: Ines Thorn
: Der Horizont der Freiheit Roman
: Aufbau Verlag
: 9783841216922
: 1
: CHF 3.00
:
: Historische Romane und Erzählungen
: German
: 400
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB

Eine Frau in den Wirren der Revolution.

Fr nkfurt 1848. Die Stadt ist in heller Aufregung. Die Nationalversammlung tagt in der Paulskirche. Auch der Verleger Joseph Rütten wird von dieser Aufbruchsstimmung angesteckt. Mit seinem Geschäftspartner Zacharias Löwenthal möchte er all die wesentlichen Texte drucken, um die Revolution zu befördern - allen voran den Roman 'Wally - die Zweiflerin ' von Gutzkow. Doch seinen Verlag plagen nicht nur Probleme mit der Zensur, sondern zudem große Geldsorgen. Und er ist verliebt - in Wilhelmine Pfaff, die Witwe eines Druckers. Die revolutionäre Atmosphäre in der Stadt droht umzuschlagen. Zwei Delegierte werden ermordet - und bald hat die Obrigkeit eine Verdächtige gefunden: Henriette Zobel, eine Freiheitskämpferin und Wilhelmines beste Freundin ...



Ines Thorn wurde 1964 in Leipzig geboren. Nach einer Lehre als Buchhändlerin studierte sie Germanistik, Slawistik und Kulturphilosophie. Sie lebt und arbeitet in Frankfurt am Main.

Im Aufbau Taschenbuch sind ihre Romane 'Die Walfängerin', 'Die Strandräuberin', 'Ein Stern über Sylt', 'Ein Weihnachtslicht über Sylt' und 'Der Horizont der Freiheit' lieferbar. Bei Rütten& Loening ist zudem 'Die Bilder unseres Lebens' erschienen.

Mehr zur Autorin unter www.inesthorn.de.

1. Kapitel


Frankfurt, 1845

Mit Politik haben wir nichts am Hut«, erklärte Wilhelmine Pfaff und strich sich eine Haarsträhne aus der Stirn. Sie stand in Frankfurt am Main vor dem Haus Großer Hirschgraben 4 und funkelte Joseph Rütten verärgert an. »Das lohnt die Mühe kaum, und Ärger gibt es obendrein.« Um ihre Meinung zu bekräftigen, verschränkte sie die Arme vor der Brust, so dass das blaue Tuchkleid ein wenig in die Höhe rutschte. An Sonn- und Feiertagen trug sie einen Reifrock und ein wunderbar geschnittenes Kleid, oben eng und unten weit, das sich über dem Reifrock bauschte. Auch steckte sie sich das volle braune Haar hoch und drehte sich Löckchen in die Strähnen, die ihr Gesicht umrahmten. Aber heute war Donnerstag und also nicht einmal Markttag, und mit ihrem Reifrock würde sie am Ende noch in die Gewindepresse geraten oder sich mit der Druckerfarbe beschmutzen. Sie hatte zugenommen in der letzten Zeit, doch das störte sie nicht, weil es Walther nicht störte. Selbst das Salzweib, das auf jedem kleinen Fehler endlos herumhackte, hatte nur gesagt: »Da habt Ihr was zum Zusetzen, wenn Ihr mal krank werdet.« Im Augenblick tat die Haushälterin so, als würde sie die Fensterbretter in der Wohnstube der Pfaffs sauber wischen, dabei wusste jeder, der Frau Salzmann kannte, dass sie dort nur wischte, um zu hören, was die Pfaffin mit dem Verleger Joseph Rütten zu besprechen hatte.

»Jetzt seid doch nicht so hartherzig, Wilhelmine, wir kennen uns nun schon so lange. Wir sind Nachbarn, die Literarische Anstalt Rütten und Loewenthal liegt Eurer Druckerei genau gegenüber. Und wir sind wirklich in Not. Ihr braucht die Schriften ja auch gar nicht zu lesen, sondern nur zu drucken.« Rütten schob sich das schon ein wenig schüttere, dunkle Haar aus der Stirn und fuhr mit dem Finger in den engen Kragen, als würde ihm die Luft abgeschnürt.

»Damit wir die Obrigkeit an den Hals kriegen?« Wilhelmine Pfaff schüttelte den Kopf. »Und damit wir dieselben Schwierigkeiten bekommen wie Ihr mit Euren wirrköpfigen Freunden? Außerdem müssen die Sachen gesetzt werden, und das kann man nun mal nicht mit zugekniffenen Augen.«

»Nur dieses eine Mal!«

Wilhelmine seufzte. Ihr ging es gar nicht gut. Es fühlte sich an, als würde sie eine kräftige Erkältung bekommen. Zum Streiten fehlte ihr die Kraft. Sie wusste genau, dass der Verleger Joseph Rütten zu ihrem Mann ging, ihn ins nächste Gasthaus lockte und dort um den Finger wickelte. Wenn sie jetzt ja sagte, bliebe ihrem Mann ein Besäufnis erspart. Doch sie schüttelte erneut den Kopf, denn die Pfaffin war eine kluge Frau. Walther Pfaff würde nichts sagen, wenn sie wieder einmal die Geschäfte an sich riss, doch Wilhelmine wusste, dass er heimlich darüber seu