: James M. Cain
: Der Postbote klingelt immer zweimal
: Kampa Verlag
: 9783311700067
: 1
: CHF 14.40
:
: Krimis, Thriller, Spionage
: German
: 180
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Frank Chambers ist ein Rumtreiber, und er ist abgebrannt. Eines Tages landet er vor einem Diner irgendwo imkalifornischen Nichts, betrieben vom Griechen Papadakis und seiner schönen jungen Frau Cora. Ihren Ehemann kann Cora nicht leiden, den Rumtreiber Frank dafür umso mehr. Ein Problem, das nur eine Lösung kennt, eine Lösung, die viele Probleme nach sich zieht. Solche, für die es keine Lösung gibt.Schwärzer als bei James M. Cain war die Welt selten. In diesem No Man's Land regieren die Skrupellosigkeit, die Gier nach Sex und nach Geld. Jeder ist sich selbst am nächsten. Erlösung gibt es keine. Unerbittlich und in unvergleichlich pointierter Prosa treibt Cain seine Antihelden ins Verderben.

James M. Cain (1892-1977) gilt als einer der Begründer des roman noir. Er war zunächst als Journalist und Drehbuchautor tätig, bevor 1934 sein erster Roman Der Postbote klingelt immer zweimal erschien, der weltweit gefeiert und mehrfach verfilmt wurde, unter anderem 1946 mit Lana Turner und John Garfield und 1981 mit Jack Nicholson und Jessica Lange. 1970 wurde Cain von den Mystery Writers of America der Grand Master Award für sein Lebenswerk verliehen. Der Postbote klingelt immer zweimal, aber auch Romane wie Mildred Pierce und Double Indemnity zählen heute zu den Klassikern der Kriminalliteratur.

2


Gegen drei kam ein Kerl vorbei, der vollkommen von der Rolle war, weil ihm jemand einen Aufkleber ans Seitenfenster gepappt hatte. Ich nahm das Fenster ab und trug es in die Küche, um den Kleber wegzudampfen.

»Ihr Leute habt’s wirklich raus, wie man Enchiladas macht.«

»Ihr Leute? Was heißt das?«

»Na, Sie und Mr. Papadakis. Du und Nick. Die Enchiladas, die ich vorhin hatte. Großartig.«

»So.«

»Hast du einen Lappen für mich, damit ich das Ding hier sauber kriege?«

»Du hast was anderes gemeint.«

»Wüsste nicht, was.«

»Du denkst, ich bin Mexikanerin.«

»Überhaupt nicht.«

»Oh doch. Und du bist nicht der Erste. Damit das klar ist, ich bin genauso weiß wie du, kapiert? Ich hab zwar dunkle Haare und sehe ein bisschen so aus, aber ich bin genauso weiß wie du. Vergiss das nicht, wenn du hier klarkommen willst.«

»Aber du siehst nicht mexikanisch aus.«

»Sag ich ja. Ich bin genauso weiß wie du.«

»Ich meine, du siehst kein bisschen mexikanisch aus. Mexikanerinnen haben breite Hüften und dicke Beine und den Busen gleich unter dem Kinn, und ihre Haut ist gelb, und ihr Haar sieht aus, als hätten sie Schweinefett reingeschmiert. So siehst du nicht aus. Du bist schlank und hast schöne weiße Haut. Deine Haare sind zwar schwarz, aber weich und lockig. Das einzige Mexikanische an dir sind deine Zähne. Mexikanerinnen haben sehr weiße Zähne, das muss man ihnen lassen.«

»Vor meiner Heirat hieß ich Smith. Nicht besonders mexikanisch, oder?«

»Nicht besonders.«

»Ich komme nicht mal von hier. Ich bin aus Iowa.«

»Smith, aha. Und dein Vorname?«

»Cora. Du kannst mich Cora nennen, wenn du willst.«

Jetzt war mir alles klar. Ich hatte mit meiner Bemerkung ins Blaue gezielt und voll ins Schwarze getroffen. Es lag nicht an den Enchiladas, die sie machen musste, und nicht an ihren schwarzen Haaren. Es war die Ehe mit diesem Griechen, die ihr das Gefühl gab, nicht richtig weiß zu sein. Darum wollte sie nicht, dass ich sie mit Mrs. Papadakis ansprach.

»Cora, gern. Wie wär’s, wenn du mich Frank nennst?«

Sie half mir, das Seitenfenster zu putzen, und stand so dicht neben mir, dass ich sie riechen konnte. Ich sprach ihr direkt ins Ohr, ich flüsterte fast. »Warum hast du diesen Griechen geheiratet?«

Sie zuckte zusammen, als hätte ich sie mit einer Peitsche geschlagen. »Geht dich das was an?«

»Und wie.«

»Hier hast du dein Fenster.«

»Danke.«

Ich ging raus. Ich hatte mein Ziel erreicht. Ich hatte ihre Deckung unterlaufen und ihr so richtig eine reingehauen, dass es ihr weh tat. Jetzt war alles klar zwischen uns. Sie würde vielleicht nicht Ja sagen, aber sie würde mich auch nicht abweisen. Sie wusste, was ich wollte. Und ich wusste, was mit ihr los war.

Beim Abendessen regte sich der Grieche auf, weil Cora mir nicht genügend Bratkartoffeln auftat. Ich sollte mich wohlfühlen, damit ich nicht weglief wie die anderen.

»Gib dem Mann zu essen.«

»Die Kartoffeln stehen drüben auf dem Herd. Kann er sich nicht selbst welche holen?«

»Schon gut. Ich hab noch welche.«

Der Grieche ließ nicht locker. Mit ein bissch