Barbarossas Großer Hoftag
Mainz
Pfingsten 1184
„Wenn der Kaiser nicht zu uns kommt, reiten wir zu ihm.“
Rapoto Graf von Ortenburg stachelte seine Söhne an. Schelmisch fuhr er fort:
„Junge Grafen aus hochedlem Geschlecht, rüstet Euch!
Ihr, mein Erstgeborener, Rapoto genannt wie ich, und Ihr, Heinrich, genannt wie mein Lieblingsbruder und auch wie mein ältester Onkel, sollt unseren hehren Kaiser von Angesicht sehen. Er lädt die Großen des Reichs zu einem besonderen Hoftag nach Mainz. Da gehören wir dazu. Wir machen uns übermorgen auf den Weg. Auch ich möchte den Herrscher noch einmal von Angesicht zu Angesicht vor mir haben. Wir haben nicht bloß Scharmützel gegeneinander ausgetragen. Wir sind im Gegenteil mehrfach verwandt und ich habe den Kaiser wie seine beiden Vorgänger immer unterstützt, bis ich von ihm arg enttäuscht wurde. Aber ich stehe einem so weitreichenden Grafschaftsgebiet vor, dass ich mich mit allen messen kann. Vor allem bin ich nicht nachtragend.“
Schnell waren die beiden Brüder herbeigeeilt, als der Vater sie rief. Als sie hörten, was des Vaters Wunsch war, schauten sie sich stolz an.
„Was, wir dürfen erstmals zu einem Hoftag, wenn auch nur im Gefolge des Vaters? Wir können miterleben, welch bedeutende Größen von Kirche und Reich dort zusammentreffen? Natürlich legen wir unsere beste Kleidung an und nehmen die Ritterrüstung mit, also das Kettenhemd und den Lederhelm. Wir wollen gewappnet sein und sind neugierig, was wir erleben werden.“
Friedrich der Rotbärtige, seit 1152 römisch-deutscher König und seit 1155 Kaiser des Heiligen Römischen Reichs, hatte wieder einmal zum Hoffest geladen. Von seinen vielen Italienzügen war er als „Barbarossa“ heimgekehrt, aber auch als ein nach zahlreichen, zum Teil brutalen Auseinandersetzungen unumschränkter Herrscher. Die übliche Streitlust der mittelalterlichen Fürsten untereinander und mit ihrem König verringerte sich inzwischen auf ein Mindestmaß. Der Hauptgegner und unangenehmste Leugner des Treueids zum König, Bayerns und Sachsens Herzog Heinrich der Löwe, war 1180 so entmachtet worden, dass keine Gefahr mehr von ihm ausging.
Es nahm daher nicht wunder, dass des Kaisers Einladung an die geistlichen und weltlichen Großen, aber auch an seine Gefolgsleute aus Schwaben und Franken, aus Bayern und Sachsen, aus Österreich und Böhmen, aus Burgund und Lothringen, auf breite Resonanz gestoßen war. Als feierlicher Anlass des Hoffestes zu Mainz galt die vorgesehene Schwertleite für die Kaisersöhne Friedrich und Heinrich. Der Kaiser wollte sich im Glanz seiner stattlich gewordenen Familie sonnen.
Von seiner ersten Ehefrau Adela von Vohburg im bayerischen Nordgau hatte er keinen Nachwuchs bekommen. Doch die zweite Frau nach der Scheidung, Beatrix von Burgund, hatte Macht- und Familienzuwachs erbracht. Dass der ält