: Sandra Heyden
: Fürsten-Roman 2565 Sie liebt den Bruder des Fürsten
: Verlagsgruppe Lübbe GmbH& Co. KG
: 9783732574797
: 1
: CHF 1.80
:
: Erzählende Literatur
: German
: 64
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB

Sie liebt den Bruder des jungen Fürsten
Doch ihr Herz muss schweigen

Die Verlobungsfeier seines Bruders beginnt in einer Stunde, und Gideon muss vorher unbedingt noch einmal frische Luft schnappen, die Gedanken und Gefühle zügeln, die ihn und vor allem sein Herz so beherrschen. Er tritt an die Brüstung der weitläufigen Schlossterrasse, als sein Blick auf Zoe fällt.
Seine zukünftige Schwägerin ist ebenfalls schon für den Ball zurechtgemacht und spaziert gedankenverloren durch den Park. Sie sieht wunderschön aus - und Gideons Herz zieht sich schmerzhaft zusammen. Zoe! Die atemberaubend schöne Zoe wird einen anderen heiraten. Dieser Gedanke ist unerträglich für den Prinzen. Warum hat er seine Gefühle für sie nicht früher erkannt - zu einem Zeitpunkt, als er ihr noch hätte sagen können, dass er sie liebt, dass er sein unstetes Leben für sie aufgeben wird? Aber jetzt ist es zu spät, sie wird seinen Bruder heiraten. Einen Mann, der ihr Sicherheit und Geborgenheit bieten kann ...

Edda von Raydt stand bis zu den Hüften im voll erblühten Ginster, als sie das kleine gelbe Postauto die schmale Klinkerstraße zwischen der Häuserzeile und dem Deich heraufkommen sah. Es wurde langsamer und hielt dann direkt vor dem weißen Staketenzaun, der ihren Vorgarten von der Straße trennte.

Edda stellte die Hacke an den Zaun, wischte sich die schmutzigen Hände an dem Overall, den sie bei der Gartenarbeit zu tragen pflegte, ab und ging dem Postboten entgegen.

»Moin, Ludger«, begrüßte sie ihn lächelnd.

»Moin, Edda«, erwiderte er freundlich. Er war ein kleiner beleibter Mann mit ungewöhnlich roten lockigen Haaren, die selbst dann noch leuchteten, wenn die Sonne sich einsam hinter die Wolken zurückgezogen hatte, so, wie an diesem Morgen. »So früh schon im Garten?«

»Ist die beste Zeit dafür. Hast du etwas für mich?«

»Ein Einschreiben«, entgegnete er ein wenig sensationsheischend. »Kommt aus München. Du musst hier unterschreiben.« Er hielt ihr ein elektronisches Gerät hin, auf dessen Display sie ihren Namen hinterließ. »Also dann – schönen noch Tag, Edda.«

Edda nahm kaum wahr, dass der Postbote zu seinem Wagen zurückging und davonfuhr. Sie starrte auf den Brief in ihrer Hand.

Aus München!

Ihr Herz gefror zu Eis.

Langsam ging sie zurück ins Haus, die schmale Treppe in ihr kleines Schlafzimmer hinauf. Von hier aus hatte sie einen großartigen Blick über den Deich auf die weite Dünung der Nordsee. Mechanisch setzte sie sich auf die kleine Bank unter dem Fenster, ihren Lieblingsplatz, und wendete den Brief in ihren Händen hin und her. Sie zögerte, ihn zu öffnen.

München – das weckte keine besonders angenehmen Erinnerungen!

Doch schließlich gab sie sich einen Ruck, riss den Umschlag auf und zog zwei eng beschriebene, sehr offiziell wirkende Seiten hervor. In edel geschwungenen Lettern prangte der Name eines ihr wohlbekannten Münchener Anwaltskonsortiums auf dem Briefkopf.

Doch was sie dann las, erschütterte sie doch.

Er war also heimgegangen!

Nach langer schwerer Krankheit, hieß es da, sei Rudolf Rembert Paul Fürst von Achingen-Raydt am 12. März dieses Jahres verstorben.

Edda von Raydts schlanke Finger wollten sich fast in das Papier krallen. Die Vergangenheit überfiel sie wie ein dunkler Schatten, und ihr Blick wanderte durch das schmale Sprossenfenster über den Deich hinaus auf die offene See. Grau wogten die Wellen der Nordsee und trugen Eddas Gedanken in eine weit zurückliegende Zeit …

Mehr als neunundzwanzig Jahre war es her. Wirklich schon so lange? Doch, ja&nbs