: Mirko Beetschen
: Bel Veder
: Zytglogge
: 9783729622388
: 1
: CHF 20.80
:
: Gegenwartsliteratur (ab 1945)
: German
: 443
: kein Kopierschutz
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Herbst 1946. Der greise Besitzer eines seit Jahrzehnten leerstehenden Grandhotels in den Bergen des Berner Oberlands verschwindet spurlos und wird für tot erklärt. Seine Enkelin Eleanor reist gemeinsam mit ihrer Zwillingsschwester aus Baltimore an, um das Erbe anzutreten. Im abgeschiedenen Hotelpalast trifft sie auf weitere, ihr bis dahin unbekannte Familienmitglieder. Die Zweckgemeinschaft richtet sich bis zur Testamentseröffnung in den leeren Räumen ein und träumt von wiedererweckter Grandezza. Doch Eleanor fühlt sich in der fremden Umgebung zunehmend bedroht. Die Bergwelt ist ihr unheimlich, die verlassenen Zimmer und verwinkelten Gänge des riesigen Hauses verunsichern sie: Ist das alte Gebäude wirklich so verlassen, wie es scheint? Als ein furchtbarer Unfall geschieht und der unerwartet hereinbrechende Schnee das Hotel von der Aussenwelt abschneidet, eskaliert die Situation. Raffiniert arrangiert der Autor die Motive und Stilelemente der klassischen Schauerliteratur zu einem atmosphärisch dichten, packenden Roman, der garantiert keine Gute-Nacht-Geschichte erzählt.

Mirko Beetschen, geb. 1974 in Interlaken, Studium Englische und Amerikanische Literatur, Medienwissenschaften, Englische Sprachwissenschaften sowie Germanistik in Bern, freischaffender Journalist, Mitinhaber der Firma Bergdorf AG. ?Bel Veder? ist sein zweiter Roman nach ?Schattenbruder? (2014) und sein erstes Buch im Zytglogge Verlag.

6. Aus dem Tagebuch der Margit Madelung

Finsteralp – Mittwoch, 30. Oktober 1946

Die letzten zwei Tage nichts geschrieben – das erste Mal seit drei Jahren!

War nach der langen Reise zu müde und wollte am Abend nur noch schlafen. Vielleicht sind es auch die ersten Nächte in den Bergen, die dünne Luft. Oder der Enthusiasmus meines Cousins. Egal. Alles hat immer mehrere Gründe. Nie ist etwas eindeutig.

Lasse eine Seite leer. Als Memento sozusagen.

Es ist ein spezieller Moment. Erstmals seit Kriegsende wieder im Ausland. Merke, wie der Abstand guttut. Vermisse meine Lieben. Doch das Sehnen bleibt auf Distanz. Wie sie. Habe endlich wieder eine Aufgabe. Etwas, das meinem Dasein einen Sinn gibt.

Ich habeVerwandte gefunden! Unglaublich! Nach all dem Schlimmem, das dieser Krieg gebracht hat. Nach all den Menschen, die er genommen hat. Es mutet wie ein Wunder an, eine neue Familie geschenkt zu bekommen.

Ich muss sie erst be