Kapitel 3
Es liegt was in der Luft …
Wir trafen uns in Helsinki. Leevi kam von Kalifornien angeflogen und ich von Deutschland. Natürlich wollte ich einen genauen Reisebericht hören.
„Breathtaking war unglaublich schön, aber Zeit war viel zu kurz. Irgendwann wir machen drei months timeout und dann fahren wir beide. Nur du und ich und wir nehmen viel Zeit für Grand Canyon.“ Er küsste mich ganz innig.
„Oh ja, das machen wir. Ich wollte schon mit zwanzig einen Motorradführerschein machen, das werde ich jetzt nachholen.“
„Wirklich?“ Er rückte ein Stück von mir ab, um mich besser anschauen zu können.
„Ja, ganz wirklich“, sagte ich lachend, da ich ihm seine Zweifel deutlich anmerkte.
Leevi schüttelte seinen Kopf, schnaufte laut und drückte mich wortlos an sich.
Er hatte alles perfekt organisiert. Einmal in der Woche kam seine Putzperle zu uns raus ins Sommerhaus, machte alles schön sauber und kochte auch für uns. Ansonsten mussten wir halt selber kochen. Leevi hatte extra ein Kochbuch gekauft! „Es wird Zeit, dass sich jemand kümmert um dich“, hatte er ernst und bestimmt gesagt. Er war so süß!
Wir fuhren mit dem Boot raus, gingen schwimmen, saßen bis weit nach Mitternacht draußen. Herrlich! Es war ein außergewöhnlich heißer Sommer für Finnland und so wuchteten wir die Matratze auf den Balkon und schliefen draußen, wenn kein Gewitter kam. Ich konnte einfach nicht genug von ihm bekommen. Nie! Woher in aller Welt wusste er immer ganz genau, was ich gerade brauchte? Einmal fragte ich ihn danach. Er hatte sein Pokerface aufgesetzt und gesagt: „I can read your thoughts, always.“ Das konnte er natürlich nicht, aber irgendwie konnte er sie erraten? Jedenfalls war es der schönste Sommer aller Zeiten! Wir genossen unsere Zweisamkeit so sehr.
Am Samstag rückte, wie versprochen, Mirja mit Familie an. Auch Ida, das Kindermädchen, brachten sie mit. Sie war wirklich ein Sonnenschein. Beschäftigte die Kinder den ganzen Tag, legte Helena zum Mittagsschlaf hin und kümmerte sich um Elias beim Essen. So hatten wir genug Zeit für Mirja und Daniel. Leevi ging mit Daniel Bootfahren und ich setzte mich mit Mirja an den Steg, wo wir unsere Beine baumeln ließen. Im Hintergrund hörten wir Ida mit Jaana singen.
„Eure Ida ist ja wirklich nicht mit Gold zu bezahlen“, sagte ich.
„Ja.“ Mirja blickte hinüber zu den beiden. „Wir überlegen, ob wir sie fest einstellen sollen, dann könnte ich halbtags wieder arbeiten gehen.“
„Möchtest du das denn?“
„Ja, ich glaube es würde mir guttun. Ich muss langsam mal wieder etwas Anderes sehen und neue Menschen kennenlernen.“
Ich sah sie an und nickte. „Das kann ich gut verstehen.“
„Wirklich?“
„Ja, absolut. Warum hinterfragst du das so nachdrücklich?“
„Mom ist nicht begeistert von meiner Idee. Sie sagt, bei ihr wäre das etwas anderes gewesen, weil sie arbeiten gehen musste, aber sie hätte niemals freiwillig ihre Kinder alleine gelassen.“
„Ach, Mirja, du lässt deine Kinder doch nicht alleine. Ein Halbtagsjob. Die Kinder sind in der Zeit doch sowieso in der Schule oder im Kindergarten. Lass dir bloß kein schlechtes Gewissen einreden. Wichtig ist, was du willst und was Daniel dazu sagt.“
„Er versteht das total.“
„Na also, dann ist die Sache doch schon geklärt.“
Sie lächelte mich an.
„Danke, Mona. Ich weiß schon, warum ich mir immer eine große Schwester gewünscht habe.“
Ich drückte sie, „und ich könnte mir nichts Schöneres vorstellen, eine Schwester wie dich zu haben.“
Den Rest des Tages nahm mich Jaana in