: Michael Böhm, Dieter Hentzschel
: Dinner mit Elch
: Bookspot Verlag
: 9783956691096
: 1
: CHF 4.50
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: Krimis, Thriller, Spionage
: German
: 300
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
In einem Blockhaus an einem idyllischen See mitten im tiefsten finnischen Winter, weitab von jeder Zivilisation trifft sich eine Gruppe von Männern und Frauen. Die kleine Gemeinschaft will fern vom Alltagsstress ein schönes Wochenende verbringen. Fehlanzeige! Schon am ersten Morgen findet man einen Gast mit dem Kopf in der Müslischale - tot. Ganz offensichtlich wurde er ermordet. Doch das ist nur der Auftakt für diese turbulenten Tage. Niemand von außerhalb kann sich eingeschlichen haben, doch auch innerhalb der Hütte hatte der Tote genug Feinde. Wer unter ihnen ist der Mörder? Eine rasante Hetzjagd beginnt, bei der niemand so genau weiß, wer der Jäger und wer der Gejagte in diesem grausamen Spiel ist. Gelingt es den Mörder zu fassen, bevor er noch mehr Menschen umbringen kann?

Michael Böhm wurde 1947 im Taunus geboren, verbrachte in Oberursel seine Kindheit und Jugend. Als Schriftsetzer-Meister war er als Ausbilder tätig, bevor er in die Datenverarbeitung wechselte. Er lebt in der Nähe von München. Nach Veröffentlichungen in Anthologien erschienen zwei Kriminalromane rund um einen Buchhändler und den eigenwilligen Detektiv Homer. Der erste Teil seiner Petermann-Trilogie mit dem Titel 'Herrn Petermanns unbedingter Wunsch nach Ruhe' wurde 2014 für den Friedrich-Glauser-Preis nominiert, 2016 erhielt er die begehrte Auszeichnung für den zweiten Band 'Herr Petermann und das Triptychon des Todes'. Mit 'Quo vadis, Herr Petermann?' schließt die Reihe ab. Dieter Hentzschel, Jahrgang 1939, verbrachte seine Kindheit und frühe Jugend in Dachau. Familäre Bande verschlugen ihn für zehn Jahre nach Ludwigshafen/Rhein, wo sein beruflicher Lebensweg in der Unterhaltungselektronik begann. Zurück in seiner Heimatstadt Dachau suchte er neben seinem Berufsalltag kreative Betätigungsfelder. Neben Schreiben und Malen entdeckte er das Medium Film. Nach Eintritt in seinen Ruhestand fokussierte sich seine Begeisterung auf den Dokumentarfilm, mit dem er die vielfältigsten Themen seiner unmittelbaren Heimat in Szene setzt. Als Glücksfall entpuppte sich seine Bekanntschaft in einem Literaturkreis mit Michael Böhm. Eine wildes Schreibabenteuer nahm seinen Anfang.

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Wirklichkeit oder Märchenland?

Ohne zu überlegen, entschied sich Göran für das Märchenland, weil dort bekanntlich Wünsche erfüllt werden. Vor seinem inneren Auge bewegte sich ein lockendes Trugbild, eine Fata Morgana erotischer Spiele. Seine Vorstellung gaukelte ihm für das Wochenende in den schönsten Farben die Erfüllung seiner geheimen Wünsche vor. Keinen Gedanken verschwendete er daran, dass er die nahe Zukunft viel zu bunt ausmalen, die Zukunft nur ein zartes Gespinst sein könnte. Er war also noch völlig ahnungslos, wie die nächsten Tage verlaufen würden.

