: Sara Gran
: Das Ende der Lügen
: Heyne Verlag
: 9783641220075
: 1
: CHF 5.40
:
: Spannung
: German
: 352
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Claire DeWitt ist zurück

Mit Claire DeWitt kehrt eine der überzeugendsten Ermittlerfiguren auf die Krimi-Bühne zurück. Von inneren Dämonen gepeinigt und den Rauschmitteln nicht abgeneigt, dafür aber mit fast schon überirdischem Spürsinn und Kampfgeist ausgestattet, löst sie ihre Fälle mit Bravour. Mal unkonventionell, mal gesetzwidrig, aber stets im Dienste der Wahrheit. In ihrem neuen Fall entgeht Claire DeWitt knapp einem Anschlag. Trotz zahlreicher Blessuren nimmt sie die Verfolgung des Attentäters auf. Nicht die beste Idee, wie sich zeigt.

Sara Gran schreibt Romane, Drehbücher und gelegentlich auch Essays. Sie lebt im kalifornischen Los Angeles. Bislang hat sie fünf Romane veröffentlicht, darunter mit »Die Stadt der Toten« und »Das Ende der Welt« zwei Romane um die Ermittlerin Claire DeWitt. »Die Stadt der Toten« wurde mit dem Deutschen Krimi Preis ausgezeichnet.

Kapitel 1

Der Fall des Unendlichen Asphalts

Oakland, 2011

Mit einem plötzlichen, erschreckenden Ruck kam ich zu Bewusstsein. Meine Augen klappten auf, hinein fuhr ein Strahl aus weißem, gleißendem Schmerz. Ich konnte nichts sehen als blendendes Licht. Ich kniff die Augen wieder zu.

Ich rang nach Luft …

Erinnere dich, erinnere dich.

Kann sein, dass ich schrie, denn ich hörte Schreie, und dann nahm ich wahr, wie jemand meine Hand drückte und sagte: »Alles okay. Alles okay.«

Ich verstummte.

Gedanken schlugen in meinem Kopf auf. Ein Unfall. Ich hatte einen Autounfall gehabt.

Ich erinnerte mich an ein riesiges Stück Metall, das die Fahrertür meines Autos durchbohrt hatte, und fing wieder zu schreien an.

»Okay, ganz ruhig«, sagte die Stimme. Sie gehörte einem Mann, ziemlich jung, vermutlich weiß.

Andere Geräusche legten sich um die Stimme, ich spürte kühle Luft im Gesicht. Ich war irgendwo draußen.

Wieder Geschrei, diesmal aber nicht von mir.

»Bin gleich zurück«, sagte der junge Mann. »Alles okay. Bitte nicht bewegen.«

Er ließ meine Hand los und verschwand.

Ich wusste, wer ich war, konnte es aber nicht in Worte fassen. Mein Name steckte irgendwo in meiner Kehle und schaffte es nicht, in den Mund aufzusteigen.

Ich versuchte, mich zu bewegen. Einige Körperteile gehorchten, andere nicht. Ich versuchte, den Arm zu heben. Mein Verstand brauchte mehrere Anläufe, um die richtigen Verbindungen zwischen Nerven, Muskeln und Gehirn herzustellen, aber nach einer Weile funktionierte es, und ich konnte mir eine Hand an die Augen heben. Ich versuchte wieder, sie zu öffnen. Es klappte, tat aber immer noch weh. Ich bemühte mich, nicht zu schreien. Meine Hand hob sich rot und schwarz von einem brutal hellen Hintergrund ab. Ein stechender Schmerz schoss in mein linkes Auge, ich kniff die Lider zu.

Ganz langsam, als wollte ich einen Verband entfernen, öffnete ich die Augen wieder. Sie gewöhnten sich an das Licht, und ich gewöhnte mich an den Schmerz.

Ich sah mich um. Ich war in Brooklyn. Nein, ich war in San Francisco. Nein, Oakland.

Ja. Oakland.

Alles in mir fing zu kreischen an, am lautesten das Adrenalin.

Denk nach, denk nach.

Wer war ich?

Claire DeWitt. Ich bin Claire DeWitt, und ich bin 

Eine weitere Erinnerung landete mit einem dumpfen Schlag:

Ich war im Auto unterwegs gewesen, erst auf der Interstate 80 und dann auf der 880 und …

Ich hatte einen Lincoln gesehen, Baujahr 1982.Der hatte sich durch die Fahrertür gebohrt.

Wer hatte am Steuer gesessen? Und wie konnte ich das herausfinden?

Die Erinnerung an den Crash stürzte auf mich ein und löschte alles andere aus. Mir wurde schwarz vor Augen.

Denk nach, denk nach.

Ich erinnerte mich:Ich bin Claire DeWitt.

Wollte ich früher nicht Detektivin werden?

Ja, wollte ich, und es hatte funktioniert.

Ich war Claire DeWitt, und ich war die beste Detektivin der Welt.

Denk nach, Claire, denk nach.

An welchem Fall arbeitete ich gerade?

Anscheinend lag ich auf einer Art Trage oder Pritsche. Ich s