: Adrian Tchaikovsky
: Im Krieg Roman
: Heyne Verlag
: 9783641244675
: 1
: CHF 12.60
:
: Science Fiction
: German
: 384
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
»Mein Name ist Rex. Ich bin ein guter Hund.« Und das ist auch alles, was Rex, eine sogenannte technisch optimierte Bioform, in seinem Leben möchte – ein guter Hund sein und seinem Herrn gehorchen. Gemeinsam mit seinem Rudel kämpft Rex in einem seit Jahrzehnten andauernden Krieg, und wenn sein Herr sagt »Töte!«, dann tötet Rex. Wieder und wieder. Als sein Herr eines Tages vors Kriegsgericht gestellt wird, kommen Rex jedoch Zweifel. Was soll er tun, wenn er keinen Herrn mehr hat, der ihm befiehlt? War es möglicherweise falsch, blind zu gehorchen? Und haben er und die anderen Bioformen überhaupt ein Anrecht auf Freiheit und ein eigenes Leben?

Adrian Tchaikovsky wurde in Woodhall Spa, Lincolnshire, geboren, studierte Psychologie und Zoologie, schloss sein Studium schließlich in Rechtswissenschaften ab und war als Jurist in Reading und Leeds tätig. Für seinen Roman »Die Kinder der Zeit« wurde er mit dem Arthur C. Clarke Award ausgezeichnet. Er lebt mit seiner Familie in Leeds.

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REX


Mein Name ist Rex. Ich bin ein guter Hund.

Das ist Rex. Schau, wie er läuft. Lauft, Feinde, lauft. Ein Scherz von Herrchen.

Mein Trupp besteht aus Dragon, Honey und Bees. Sie sind ein Multiform-Angriffsrudel. Das heißt, sie sind keine guten Hunde.

Ich nähere mich jetzt den Feinden. Ich komme von der windabgewandten Seite. Ich kann sie riechen – mindestens dreißig Menschen in ihrem Lager. Ich rieche Schusswaffen. Ich rieche keine Sprengstoffe. Ich rieche keine anderen Hunde und auch keine Bioform-Züchtungen, nur Menschen, die Feinde sind.

Ich spreche mit meinen Geschützen. Sie teilen mir mit, dass sie einsatzbereit sind.Alle Systeme optimal, Rex, erklären sie mir.Guter Hund, gut, dass du daran gedacht hast, sagt mein Feedback-Chip.

Sie heißen Big Dogs, meine Geschütze. Das ist ein Scherz der Leute, die sie mir gegeben haben. Sie sitzen auf meinen Schultern und werden schießen, wenn ich mit ihnen rede, denn meine Hände brauche ich für andere Dinge, als auf Abzüge zu drücken. Sie heißen Big Dogs, weil Menschen zu klein sind, um sie zu benutzen, ohne sich dabei zu verletzen.

Die Vorstellung, dass Menschen sich verletzen, gefällt mir nicht.Böser Hund!, kommt der Gedanke. Ich mag Menschen. Menschen haben mich gemacht.

Bei Feinden sieht die Sache anders aus.

Ich rede mit meinem Trupp. Dragon antwortet nicht, aber sein Feedback-Signal zeigt, dass er am Leben ist und noch nicht kämpft. Dragon ist schwierig. Dragon hat seine eigene Art, Dinge zu erledigen, und er gerät dabei oft in Konflikt mit den Anweisungen, die Herrchen mir erteilt hat. Herrchen sagt: »Dragon erzielt Resultate«, also kann ich ihm nicht befehlen, nicht mehr Dragon zu sein, aber ich bin auch nicht glücklich darüber, dass er Dragon ist. Dragon sorgt dafür, dass ich mich unwohl fühle.

Honey spricht mit mir. Sie ist mit der Elefantenbüchse in Position. Dieser Name ist ebenfalls ein Scherz. Wie die anderen Scherze verstehe ich auch diesen nicht. Honey ist kein Elefant.

Bees spricht mit mir. Sie meldet 99 Prozent Integrität. Bees hat keine Schusswaffe und braucht auch keine. Bees ist bereit. Honey ist bereit. Dragon sollte auch lieber bereit sein, sonst beiße ich ihn, selbst wenn ich dann ein böser Hund bin.

Ich spreche mit Herrchen, auf unserem verschlüsselten Kanal. Herrchen sagt, ich bin ein guter Hund. Ich bin in Position, und nichts deutet darauf hin, dass der Feind etwas von meiner Anwesenheit weiß.

Herrchen sagt, ich kann angreifen. Herrchen hofft, ich mache meine Sache gut. Mir liegt sehr viel daran, dass Herrchen stolz auf mich ist.

Ich sage Honey, dass sie loslegen soll. Vom Lager der Feinde aus gesehen, s