1
Porter
Tag 1, 20.23 Uhr
Dunkelheit.
Schwarz und zäh waberte sie um ihn herum, schluckte alles Licht und ließ lediglich tintige Leere übrig. Nebel erstickte seine Gedanken – Worte, die entstehen wollten, die einen vollständigen Satz bilden und Sinn ergeben wollten; aber bevor es dazu kam, lösten sie sich auf, waren verschwunden, verdrängt von zunehmender Furcht, von Schwere, als versänke sein Körper in den trüben Tiefen eines vergessenen Gewässers …
Modriger Geruch.
Schimmel.
Feuchtigkeit.
Sam Porter wollte die Augen aufschlagen.
Musste die Augen aufschlagen.
Aber es ging nicht, sie blieben fest geschlossen.
In seinem Kopf hämmerte es.
Ein pulsierender Schmerz hinter dem rechten Ohr – und in der Schläfe.
»Versuchen Sie, sich nicht zu bewegen, Sam … wollen doch nicht, dass Sie kotzen müssen.«
Die Stimme kam aus weiter Ferne, war gedämpft, klang bekannt.
Porter lag auf dem Rücken.
Unter den Fingerspitzen kalter Stahl.
Erst jetzt fiel ihm die Injektion wieder ein. Eine Nadel im unteren Nacken, ein Stich, die kalte Flüssigkeit, die unter seiner Haut in den Muskel einschoss, und dann …
Er zwang seine Augen auf, auch wenn die schweren Lider sich wehrten. Trocken. Brennend.
Er versuchte, sich über die Augen zu reiben, doch sowie er die rechte Hand hob, spannte sich die Fessel um sein Handgelenk und riss die Hand zurück.
Er atmete tief ein und versuchte, sich hochzustemmen. Das Blut rauschte aus seinem Kopf, ihm wurde schwindlig, und fast wäre er rückwärtsgekippt.
»Heee, schön langsam, Sam. Jetzt da Sie wach sind, bauen Sie das Etorphin schneller ab, warten Sieeinfach noch kurz.«
Ein Licht ging an, eine gleißende Halogenlampe, die auf sein Gesicht gerichtet war. Porter kniff die Augen zusammen, weigerte sich jedoch wegzusehen, sondern suchte mit dem Blick die fahle, schattenhafte Silhouette, den Mann neben der Lampe.
»Bishop?« Er erkannte seine eigene Stimme kaum wieder. Sie klang wie trockener Kies.
»Wie ist es Ihnen ergangen, Sam?« Der Schatten machte einen Schritt nach rechts, drehte einen leeren Farbeimer um und ließ sich darauf nieder.
»Nimm das Licht aus meinem Gesicht.« Porter zerrte an der Kette, die um sein Handgelenk lag – das andere Ende ratterte über eine dicke Rohrleitung, Wasser, vielleicht auch Gas. »Was soll der Scheiß?«
Anson Bishop streckte sich nach der Lampe und drehte sie leicht nach links. Eine Industrielampe auf einer Art Ständer. Das Licht fiel jetzt auf eine Betonziegelwand, an der ein Stück weiter hinten ein Warmwasserboiler hing. An der Rückwand standen eine alte Waschmaschine und ein Wäschetrockner.
»So besser?«
Porter zerrte an der Kette.
Bishop grinste schief und zuckte mit den Schultern.
Als Porter ihn zuletzt gesehen hatte, war sein dunkles Haar kurz geschoren. Inzwischen war es länger, heller und zerzaust. Außerdem war er unrasiert und trug keinen Anzug mehr, sondern Jeans und einen dunkelgrauen Hoodie.
»Du siehst verlottert aus«, stellte Porter fest.
»Schlechte Zeiten.«
Die Augen hatten sich kein bisschen verändert. Immer noch dieselbe Kälte im Blick.
Augen veränderten sich nie.
Bishop angelte einen kleinen Löffel aus der Gesäßtasche, einen Grapefruit-Löffel, und drehte ihn gedankenverloren zwischen den Fingern, sodass das Licht auf die gezähnte Kante fiel.
Porter sah darüber hinweg. Stattdessen blickte er nach unten und tippte mit dem Zeigefinger auf die Stahlflä