Draußen war es Frühling. In Evas Herzen herrschte tiefster Winter.
Von ihrem Bett aus sah sie die Wipfel zweier Birken, die sich leicht im Wind bogen. Sie hatte die Birken kahl gesehen, hatte mitverfolgt, wie sie die ersten Blätter bekommen hatten. Die Bäume waren ihr täglicher Beweis, dass die Welt sich weiterhin drehte, auch, wenn sie für sie selbst stehen geblieben war.
Seit fast zwei Monaten lag sie mittlerweile in der Wiener Privatklinik, in der alle um ihr Wohlergehen besorgt waren. Das änderte jedoch nichts daran, dass sie durch einen Gips am linken Bein ans Bett gefesselt war.
Mediale Schenkelhalsfraktur, hatten die Ärzte diagnostiziert. Der Liegegips war unangenehm, aber im Vergleich zu den Rippenbrüchen recht gut auszuhalten. Rund einen Monat lang hatte sie sich nicht einmal zur Seite drehen können, ohne vor Schmerzen fast zu schreien.
Jeden Tag bekam sie eine Spritze, um der Thrombosebildung vorzubeugen. An den Einstichstellen war ihr Bauch bereits komplett von blaulila Flecken und leichten Schwellungen übersät.
Doch das, was sie am meisten belastete, war die Sache mit ihrem linken Arm. Olekranonfraktur, sagten die Ärzte untereinander. Ellbogentrümmerbruch, sagten sie zu ihr. Sie war operiert worden, insgesamt bereits drei Mal.
Wir kriegen das wieder hin, hatte der Chefarzt ihr versprochen und sie dabei zuversichtlich angelächelt. Es ist nur eine Frage der Zeit.
Sie hätte gerne gewusst, von welchem zeitlichen Horizont er sprach. Weitere zwei Monate? Oder zwei Jahre? Wahrscheinlich konnte sie die Konzertsaison für dieses Jahr sowieso vergessen. Aber würde sie nächstes Jahr wieder fit sein?
Aus Angst vor der Antwort hatte sie nicht gewagt, nachzufragen. Sie tat sich ohnehin mit jeder Woche, die sie in diesem Krankenhaus verbrachte, schwerer, Worte zu finden. Gespräche waren anstrengend und ermüdeten sie rasch.
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