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Der Bodennebel löste sich allmählich auf. Sonnenstrahlen strichen sanft über das taubenetzte Gras, und nach Tagen, in denen wir durch den Gestank und Dreck der östlichen Fäulnis gewandert waren, erfüllte mich nun eine rauschhafte Begeisterung über die Gerüche der frühmorgendlichen Blüten das Jahreserwachens. Tief am Horizont braute sich der Erwachenssturm zusammen – es waren riesige Haufen aufgetürmter dunkler Wolken, die diesen gigantischen Sturm ankündigten, der uns verriet, dass das Jahreserwachen wahrhaftig gekommen war.
Er war wie eine schwere Last auf meinem Rücken.
Die Söldner griffen in dem Augenblick an, als die Welt unwirklich schien – in diesem Schwebezustand zwischen scheidender Nacht und aufkeimendem Tag. Sechs griffen an, vier Männer und zwei Frauen, die zu den Glynti gehörten, einem zähen und unbarmherzigen Volk aus den ausgetrockneten Bergen jenseits des Glatten Meeres, wo das Wasser so wertvoll wie Brot war und all jene, die Schwäche zeigten, ohne viel Federlesens getötet wurden. Wären unsere Angreifer Bewohner Maniyadocs gewesen, hätten sie sich erst auf mich gestürzt, da sie einen Mann in Rüstung als eine größere Gefahr erachteten als eine Frau. Doch das waren sie nicht. Die Stämme der Glynti lebten nach den alten Traditionen, und wenn sie Jagd auf uns machten, wussten sie ohnehin, wer wir waren. Sie wussten, dass von meinem Meister die eigentliche Gefahr ausging.
Vier griffen sie an, zwei mich. Sie trugen Schwirrhölzer, lange Stöcke, die scharfe Metallstücke in einer Detonation aus Rauch und Feuer ausspuckten; als Waffen sind sie ebenso hässlich und in ihrer Treffsicherheit erbärmlich wie die meisten Glynti. Ein Schwirrholz explodierte, tötete seinen Träger und verwundete die Frau neben ihm. Der andere verursachte einen schrecklichen Lärm und zerfetzte einen kleinen Busch, nicht weit von mir.
Mein Meister und ich waren müde, wir kämpften schweigend.
Die Glynti sind erbarmungslos, doch sie vertrauen allein auf ihre zahlenmäßige Überlegenheit und Brutalität. Ich hatte fünf Jahre als Söldner verbracht und in Schildwällen gestanden, wo ich heranpreschenden Reittieren die Stirn geboten hatte, weshalb ich keine Angst vor ein paar Männern und Frauen in Tierhäuten hatte, egal wie unerbittlich sie kämpften.
»Junge, ich häute dich bei lebendigem Leib«, zischte der riesige Glynti, der mich als Erster erreichte. Sein langer Bart war in der Mitte blau gefärbt, und seine blonden Haare waren zu Zöpfen geflochten, die unter einem verrosteten Helm hervorlugten. In der einen Hand hielt er ein schweres Schwert, in der anderen wirbelte er ein Abhäutemesser herum, während er die ganze Zeitüber lachte. »Ich kratz’ dir die Haut von den Knochen, Kleiner«, feixte er, sein Mund war eine ungepflegte Mauer aus fehlenden Zähnen.
In der Vergangenheit hatte ich oftmals schweigend dagelegen, wenn mein Meister mir magische Sigillen eingeritzt hatte, die sich wie von allein zuckend in meine Haut bohrten.
Schmerz jagte mir keine Angst ein.
»Ehrlich gesagt, ich habe mich in meiner Haut noch nie besonders wohl gefühlt.« Ich lächelte ihn an, und für einen Augenblick war er verwirrt, allerdings nur für einen ganz kurz