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„Ich wünsche Ihnen einen angenehmen Flug und viel Spaß in Miami!“, sagte die Dame am Check-in-Schalter lächelnd, als sie Miranda ihre Bordkarte reichte.
Mit gemischten Gefühlen nahm Miranda die Karte entgegen. Spaß, naja! Eigentlich flog sie nach Miami, um zu arbeiten. Jedenfalls hoffte sie das. Sie hoffte, DJ Randy von ihren Songs und ihrer Stimme überzeugen zu können und einen Plattenvertrag zu bekommen, um endlich die internationale Karriere zu starten, von der sie immer geträumt hatte. Aber bis dahin war es noch ein langer Weg, und das betraf nicht nur die Entfernung zwischen London und Miami.
Bis ihr Flieger startete, hatte sie noch mehr als zwei Stunden Zeit. Ziellos schlenderte Miranda durch die weitläufige Abflughalle des Flughafens in Heathrow. Sie warf einen kurzen Blick in den Duty-Free-Shop, in dem sich Reisende aus aller Welt drängten, aber für ein Chanel-Parfüm oder ähnliches reichte ihr Geld ohnedies nicht. Sie musste mit ihren Ersparnissen haushalten. Selbst wenn DJ Randy sie tatsächlich unter Vertrag nahm, konnte sie nicht davon ausgehen, dass sie sofort im Geld schwimmen würde.
Seufzend stellte Miranda das Yves-Saint-Laurent-Parfüm, an dem sie geschnuppert hatte, wieder beiseite. Ihre Freundin Alex hatte schon recht: Mit Geld ging alles im Leben ein bisschen leichter! Trotzdem nahm Miranda den Pakt, den sie mit ihren Freundinnen Alex Champion und Jess Thompson geschlossen hatte, nicht ganz ernst.
„Wir, die Mitglieder des Clubs der zukünftigen Millionärinnen, schwören feierlich, nicht eher zu rasten und zu ruhen, bis wir einen Millionär fürs Leben gefunden haben.“
Es war vor über einem halben Jahr gewesen, dass sie in ihrer WG in East Croydon bei einem Glas Wein und einer Packung Popcorn beisammengesessen waren und sich gegenseitig dieses Versprechen gegeben hatten. Damals waren ihre jeweiligen Karrieren nicht allzu gut gelaufen, und ein Mann mit Geld schien ihre einzige Chance zu sein, sich ihre Träume zu erfüllen.
Wehmütig dachte Miranda an diesen Abend zurück. Es hatte ihr viel Spaß gemacht, mit Jess und Alex zusammenzuwohnen. Als sie ganz allein von Devon nach London gekommen war, hatte sie sich ziemlich einsam gefühlt in dieser Riesenstadt. Aber zum Glück hatten Jess und Alex sie unter ihre Fittiche genommen.
Sie hatten sich an der Camden School for Music and Dramatic Arts, einer privaten Londoner Schauspielschule, die sie alle drei besuchten, kennengelernt und spontan Freundschaft geschlossen. Obwohl sie vollkommen unterschiedliche Charaktere hatten, kamen sie gut miteinander aus. Alex war lebhaft und abenteuerlustig, Jess war ruhig und besonnen. Und sie selbst? Miranda überlegte. Verträumt traf es wohl am ehesten. Still und in sich gekehrt. Scheu. Große Menschenansammlungen machten sie unsicher.
Dass ausgerechnet sie zur Bühne wollte, war eigentlich ziemlich merkwürdig. Und immer noch musste sie sich vor jedem Auftritt überwinden. Aber wenn sie mit ihrer Gitarre vor das Publikum trat und die Scheinwerfer