: Paul Finch
: Tödliche Barden Eine schauerliche Weihnachtsgeschichte
: Piper Verlag
: 9783492984973
: Mark-Heckenburg-Reihe
: 1
: CHF 0.90
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: Krimis, Thriller, Spionage
: German
: 103
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Sie können es nicht mehr abwarten, bis der neue Thriller von Paul Finch erscheint? Lesen Sie jetzt eine spannende weihnachtliche Kurzgeschichte des Bestseller-Autors! London, Weihnachtsabend: DS Mark »Heck« Heckenburg fährt Streife durch die hellerleuchteten Straßen der Stadt, als er einen beunruhigenden Anruf erhält. Eine alte Freundin fürchtet um ihr Leben, vor ihrer Tür sind Weihnachtssinger und sie scheinen so gar nicht besinnlich und friedvoll. Und Heck muss feststellen, dass in dieser Nacht gar nichts ist wie es scheint. Creepy Christmas!

Paul Finch hat als Polizist und Journalist gearbeitet, bevor er sich ganz dem Schreiben widmete. Neben zahlreichen Drehbüchern und Kurzgeschichten veröffentlichte er auch Horrorromane und wurde mehrfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem British Fantasy Award und dem International Horror Guild Award. Er veröffentlichte bereits mehrere sehr erfolgreiche Thriller um den Ermittler Mark »Heck« Heckenburg. Seine neue Serie, in der Lucy Clayburn ermittelt, eroberte England im Sturm. Paul Finch lebt mit seiner Familie in Lancashire, England.

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Im Wetterbericht war für den Abend Schnee vorhergesagt worden, aber Jen hatte nicht erwartet, dass es wirklich schneien würde. Wie oft schneite es schon mitten in London, und dann auch noch an Weihnachten?

Weiße Weihnachten gab es nur äußerst selten, auch wenn das zu der Zeit, in der Charles Dickens gelebt hatte, vielleicht einmal anders gewesen sein mochte. Jen hatte mal gelesen, dass es in London dieser Tage wärmer war als im neunzehnten Jahrhundert. Damals hatte auf der Themse offenbar sogar oftmals ein Weihnachtsmarkt stattgefunden, da man auf der Eisdecke des Flusses Stände und Zelte hatte aufbauen können. Doch solange sie sich zurückerinnern konnte, war die Themse kein einziges Mal zugefroren, und das wollte was heißen, denn sie war durch und durch ein Londoner Mädel und hatte in den vierzig Jahren ihres Lebens nie woanders gewohnt. Dass die Themse nicht mehr zufror, lag wahrscheinlich an all den unterirdischen Installationen, die es dieser Tage gab. Nicht nur die U-Bahn, sondern auch Abwasserkanäle, elektrische Leitungen oder mit Gas und heißem Wasser gefüllte Rohre. Und all diese Installationen sandten Wärme nach oben durch die Bürgersteige und Straßendecken. Außerdem gab es inzwischen viel mehr und höhere Häuser als damals, die zudem zentral geheizt wurden und in denen es jede Menge elektrische Leitungen und Warmwassersysteme gab, sodass die Gebäude Wärme in die Atmosphäre über der Stadt abstrahlten.

Somit konnte es im inneren Stadtbereich Londons zwar durchaus kalt werden, aber es musste schonsehr kalt werden, damit sich die Stadt in eine klassische Winterlandschaft verwandelte. Und an diesem Abend musste esextrem kalt sein.

Alle würden den Schneefall natürlich herrlich finden. All diese Idioten da draußen, die tranken, bis sie voll waren wie die Haubitzen. Sie würden sagen, dass die weiße Pracht alles »so weihnachtlich« mache, während sie von einem Pub zum nächsten taumelten, die Typen in kurzärmeligen Hemden mit offenen Kragen, die Mädels in freizügigen Minikleidern und hochhackigen Schuhen, und alle so sternhagelvoll, dass sie gar nicht merkten, wie durchgefroren sie waren. Gegen Mitternacht würden einige von ihnen in den Gossen liegen oder auf Parkbänken schnarchen und die Kälte immer noch nicht spüren.

Man musste schon ziemlich betrunken sein, um in so einen Zustand zu verfallen, was in Anbetracht dessen, dass Weihnachten war, einfach nur absurd war. Wie viele Weihnachtsfeiertage mussten diese Leute als ein Häufchen Elend verbracht haben, von pochenden Kopfschmerzen geplagt, und beim leichtesten Hauch der Brandy-Sahne auf dem Pudding kurz davor, sich übergeben zu müssen?

So ein selbstzerstörerisches Verhalten. So kindisch.

Über all das sann Jen nach, während sie unter der weihnachtlichen Dekoration am vorderen Fenster stand, eine Zigarette rauchte und zusah, wie die Schneeflocken unaufhörlich hinabrieselten und die Jubilee Crescent mit einem makellosen weißen Teppich bedeckten. Und obwohl sie sich an diesem Abendselber ein Glas Sheridan’s Coffee Liqueur genehmigt hatte, das sie sogar noch in der linken Hand hielt und in dem die Eiswürfel klirrten, während sie ihren Ärger über das kollektive Besäufnis da draußen zu unterdrücken versuchte, sagte sie sich, dass sie keine Heuchlerin war. Nach diesem Glas war Schluss. Oh ja, sie gönnte sich gerne ein Gläschen oder auch zwei, aber sie kannte die Schattenseiten des exzessiven Trinkens. Sie hatte in dieser Hinsicht zu viel durchgemacht, erst mit ihrem Vater und später dann mit Ronnie.

Was Weihnacht