: Laura Benetti
: Kein Weihnachtsessen ohne Nonna Lucia
: Edel Elements - ein Verlag der Edel Verlagsgruppe
: 9783962152185
: 1
: CHF 3.60
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: Erzählende Literatur
: German
: 212
: kein Kopierschutz
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Darf man Weihnachten ohne die Familie feiern? Alessandra, ausgewanderte Italienerin, entscheidet sich zum ersten Mal, während der Feiertage in Deutschland zu bleiben, um ihre kriselnde Ehe zu retten und ihrer penetranten Mutter aus dem Weg zu gehen. Doch da hat sie die Rechnung ohne Nonna Lucia gemacht, die fest entschlossen ist, die widerspenstige Enkelin umzustimmen und den Familienfrieden wieder herzustellen. Als Alessandras seit Jahrzehnten zerstrittene Eltern unabhängig voneinander nach Berlin aufbrechen, kündigt sich ein abwechslungsreiches und spannungsgeladenes Weihnachtsessen ein.

Laura Benetti, geb. 1982 in Ferrara (Italien), schreibt seit ihrer Kindheit. Nach einem Studium der Ingenieurwissenschaften (aus Vernunft) arbeitet sie seit 2016 als Bloggerin, Journalistin und Übersetzerin. Ihre verrückte italienische Familie inspirierte sie zu ihrem ersten Roman 'Kein Weihnachtsessen ohne Nonna Lucia'. Sie lebt mit ihren drei Kindern in ihrer Wahlheimat Berlin.

Berlin. Freitag, 04. Dezember


Das Telefon klingelt, während ich unter dem heißen Wasserstrahl meinen Körper einseife. Unser Anrufbeantworter schaltet sich ein, und mein fünfjähriger Sohn meldet sich mit der Botschaft „Thomas, Alessandra, Noah und Emma sind nicht da, ruf uns bitte später an“, doch keiner spricht nach dem Piepton auch nur ein Wort, und nach einer Minute legt Vivaldi mit denVier Jahreszeiten wieder los. Ich fand den Klingelton immer nervig, doch Thomas liebt ihn, und so habe ich nachgegeben, damit wir einen Konflikt weniger haben. Es ist nicht so, dass wir zurzeit nicht genug Stress hätten. Ich verteile Shampoo auf meinem Kopf und massiere mit langsamen Kreisbewegungen der Fingerkuppen meine Kopfhaut, während der Anrufbeantworter immer wieder anspringt.

Als es zum zehnten Mal klingelt, drehe ich den Wasserhahn zu, hüpfe zähneklappernd aus der Duschkabine und spurte durch den Flur. Ich greife nach dem Telefon und drücke auf die grüne Taste, um das Gespräch anzunehmen. Noch bevor ich „Hallo“ sagen kann, fegt ein Wortgewitter über mich hinweg. Ich registriere den Klang meiner Muttersprache Italienisch, die schrille Stimme meiner Mutter und Satzfetzen, die ich nicht zu einem Ganzen formen kann. Scheinbar geht es um meine Oma, um eine defekte Heizung und um Kleidung für meine Kinder, aber ich kapiere nicht, wie diese Begriffe miteinander verbunden sind, da Mama alles wie ein Maschinengewehr runterrattert. Es war schon immer schwierig, bei ihr zu Wort zu kommen, aber mit zunehmendem Alter bekommen ihre Gesprächspartner immer weniger Zeit zum Reagieren.

Ich tapse ins Schlafzimmer, das Telefon zwischen Ohr und Schulter geklemmt, und hinterlasse dabei feuchte Fußabdrücke auf dem Dielenboden, während Mama mir von der Eröffnung einer neuen Bäckerei in ihrer Straße in Kenntnis setzt, von dem Tod eines Pfarrers, den ich nicht kenne, von einem Läusebefall in einer benachbarten Kindertagesstätte und von dem Sohn einer Nachbarin, der mal wieder seinen Job verloren hat.

„Die Kioskbesitzerin munkelte, dass er in den Armen einer Prostituierten gestorben sei.“

„Wer denn jetzt?“, frage ich, während ich mir ein Handtuch nehme und es um meine tropfenden Haare wickele.

„Na, Don Gino, der Pfarrer! Ich habe doch gesagt, dass er gestorben ist!“

„Sorry, ich war bei dem Sohn der Nachbarin“, sage ich.

Mama seufzt. „Ah der Sohn der Nachbarin. Das ist ein Taugenichts, sage ich dir. Steht mittags auf, mit seinen fünfunddreißig Jahren, und sieht den ganzen Tag fern. Kein Wunder, dass seine Freundin ihn verlassen hat. Und zottelige Haare hat er immer, wie ein Penner!“ Sie atmet tief und redet dann noch schneller und lauter. „Apropos Haare, du ahnst nicht, was für einen dämlichen Haarschnitt mir die Azubine vom Friseur verpasst hat! Komplett schräg, und viel zu kurz alles!“

„Tut mir leid, Mama, ich ...“

„Ich verstehe, dass die jungen Dinger lernen müssen, aber ich bin doch kein Versuchskaninchen!“

Ich massiere meine rechte Schläfe, während ich ihr zuhöre. Ich fühle mich, als ob ein Zwerg in meinem Kopf sitzen würde, der gegen meinen Schädel hämmert. Nachdem Mama ihrer Wut über die unfähige Friseurin Luft gemacht hat, zieht sie weitere fünf Minuten über die Leiterin d