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»Ich sagte: kein Kommentar! Sie sehen doch, dass ich gerade erst ankomme!«
»Wir wollen ja nur, dass Sie uns ganz kurz …«
»Wenn Sie mich bitte durchlassen würden!«
»Ist es wahr, dass das Opfer Brasilianer ist?«
Einer der Schutzpolizisten hob das Absperrband für ihn hoch, Fonseca zog den Kopf ein und ging darunter hindurch. »Meu Deus, wo kommen die bloß schon alle her um diese Zeit? Und das am Sonntag!«
Es war jetzt sechs Uhr morgens, in einer nüchternen Straße im Gewerbegebiet. Der Himmel über den Lager- und Fabrikhallen wurde gerade erst blassblau und rosa.
Fonseca hatte ein Stück entfernt parken müssen, und beim Aussteigen hatte er noch die Vögel in den Straßenbäumen zwitschern hören. Hier drängten sich die Reporter und Schaulustigen, aufgeregte Stimmen und der schnarrende Polizeifunk schwirrten durcheinander. Drei Streifenwagen standen am Straßenrand.
»Bom dia.« Rui Pinto kam auf ihn zu, gut gekleidet wie immer, in einem hellen Sommeranzug. »Ist das nicht eine Gemeinheit? Am letzten Tag der Bereitschaft?«
»Tja, unseren Urlaub können wir wohl vergessen. Das hört sich ja gar nicht gut an.«
»Sieht auch nicht gut aus.« Pinto deutete in die Richtung des Tatorts. Tavares und Andrade standen bei der Leiche.
»Bom dia.«
Der Tote lag seitlich verrenkt auf dem Gehweg, in einer großen Blutlache. Es war ein jüngerer Mann, in Jeans und T-Shirt, auffällig muskulös, mit kahl geschorenem Kopf.
»Und? Ist er nun Brasilianer?«
Andrade hielt wortlos einen Klarsichtbeutel hoch. Ein Pass war darin, dunkelblau mit goldener Schrift: ›República Federativa do Brasil‹.
Tavares las aus seinem Notizbuch ab: »Nilton de Souza Wanderley, dreiunddreißig Jahre alt, geboren in … Itapetininga SchrägstrichSP. Also ›SP‹ für São Paulo.«
»Was wissen wir sonst noch über ihn?«
»Das da ist sein Wagen.« Andrade zeigte auf einen AudiTT, der ein paar Meter weiter stand, innerhalb der Absperrung. »Und die hier lagen ebenfalls im Handschuhfach.« Er reichte Fonseca einen anderen Klarsichtbeutel. Visitenkarten waren darin, mit dem Namen des Toten und dem Logo einer Firma darauf: ›Imocon, Mediação Imobiliária, Lda.‹
»Ein Immobilienmakler? Ist der Job jetzt schon so gefährlich?«
»Sieht so aus«, sagte Pinto. »In dem Handschuhfach lag auch eine Schusswaffe.«
»Mm-hm?« Fonseca sah sich den Toten noch einmal näher an. »Ich hätte ihn ja auch eher für eine Art Gorilla gehalten. Privater Sicherheitsdienst oder so was.«
»Stimmt, ich auch. Solche Muskeln kriegt man nicht von selbst. Der hat jahrelang Krafttraining gemacht, vielleicht auch Steroide geschluckt.«
»Was meint ihr, liegt er noch so da, wie er hingefallen ist?«
»Wahrscheinlich schon. Da hat bestimmt keiner versucht, Erste Hilfe zu leisten.«
»Wie viele Einschüsse sind es?«
»Sieben, soweit man zählen kann, ohne ihn umzudrehen. Sieht nach Maschinenpistole aus. Ich würde sagen: klare Tötungsabsicht, ohne Wenn und Aber.«
Fonseca nickte. Eine glatte Hinrichtung, geplant und ausgeführt. Er blickte auf. »Und was hat der hier gemacht, mitten in der Nacht?« Er drehte sich um und betrachtete die Menge hinter der Absperrung. Was machten