: Alan Hollinghurst
: Die Sparsholt-Affäre Roman
: Karl Blessing Verlag
: 9783641226930
: 1
: CHF 2.70
:
: Erzählende Literatur
: German
: 544
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Im Oktober 1940 kommt der junge David Sparsholt nach Oxford. Der gut aussehende Athlet und Ruderer ist sich anfangs nicht der einnehmenden Wirkung bewusst, die er auf andere hat – besonders auf den einsamen und romantisch veranlagten Evert Dax, Sohn eines gefeierten Romanciers, der selbst literarische Ambitionen verfolgt. Während der Blitzkrieg London erschüttert, wird Oxford zu einem seltsamen Rückzugsort, an dem die Verdunkelung geheime Liebesbeziehungen verbirgt. Hier nimmt die Sparsholt-Affäre ihren Anfang, von der auch siebzig Jahre später noch ganz Großbritannien sprechen wird.

Alan Hollinghurst wurde 1954 in Stroud geboren. Er studierte in Oxford und arbeitete anschließend als Literaturkritiker für dasTimes Literary Supplement. Hollinghurst hat zahlreiche Preise erhalten, darunter den Sommerset Maugham Award und 2004 den Booker Prize für seinen RomanDie Schönheitslinie. Alan Hollinghurst lebt in London.

1

Der Abend, an dem wir den Namen Sparsholt zum ersten Mal hörten, scheint mir der beste Einstieg in diese Erinnerungen. Wir waren in meinen Räumen und sprachen über den Club. Peter Coyle, der Maler, war da, Charlie Farmonger und Evert Dax. Eine Art Abstimmung hatte stattgefunden, aus der ich als Schriftführer hervorgegangen war. Ich war ein Jahr älter, und da ich vom Militärdienst befreit war, tat ich nichts anderes als lesen. »Oh, Freddie liest zwei Bücher am Tag«, sagte Evert, was vielleicht sogar zutraf; ich widersprach, bei den Büchern auf Italienisch oder Russisch sei mein Lesetempo langsamer. Das war meine Rolle, und ich spielte sie mit der Überheblichkeit eines Schauspielschülers. Der Zweck des Clubs bestand allein darin, berühmte Schriftsteller dazu zu bewegen, vor uns zu sprechen und uns etwas aus ihren jüngsten Werken vorzutragen. Wir boten ihnen eine ordentliche Mahlzeit, damals ein riskantes Versprechen, und nach dem Essen ein Publikum eifriger junger Leser in einem vertäfelten Raum – dessen konnten wir sicher sein. Als die Bombardierungen anfingen, wollten viele Menschen wissen, was die Schriftsteller dazu meinten.

Charlie schlug jetzt Orwell vor; und zwei, drei Namen von Autoren, die wir vergangenes Jahr nicht hatten gewinnen können, machten erneut die Runde. Ob Stephen Spender wohl kommen würde, oder Rebecca West? Nancy Kent hatten wir bereits gebucht, zu uns über Spanien zu sprechen. Evert, auf seine unpraktische Art, erwähnte Auden, der sich in New York aufhielt und wohl kaum zurückkehren würde, solange der Krieg andauerte. (»Auf Nimmerwiedersehen«, wie Charlie bemerkte.) Es war Peter, der schließlich sagte – obwohl er wusste, wie sehr Evert hoffte, er würde es nicht tun: »Wir könnten Dax bitten, Victor einzuladen.« Alle Welt kannte Everts Vater unter dem Namen A.V. Dax, doch wir nahmen diese indirekte Nähe für uns in Anspruch.

Evert war bereits zum Fenster entwischt und schaute auf den Kolleghof hinaus. Es herrschte immer eine leichte Spannung zwischen ihm und Peter, der seine Freunde gern provozierte, gar in Verlegenheit brachte. »Ach, ich weiß nicht«, sagte Evert über die Schulter. »Im Moment ist alles etwas schwierig.«

»Das gilt hier für jeden«, sagte Charlie.

Evert stimmte höflich zu, obwohl seine Eltern in London geblieben waren, wo ein paar Nächte zuvor eine Bombe die Kirche am Ende ihrer Straße zum Einsturz gebracht hatte. »Ich fürchte nur, dass niemand kommen wird«, sagte er etwas ungehalten.

»Oh, keine Sorge, es wird schon jemand kommen«, sagte Charlie mit einem seltsamen Lächeln.

Evert sah sich um, appellierte an mich – »Oder was hältst du davon, dem Neuen, meine ich?«

Das Geschenk des Hermes, das mit der Schriftseite nach unten auf der Armlehne meines Sessels lag, hatte ich etwa zur Hälfte durch, und wenn ich auch nicht unbedingt feststeckte, wechselte ich doch bereits immer wieder zu etwas anderem. Es brachte meinen alltäglichen Rhythmus durcheinander, geradezu so, als müsste ich ein Buch in einer fremden Sprache bewältigen. Trotz des minderwertigen dünnen Papiers der damaligen Zeit war es ein dicker Band. »Wie du weißt, bin ich ein großer Bewunderer deines Vaters«, sagte ich.

Kurz darauf Peter, etwas her