: Alexa Hennig von Lange
: Fanny oder wie sie die Welt sieht
: Thienemann Verlag GmbH
: 9783522610919
: 1
: CHF 8.90
:
: Kinderbücher bis 11 Jahre
: German
: 160
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Ein Roman für Kinder ab 10 Jahren über eine zauberhafte Begegnung in einer Zeit, die bunter und turbulenter nicht sein könnte Nie ist Fanny so gerne in die Schule gegangen wie an diesem Morgen. Denn sie hat ein richtig gutes Referat in der Tasche und brennt darauf, es vorzutragen. Aber warum blickt sie plötzlich in das Gesicht eines fremden Mädchens mit weißer Perücke? Und genau vor ihr ist ein echtes Schloss! Kein Zweifel, sie ist in einer anderen Zeit gelandet. Nicht nur, dass Fanny auf einmal ein Leben bei Hofe führt, sie lernt auch Amadeus kennen. Den Amadeus, von dem sie ihrer Klasse gerade noch erzählen wollte! Was hat das zu bedeuten? Das hat doch alles gar nichts mit ihr zu tun - oder etwa doch?

Alexa Hennig von Lange wurde 1973 geboren und begann bereits mit acht Jahren zu schreiben. 1997 erschien ihr Debütroman Relax, mit dem sie über Nacht zu einer der erfolgreichsten Autorinnen und zur Stimme ihrer Generation wurde. 2002 bekam sie den Deutschen Jugendliteraturpreis. Es folgten zahlreiche Romane für Erwachsene wie für Jugendliche und Kinder, außerdem Erzählungen und Theaterstücke. Alexa Hennig von Lange lebt mit ihrem Mann und ihren Kindern in Berlin.

Ich mag keine Schule – auch, wenn alle Erwachsenen behaupten, dass Schule ganz „toll“ ist. Weil man da so viel lernt. Ich lerne da überhaupt nichts. Jedenfalls nichts, was für mich und mein weiteres Leben zu gebrauchen wäre. So was darf man ja nicht laut sagen, weil dann alle denken, man ist faul. Ich bin nicht faul. Ich habe nur kein Interesse an dem ganzen langweiligen Zeug. Warum auch? Ich sehe einfach keinen Sinn in Mathe oder Physik oder französischer Grammatik. Ich vergesse diese ganzen Regeln, Formeln und Gesetze sowieso alle sofort wieder. Aber Mama sagt: „Fanny! Du hast keine Ahnung, wozu du das in deinem Leben noch alles brauchen wirst.“

Äh?! Wozu denn bitte? Will ich Einstein werden? Oder Dolmetscherin? Aber sogar meine Schwester Ella, sie ist schon fünfzehn, sagt das. Kein Wunder! Sie ist die Beste in der ganzen Schule. Die Lehrer lieben sie, weil der Unterricht mit meiner Schwester immer so erfolgreich ist. Hat gerade ihr Physiklehrer Herr Sommerkamp zu Mama am Telefon gesagt. Wirklich! Deswegen hat er eben extra bei uns angerufen. Als wir alle gemütlich beim Abendbrot sitzen. Klingeling. Nur um diesen seltsamen Satz fallen zu lassen!

„Der Unterricht ist dank Ihrer Tochter immer so erfolgreich.“ Was soll der Satz überhaupt bedeuten? Keine Ahnung. Jedenfalls haben wir alle, Papa, Ella und ich zu Mama geguckt, wie sie mit dem Telefon am Fenster stand, fast schon im Vorhang drin. Immer wieder hat sie gesagt: „Ach, das freut mich aber!“ Immer wieder: „Ach, das freut mich aber!“ Als sei der Physiklehrer von Ella schwer von Begriff. „Ach, das freut mich aber!“ Und: „Vielen herzlichen Dank. Ich werde es Eleonore ausrichten.“

Mama hat aufgelegt, das Telefon in die Ladestation gestellt und sich zwischen Sofa und Bücherregal zu uns zurück an den Tisch geschlängelt. Dabei hat sie über das ganze Gesicht gestrahlt, als hätte gerade die Lottogesellschaft durchgeklingelt, um ihr zu sagen, dass sie den 10-Millionen-Euro-Jackpot geknackt hat. Mama spielt nämlich Lotto – ohne jemals etwas gewonnen zu haben. Aber das ist eine andere Geschichte. Jedenfalls hat sie Ella einen Kuss auf die Stirn gegeben und zu Papa gemeint: „Das war der Physiklehrer von Ella und er hat gesagt, dass jede Stunde mit unserer Tochter ein Erfolg ist.“

Papa hat sich den Mund mit der Serviette abgewischt, gekaut und solche lobenden Laute von sich gegeben. Und dann hat er das Daumenzeichen gemacht, weil er sich schon wieder eine Gabel mit Salat in den Mund gesteckt hat und nicht sprechen konnte.

Ella hat milde gelächelt, als wäre solch ein Anruf in den Abendstunden nichts Besonderes. Aber natürlich hat sie die Nachricht schweinemäßig gefreut, weil Ella nichts anderes will, als total erfolgreich zu sein. Sie steht drauf, wenn andere Leute merken, dass auf sie nur schwer zu verzichten ist. Ganz ehrlich? Ich befürchte, meine Schwester will später, wenn sie groß ist, die Weltherrschaft übernehmen. So verhält sie sich mir gegenüber eigentlich jetzt schon. Als hätte sie bereits die Weltherrschaft übernommen. Ständig kommandiert sie mich herum – große Schwester eben. „Stell dein Geschirr in die Spülmaschine.“ Oder: „Lass deine Klamott