6. Aus dem Tagebuch der Margit Madelung
Finsteralp – Mittwoch, 30. Oktober 1946
Die letzten zwei Tage nichts geschrieben – das erste Mal seit drei Jahren!
War nach der langen Reise zu müde und wollte am Abend nur noch schlafen. Vielleicht sind es auch die ersten Nächte in den Bergen, die dünne Luft. Oder der Enthusiasmus meines Cousins. Egal. Alles hat immer mehrere Gründe. Nie ist etwas eindeutig.
Lasse eine Seite leer. Als Memento sozusagen.
Es ist ein spezieller Moment. Erstmals seit Kriegsende wieder im Ausland. Merke, wie der Abstand guttut. Vermisse meine Lieben. Doch das Sehnen bleibt auf Distanz. Wie sie. Habe endlich wieder eine Aufgabe. Etwas, das meinem Dasein einen Sinn gibt.
Ich habeVerwandte gefunden! Unglaublich! Nach all dem Schlimmem, das dieser Krieg gebracht hat. Nach all den Menschen, die er genommen hat. Es mutet wie ein Wunder an, eine neue Familie geschenkt zu bekommen.
Ich muss sie erst be