: Hanni Münzer
: Unter Wasser kann man nicht weinen Roman
: Piper Verlag
: 9783492991490
: Schmetterlinge
: 1
: CHF 7.10
:
:
: German
: 432
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Das größte Abenteuer ist die Liebe ...   In ihrem Roman »Unter Wasser kann man nicht weinen« erzählt Bestseller-Autorin Hanni Münzer die ebenso emotionale wie faszinierende Geschichte von Jason Samuel aus »Solange es Schmetterlinge gibt« fort.    Das Geheimnis des Ozeans, eine schicksalhafte Liebe und eine Reise, die das Leben von drei Freunden für immer verändern wird.    Sie kennen sich seit gemeinsamen Kindertagen: Jason, Stephen und seine kleine Schwester Emily. Diese unbeschwerten Tage sind lange vorbei, als Jason zu Stephens Hochzeit nach Los Angeles fliegt. Doch sein Freund erscheint nicht am Flughafen; Stephen ist wie vom Erdboden verschluckt. An welcher bahnbrechenden Entdeckung hatte der Wissenschaftler zuletzt gearbeitet? Wie weit sind seine Gegner bereit zu gehen? Bald muss sich Jason nicht nur um Stephen sorgen, sondern auch um die junge und impulsive Emily. Die kleine Rebellin und Klimaaktivistin steckt schon wieder kopfüber in Schwierigkeiten. Seit sie als kleines Mädchen miterlebte, wie ein Delphin qualvoll an Plastikmüll verendete, hat sie eine Mission: die Rettung der Welt. Ihre Aktionen sind mutig, und sie gefallen nicht jedem. Die jüngste kostet sie ihr Stipendium, keine andere Universität ist mehr bereit, sie aufzunehmen. Wenig später verschwindet auch sie spurlos. Während Jason bei seinen Nachforschungen in ein Wespennest aus Intrigen und Profitgier sticht und erkennt, mit welch mächtigem Gegner er es zu tun hat, muss er sich eingestehen, dass er mehr als nur freundschaftliche Gefühle für seine Kindheitsgefährtin Emily hegt ...   Münzers Bücher haben eine Botschaft.« Die Welt

Hanni Münzer ist eine der erfolgreichsten Autorinnen Deutschlands. Mit den Romanen ihrer »Honigtot-Saga«, der »Seelenfischer«- und »Schmetterlinge«- Reihe sowie der »Heimat-Saga« erreichte sie ein Millionenpublikum und eroberte die Bestsellerlisten. Mit den Romanen »Honigland« und »Honigstaat« (Am Ende der Nacht 1 und 2), setzt sie ihre erfolgreiche »Honigtot-Saga« ebenso spannend wie bewegend fort. Nach Stationen in Seattle, Stuttgart und Rom lebt Hanni Münzer heute mit ihrem Mann in Oberbayern. 

2011, San Diego

Mission Bay

Sie wusste alles über Delfine. Aufzucht, Nahrung, Verhaltensweisen in Freiheit und in Gefangenschaft. Doch das interessierte hier niemanden. Stattdessen ließ man sie die Seehundscheiße vom Felsen kratzen!

Entsprechend wütend turnte Emily auf der künstlichen Klippenlandschaft imSea Adventure Park umher, fuhrwerkte und klapperte mit den Gerätschaften, dass selbst Murmeltiere davon wach würden. Wut und Putzen jedoch waren eine tückische Kombination … Ein kurzer Moment der Unachtsamkeit wurde ihr zum Verhängnis: Sie stieß mit dem Ende ihres Schrubbers gegen den mit Hinterlassenschaften inzwischen reich gefüllten Eimer. Er kippte prompt um, kullerte über die nahe Kante und entließ die mühsam erarbeitete Ladung wieder in die Freiheit.

Emily fluchte.

»Das sagt man nicht, sonst straft einen Gott!«, meldete sich hinter ihr eine seltsam dumpfe Stimme zu Wort – als spreche jemand direkt aus den Felsen zu ihr.