Seinen Geländewagen hatte er vor dem Blockhaus abgestellt und war im dämmrigen Grau des frühen Nachmittags zuerst durch den tiefen Schnee zum Anbau gestapft. Im Schein einer Lampe hatte er den Generator überprüft, gestartet und nach kurzer Wartezeit den Schalter für den Strom umgelegt. Dann hatte er durch die Hintertür das Haus betreten, das Licht eingeschaltet, einen ersten Rundgang gemacht. Anschließend brachte er in einem großen Korb Holz herein, heizte den Kamin im Wohnraum, die Öfen unten und in der oberen Etage sowie im Anbau, danach klappte er von außen die Läden auf. Schaute einen Moment in den dichten Wirbel der Schneeflocken. Die ganze Zeit bastelte er sich bester Laune als Regisseur fantasievolle Szenen mit Nadja zurecht. Nadja, die Freundin Eriks, des freien Mitarbeiters ihrer Werbeagentur, spielte die Hauptrolle in seinem fiktiven Drehbuch. Wenn er diese aparte, für ihn so erregende, attraktive Frau sah, dann wurde ihm jedes Mal ganz anders. Sein Verlangen hatte weitere Nahrung bekommen, als sie ihm neulich auf eine verdammt zweideutige Art zulächelte. Falls dieser Blick ihrer schrägen grünen Katzenaugen keine Einladung war, dann verstand er nichts mehr von Frauen. Was ihn bisher auf Abstand zu Nadja gehalten hatte, war allein die niedrige Mauer der Liaison zwischen ihr und Erik. Aber an diesem Wochenende würde sich die Gelegenheit bieten, klare Verhältnisse zu bekommen; er, Göran, würde auf seine Art Klarheit schaffen. Darum war er auf Olovs Vorschlag, mitzufahren überhaupt eingegangen.

Mit seinem schweren Wagen hatte es bei der Herfahrt keine Probleme gegeben. Gut, er durfte den Fuß nicht zu stark und zu lange auf dem Gaspedal stehen lassen (wie es seine Stimmung eigentlich verlangt hätte), denn das Schneetreiben war doch zu heftig, die Sicht zu schlecht. Die ruhige Verkehrslage war bei diesem Wetter allerdings ein willkommener Umstand. Seit er losgefahren war, also seit gut 100 Kilometern, waren ihm gerade mal vier Autos entgegengekommen. Ein Wagen war ziemlich lange hinter ihm hergefahren, bis die Scheinwerfer, als er wieder mal in den Rückspiegel blickte, plötzlich nicht mehr zu sehen waren. Jetzt auf den Landstraßen unterwegs zu sein, war keine wirklich wahre Freude. Der Schnee reflektierte das Licht und jetzt im Winter war es zumeist ohnehin fast dunkel, zudem tanzten die weißen Flocken vor einem bläulichen Samtvorhang. Endlich hatte er dann den kleinen Ort erreicht, war also fast an seinem Ziel, rollte durch die menschenleeren Straßen, die Straßenlaternen hatten eine gelbliche Korona, und nahe der einzigen Kreuzung stand ein Streifenwagen vor einer Drogerie. Nicht weit entfernt von den letzten Häusern erstreckte sich rechts voraus der See, auf dessen gegenüberliegender Seite das Blockhaus nahe am Ufer stand. Wenn er nach wenigen Kilometern links die hohe Hecke erkennen würde – sie wirkte bei diesem Licht regelrecht wie eine schwarze Mauer, hinter der sich der alte Lappenfriedhof versteckte – musste er nach rechts in den Weg einbiegen. Er gab sich selbst den Befehl, im Schritttempo vorwärts zu rollen, was so gar nicht seiner Natur entsprach, aber er wollte nun mal die Zufahrt nicht verpassen. Auf dem Weg half ihm der Vierradantrieb, der den schweren Wagen sicher durch den recht hohen Schnee pflügte, während sich rechts und links der Wald hinzog.

Einen Augenblick lang blieb er noch in der Tür stehen, nachdem er die vier Kisten mit Lebensmitteln aus dem Wagen geholt, ins Haus und gleich in die Küche gebracht hatte. Er blickte in das weiße, fliegende Schneechaos und fragte sich mit einem halben Gedanken, warum Olov unbedingt, fast dickköpfig, darauf bestanden hatte, an solch einem Woc