborene Kind allein zurück. Aber Anna ist eine Kämpferin ...

Diana Stainforth, geboren in Oundle/Northamptonshire, verbrachte nach dem Schulabschluss mehrere Jahre in Italien, Spanien und Südafrika. Sie kehrte nach England zurück, arbeitete zunächst als Innenarchitektin und später als Assistentin der Schriftstellerin Rebecca West, bevor sie selbst zu schreiben begann.

Kapitel 2


ALS ANNA AUS DEM TAXI STIEG UND DAS MARINECOVER-GEBÄUDE mit seiner glänzenden Fassade aus Glas und Chrom betrat, hatte sie Mr. Shufflebuck längst in eine der hintersten Ecken ihres Gehirns geschoben. Statt dessen dachte sie an die Arbeit, die sich in ihrem Eingangskorb häufte.

«Ihren Ausweis muß ich ja nicht überprüfen, Miss Tobias», sagte Mr. Hawthorn, der uniformierte Pförtner.

«Das glaube ich auch nicht, schließlich werden es nächste Woche sieben Jahre, die ich hier arbeite.» Sie lächelte ihm zu, während sie zum Lift ging.

Der Aufzug brachte sie in den zehnten Stock. Dort trat sie hinaus in den Empfangsbereich, der in gedecktem Marineblau gehalten war. Gordon Routlish, der geschäftsführende Direktor der gesamten Marinecover-Versicherungsgruppe und Annas direkter Vorgesetzter, war der Meinung, für das Büro einer Schiffsversicherung komme nichts anderes als Blau in Frage, damit die Angestellten immer daran erinnert wurden, daß sie es mit dem Meer, dem unkontrollierbarsten aller Risiken, zu tun hatten.

Judy, die zierliche Empfangsdame mit den kastanienbraunen Haaren, saß an ihrem ovalen Schreibtisch und war gleichzeitig damit beschäftigt, den Lieferschein für ein Paket zu unterschreiben, Informationen an ihrem Computer aufzurufen und eine telefonische Anfrage zu beantworten.

«Anrufe für Sie!» rief sie Anna zu, als sie das Telefongespräch beendet hatte, und deutete auf eine der Klemmtafeln, die auf der Vorderseite des Schreibtischs lagen.

«Hat denn Elaine meine Gespräche nicht angenommen?»

Judy verdrehte die großen braunen Augen.

«Sie wollen doch nicht sagen, daß sie wieder zu spät gekommen ist?»

«Um elf.»

Das Telefon klingelte. Judy antwortete mit: «Marinecover, guten Morgen. Könnten Sie bitte einen Augenblick warten?» Dann hielt sie die Sprechmuschel zu und sagte zu Anna: «Sie nimmt sich ganz schön was heraus. Sie wußte, daß Sie später kommen, weil Sie mit Ihrem neuen Haus beschäftigt sind.»

Anna seufzte. «Danke für die Vorwarnung. Ich bringe nicht gerne jemanden um seinen Job, aber wenn Delia aus dem Urlaub zurück ist, muß ich mit ihr darüber reden.»

Anna überflog die Zettel mit ihren Anrufen, während sie durch das zentrale Großraumbüro ging, wo die Sekretärinnen, Schreibkräfte und Sachbearbeiter unter dem kalten Schein von Neonröhren vor ihren Computern saßen. Der Raum hallte wider von menschlichen Bewegungen, Stimmen, klingelnden Telefonen und Quoten. Anna liebte diesen Lärm.

Marinecover war eine mittelgroße Maklerfirma, die aus vier Abteilungen bestand: Kasko, Güterversicherung, Haftpflicht und Jachten. Die Aufgabe eines Maklers war es, die Bitte eines Klienten um ein Versicherungsangebot anzunehmen und einen Underwriter – oder mehrere – zu finden, der bereit war, das Risiko zu tragen. Der Makler bildete dabei das Bindeglied zwischen dem Klienten und dem Underwriter. Er oder si