Emily wirbelte herum und verlor dabei das Gleichgewicht. Wild rudernd konnte sie eben noch verhindern, selbst von der Kante zu purzeln. Stattdessen landete sie mit dem Hosenboden in einem schönen dicken Haufen Seehundscheiße. Frisch aus dem Eimer.

Sie linste über den Rand des Felsens und erblickte an seinem Fuß einen Dreikäsehoch, dessen Kopf in einem viel zu großen Astronautenhelm steckte. Sein Anblick erinnerte Emily an ein vom Himmel gefallenes Rieseninsekt. Zumindest wusste sie nun, warum die Stimme derart dumpf geklungen hatte. Das Alter des Jungen vermochte sie schwer einzuschätzen, der Statur nach konnte er kaum älter als sechs oder sieben sein.

Der Junge schob das Visier hoch. Darunter kam eine jener dicken Brillen zum Vorschein, die die Augen grotesk vergrößerten. Emily war nicht erfreut über die unerwartete Störung. Sie arbeitete lieber allein, so wie sie überhaupt gerne allein mit sich war. »Musst du dich so anschleichen?«

»Ich habe mich nicht angeschlichen, aber ich entschuldige mich dafür, dass ich dich erschreckt habe«, erwiderte er feierlich.

Emily seufzte. Der musste wirklich vom Himmel gefallen sein. Sicher war sein Vater eine Art Pastor. Oder Lehrer. Beides Berufsgattungen, zu denen sie ein eher gestörtes Verhältnis pflegte. Andererseits war gegen höfliche Kinder grundsätzlich nichts einzuwenden. Ihre Mutter jedenfalls hätte ihre helle Freude an dem Jungen gehabt. »Du hast mich nicht erschreckt«, erteilte sie ihm großzügig Absolution.

»Warum bist du dann vom Felsen gefallen?«

»Ich bin nicht vom Felsen gefallen«, erwiderte Emily hoheitsvoll und kletterte von der Klippe. Unten angekommen, klopfte sie sich die Tierkacke eher nachlässig von ihrem Overall.

»Was hast du denn ausgefressen?«, fragte der Junge weiter. Er stieß mit der Fußspitze gegen einen der Kotballen.

»Wie kommst du darauf?«

»Weil mein Vater mich immer die Schafscheiße zusammenrechen lässt, wennich etwas ausgefressen habe.«

»Und? Stellst du viel an?« Emily fand zunehmend Gefallen an dem kleinen Kerl.

»Och, eigentlich nicht«, sagte er gedehnt. »Aber du weißt, wie Eltern sind. Die finden immer was, was sie einem anhängen können. Und? Was war es bei dir?«, beharrte er auf einer Antwort.

»Du bist ganz schön neugierig.«

»Ich betreibe Konversation.«

»Wie bitte?« Verblüfft sah Emily ihn an.

»Vater sagt, Konversation sei wichtig, weil es Interesse zeige. Und Interesse führe zu Verständigung und Verständnis.«

»Aha.« Emily kratzte sich am Kopf. Was für ein komischer kleiner Kauz. Aber sie fand, er hatte die Wahrheit verdient: »Ich bin kurz vor Thanksgiving in eine Farm eingebrochen und habe die Truthähne befreit.«

»Krass!« Die überdimensionalen Augen hinter der dicken Brille leuchteten auf.

Emily sonnte sich in seiner Aufmerksamkeit. Der kleine Professor war der Erste, der sie deshalb nicht gleich mit Vorwürfen überhäufte.

»Und warum hast du das getan?«

»Damit die Leute die Truthähne nicht essen.«

»Und? Wurden sie nicht gegessen?«

Tja, dachte Emily, das war der wunde Punkt in ihrem Plan, sie hatte nämlich die Rechnung ohne die Truthähne gemacht.

Tagelang hatte sie die Farm ausspioniert und sich dabei mit den beiden Wachhunden angefreundet. An besagtem Abend hatte sie sie mit zwei saurierg